Vorarlberg

Vorarlberg mit massivem Anstieg bei Firmeninsolvenzen: Das sind die Gründe

13.10.2026 • 12:12 Uhr
Vorarlberg mit massivem Anstieg bei Firmeninsolvenzen: Das sind die Gründe
AKV-Expertin Cornelia Wesenauer sieht zwei Faktoren, die die Statistik maßgeblich beeinflussen. Canva/Hartinger, AKV

Während im Bundestrend die Zahl der Firmeninsolvenzen rückläufig ist, verzeichnet Vorarlberg einen massiven Anstieg (+67,7 Prozent). AKV-Sprecherin Cornelia Wesenauer erklärt der NEUE, woran das liegt.

Wenn man so will, trotzt Vorarlberg bei den Firmeninsolvenzen dem Bundestrend – im negativen Sinne. Erstmals nach drei Rekordpleitejahren ging die Zahl der eröffneten Unternehmensinsolvenzen in Österreich in den ersten drei Quartalen um 7,65 Prozent zurück. Dazu verzeichneten sieben von neun Bundesländern ebenfalls einen Rückgang. In Vorarlberg hingegen stiegen die Firmenpleiten um 67,69 Prozent an. Das zeigt die am Dienstag publizierte Insolvenzstatistik des Alpenländischen Kreditorenverbands (AKV).

44 Firmenpleiten mehr als im Vorjahr

In absoluten Zahlen zeigt sich die Lage wie folgt: 65 Firmeninsolvenzen wurden 2025 im ersten, zweiten und dritten Quartal eröffnet, 2026 waren es 109 Verfahren (+44). Davon entfallen die meisten auf den Bezirk Dornbirn (45 Insolvenzen), gefolgt von Feldkirch (28), Bregenz (25) und Bludenz (11).

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Gegenüber der NEUE erklärt AKV-Sprecherin Cornelia Wesenauer, dass die auf den ersten Blick beachtliche Abweichung täuscht: “Die Zahlen aus Vorarlberg wirken sich auf die Entwicklung in gesamt Österreich gering aus. Der Bundestrend wurde in den letzten Jahren massiv von der Immobilien-Krise beeinflusst. Die Signa-Insolvenz und alle ihre Folgen hat eine immense Zahl an Verfahren in Wien und Tirol gebracht, die nach und nach abgearbeitet sind. Das zeigt das große Minus in Tirol (-24,21 Prozent) und Wien (-14,74 Prozent).”

Vorarlberg mit massivem Anstieg bei Firmeninsolvenzen: Das sind die Gründe
Cornelia Wesenauer erläutert den Einfluss, den die Signa-Pleite samt allen Folgeinsolvenzen auf die Statistik haben. AKV

Der Anstieg an Firmeninsolvenzen von 67,69 Prozent in Vorarlberg sei trotzdem “beachtlich” und zeige, wie akut die herausfordernde Wirtschaftslage nach wie vor sei. “In Zeiten des langsamen Herauskommens aus der Rezession und gleichzeitiger Inflation rutschen Firmen, die über ein größeres Liquiditätspolster verfügen, nicht so schnell in die Insolvenz wie jene, die weniger Rücklagen haben. Vorarlberger Unternehmen sind oft mit einem größeren Polster ausgestattet, wodurch ein Verzögerungseffekt eintritt”, erläutert Wesenauer. Die AKV-Expertin sieht in der aktuellen Entwicklung eine “Reaktion auf die wirtschaftliche Situation der vergangenen Monate.” Besserung sei bei entsprechender Wirtschaftsentwicklung wohl Anfang nächstes Jahr zu erwarten, vermutet sie.

Insolvenzen im Detail

Die am häufigsten betroffenen Branchen sind der Handel mit KFZ-Reparatur (29 Insolvenzen) vor Beherbergung und Gastronomie (25) und dem Bausektor (24). Insgesamt wurden 160 Anträge auf Insolvenzeröffnung am Landesgericht Feldkirch gestellt, eine Steigerung zum Vorjahr von 49,53 Prozent (107 Anträge in den ersten drei Quartalen 2025). Somit wurden 51 Insolvenzanträge abgelehnt. Im Vorjahr lag die Zahl bei 42 (+21,43 Prozent). Die Ablehnungen sind laut AKV darauf zurückzuführen, dass kein Vermögen vorhanden ist, um bei einem Insolvenzverfahren die Kosten decken zu können.

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Die größte Firmeninsolvenz nach Schuldenhöhe war die der 2Rad Produktions GmbH, die mit Passiva in der Höhe von rund 33,4 Millionen Euro konfrontiert ist. Dahinter folgen die Obrist Powertrain GmbH (18,9 Millionen Euro), die Waibel Produktions GmbH (17,2 Millionen Euro) sowie die Leopold Immobilien GmbH (15,1 Millionen Euro) und die feinjersey fabrics GmbH (8,6 Millionen Euro).

Bei Privatinsolvenzen knapp unter dem Bundestrend

Bei den Privatinsolvenzen ist ebenfalls ein Zuwachs in Vorarlberg zu verzeichnen (+7,78 Prozent), dieser liegt aber unterhalb des Österreich-Schnitts (+9,80 Prozent). In den ersten drei Quartalen des Vorjahrs wurden im Ländle 334 Privatinsolvenzen eröffnet, heuer im selben Zeitraum sind es 360. Nach Bezirken liegt Bregenz vorn (142 Insolvenzen), dahinter folgen Dornbirn (97), Feldkirch (80) und Bludenz (41).

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Wesenauer erklärt, die Privatinsolvenzen seien in den letzten Monaten auf “durchgehend hohem Niveau” gewesen. “In diesem Bereich ist die Entwicklung noch träger als bei den Firmeninsolvenzen. Verfahren werden meist erst dann eröffnet, wenn eine große Überschuldung herrscht. Das bedeutet, die wirtschaftlichen Probleme der letzten Jahre wirken sich jetzt auf die Entwicklung aus.” Dazu kommt, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen sich am 17. Juli 2026 geändert haben: Ein dreijähriger Tilgungsplan für Betroffene eines Privatkonkurses ist seither außer Kraft getreten, die Abtretungsfrist der Schulden beträgt nun wieder fünf Jahre. “Einige Personen haben die alte Regelung noch schnell genutzt, bevor sie auslief”, sieht die AKV-Sprecherin einen weiteren Grund für das Plus bei den Privatinsolvenzen.

(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)