Sport

Zum Vormacher für junge Sportler werden

11.10.2026 • 08:00 Uhr
Zum Vormacher für junge Sportler werden
Martin Rinderer stellt sich ein ausgewogenes Mittagessen zusammen, das ihm schmeckt. Dietmar Stiplovsek

Das Olympiazentrum Vorarlberg richtet am 6. und 7. November im bäuerlichen Schul- und Bildungszentrum in Hohenems das Sportsymposium Bodensee aus. Bei der praxisorientierten zweitägigen Veranstaltung wird die so große Rolle der Ernährung im Nachwuchssport beleuchtet. Ein Ausblick mit dem Mastermind der Veranstaltung Martin Rinderer, auf den Größen wie David Alaba vertrauen.

Essen muss geil schmecken, sonst wirkt es weniger“, sagt der Ernährungsspezialist Martin Rinderer. Die Aussage verblüfft womöglich insofern, als dass der 41-Jährige in seiner Expertise als Ernährungs­coach Spitzensportler berät, wie einst Segel-Olympiasieger Lukas Mähr oder seit Jahren die ÖFB-Nationalmannschaft, die er im Sommer auch zur WM nach Nordamerika begleitet hat. Gesunde Ernährung, erst recht im Sport und Spitzensport, wird schließlich oft mit Verzicht und massiven Abstrichen beim Geschmack gleichgesetzt – weil das vielerorts so propagiert wird: „Das ist der völlig falsche Ansatz“, schüttelt Rinderer mit dem Kopf: „Wenn das Essen nicht den eigenen Vorlieben entspricht, dann ist die Ernährungsumstellung nicht von Dauer. Spätestens nach ein paar Monaten ist man wieder im alten Trott, was auch völlig nachvollziehbar ist. Essen muss ein positives Erlebnis sein.“

Genau diese und viele weitere wichtige Ernährungstipps gibt Rinderer und ein ausgewähltes Top-Expertenteam am 6. und 7. November beim Sportsymposium Bodensee, das vom Olympiazentrum Vorarlberg im bäuerlichen Schul- und Bildungszentrum BSBZ Hohenems veranstaltet wird. Im Mittelpunkt steht dabei die bedarfsgerechte Ernährung von jungen Athleten – und zwar unabhängig von deren Kaderstatus. Weil ein Sportler, der im Jugendalter noch nicht die Leistungskader erreicht hat, sehr wohl noch durchstarten kann.

Vorbildcharakter

Und weil gesunde Ernährung nicht nur Sache des absoluten Spitzensports sein darf. Sondern auch im Breitensport wichtig ist. Deshalb lautet der Übertitel des Sportsymposiums auch: Fueling Future Champions – Ernährung im Nachwuchssport verstehen, vermitteln und umsetzen. Die zweitägige Veranstaltung richtet sich vor allem an das Umfeld junger Sportler: Trainer, Pädagogen, Eltern. Weil diese drei Personengruppen nebst den Gleichaltrigen das Dreigestirn bilden, die den jungen Nachwuchssportler prägen. Rinderer betont: „Es ist zwar ganz nett, wenn Eltern einer Kunstturnerin wissen, wie die Figuren heißen, die ihre Tochter turnt. Aber helfen können sie ihrer Tochter, wenn sie verstehen, welche Ernährung sie braucht.“ Dass Trainer ein Basiswissen über die richtige Ernährung haben sollten, ist selbsterklärend, vergleichbar ist es auch bei den Pädagogen: „Sportlehrer vermitteln ähnlich wie Trainer praktisches und theoretisches Wissen“, umschreibt Rinderer und fügt an: „Aber das Symposium richtet sich nicht nur an Sportlehrer, sondern auch den Deutsch- oder Mathematiklehrer, die ja bei Wien- oder Sportwochen dabei sind und wissen sollten, was und wann die jungen Athleten essen sollten.“ Freilich ist bei solchen Themenwochen oder bei Turnieraufenthalten im In- und Ausland der Speiseplan nur sehr bedingt beeinflussbar, aber wichtig ist auch die Planung der Snacks und Zwischenmahlzeiten. So gehe es auch ganz allgemein darum, dass die Trainer, Lehrer und Eltern verstehen, dass die Heranwachsenden sowohl vor dem Training als auch vor dem Wettkampf das richtige Trinken und Essen sollten. Hinzu kommt der Vorbildcharakter der Lehrer, die Orientierung bieten und so zum Vormacher werden sollten.

„Die körperlichen Reserven bauen wir vor allem im Kinder- und Jugendalter auf, diese sorgen dafür, dass ich als Erwachsener möglichst lang gesund und fit bleibe beziehungsweise als erwachsener Spitzensportler die körperlichen und genetischen Möglichkeiten ausreize. Nur so kann ein Athlet sein Leistungsmaximum ausschöpfen“, erklärt Rinderer. Gerade Nachwuchssportler leiden häufiger an klassischen Überlas­tungserscheinungen, wie der Performance Nutritionist, Ernährungswissenschaftler und Spezialist für Psychoneuroimmunologie weiter beschreibt: „Wachstumsstörungen und andere Beschwerden hängen ganz oft mit Ernährungs- und Nährstoffdefiziten zusammen.“ Was ja auch logisch ist: Essen ist die einzige natürliche Option, dem Körper Energie und Stoffe zuzuführen, damit der Körper funktionieren kann.

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Martin Rinderer im Gespräch mit der NEUE am Sonntag. Dietmar Stiplovsek

Irrglaube

Das Grundproblem basiert auf einer eigentlich allgemein gültigen Wahrheit: Jeder fühlt sich deshalb als Experte beim Essen, weil jeder weiß, was ihm schmeckt, und eigentlich auch jeder glaubt zu wissen, was einem gut tut und was nicht. Aber erstens scheitert es trotzdem oft an der Umsetzung und zweitens stimmt es eben letztendlich trotzdem häufig nicht, dass wir über die allgemeinen Stehsätze hinaus wirklich ein umfangreiches Wissen über die Ernährung haben. Zudem wird gerade auch in den sozialen Medien das Ernährungsthema oft völlig verfälscht, betont Rinderer: „Influencer erklären, welche Diät bei ihnen geklappt hat, und erzeugen damit das Bild, dass diese individuelle Diät bei allen funktioniert. Das ist grundfalsch, denn die individuelle Umsetzung ist nicht gleichzusetzen mit der allgemein gültigen menschlichen Physiologie und Psychologie. Jeder Körper funktioniert gleich, aber wenn eben das Essen nicht schmeckt, kann der angepriesene Fisch noch so gesund sein, dann wird weder die Diät noch die Ernährungsstrategie beim Sportler zum Erfolg führen.“

Hohe Expertise

Deshalb ist es den Verantwortlichen des Olympiazentrums auch so wichtig, das Sportsymposium der richtigen Ernährung im Nachwuchsalter zu widmen. Die Veranstaltung, bestehend aus Vorträgen und Workshops, dauert zwei Tage und ist in zwei Blöcke unterteilt: Am ersten Tag steht die theoretische Wissensvermittlung an, am zweiten Tag praxisorientierte Workshops. Schon ein auszugsweiser Blick auf die Vortragenden zeigt, wie hochkarätig die Veranstaltung ist: Winfried E. Banzer leitet zum Beispiel die wissenschaftliche Abteilung des deutschen Fußballbundesligisten Eintracht Frankfurt. Darinka Stock betreut als Ernährungsexpertin Sturm Graz sowie seit Neuestem die ÖFB-Frauennationalmannschaft.

Anna Lena van der Felden ist beim DFB verantwortlich für die Entwicklung und Umsetzung moderner Ernährungskonzepte für alle Nachwuchsnationalmannschaften. Ihr Fokus liegt dabei auf Leistungsoptimierung, Regeneration, Belastungssteuerung und langfristiger Athletengesundheit. Das Besondere ist, dass sie als Köchin auf eine mehrjährige Berufserfahrung in der Sternegastronomie zurückgreifen kann. Psychologin Mirjam Wolf berät Spitzen- und Nachwuchssportler sowie Teams und Trainer. Um das Ernährungsthema ganzheitlich zu beleuchten, hält auch die Vorarlberger Influencerin Linda Meixner einen Vortrag, in dem sie über die Kunst spricht, sich beim eigenen Körperbild und der Ernährung von den vielen Einflüssen in den sozialen Netzwerken abzugrenzen. Yvonne Foster erklärt, wie wichtig Trinken im Trainings- und Schulalltag ist, Maria-Christina Rehberger zeigt als Sportpsychologin und Psychotherapeutin die Anzeichen von auffälligem Essenverhalten auf. Niko Rittenau spricht über die Grundlagen einer ausgewogenen Kost und, ein nicht zu unterschätzendes Thema, Nahrungsergänzungsmittel.

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Rinderer in der Kantine des Olympiazentrums Vorarlberg. Dietmar Stiplovsek

Beispiel Alaba

„Wir decken thematisch genau jenes breite Spektrum beim Sportsymposium Bodensee ab, das wir uns vorgenommen haben. Ich bin sehr glücklich, dass wir so viele erfahrene Vortragende mit so prominenten Referenzen gewinnen konnten“, betont Rinderer und schickt auch gleich hinterher, warum die Referenzen gerade beim Thema Ernährung so wichtig sind: „Wenn ich Jugendlichen davon erzählen kann, wie sich David Alaba vor einem WM-Spiel ernährt und das mit einem persönlichen Video untermauern kann, dann hat das eine Wucht. Denn eben: Die Ernährung ist so eine höchstpersönliche Erfahrung, dass wir uns alle für Experten halten. Beweisen zu können, auf welche Regeln die Besten vertrauen, hilft enorm dabei, die Aufmerksamkeit und eine Glaubwürdigkeit zu erlangen.“

Weitere Infos zur Veranstaltung sowie der Anmeldung unter olympiazentrum-vorarlberg.at/sportsymposium.