Politik

Ohneberg über Audi-CEO bei Trump-Wahlkampf: “Reaktion ist übertrieben”

27.10.2026 • 15:44 Uhr
Ohneberg über Audi-CEO bei Trump-Wahlkampf: "Reaktion ist übertrieben"
CEO Martin Ohneberg äußert sich zur Diskussion um den Döllner-Auftritt bei Trump. Canva/APA, Hartinger

Der CEO der Henn Connector Group spricht auf NEUE-Anfrage von der “Moralkeule” und kritisiert die Schwäche des Standorts Europa.

Für Empörung sorgt derzeit der Auftritt von Audi-CEO Gernot Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump. Auf dem Event im Bundesstaat Georgia vor den Midterm-Wahlen kommende Woche kündigte Döllner mit dem Bau eines SUV-Werks in den USA eine rund vier Milliarden schwere Investition des Autoherstellers an, die 4500 neue Jobs schaffen soll. Medienberichten zufolge verpflichtet der unternehmensinterne Code of Conduct von Audi zur politischen Neutralität.

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Für den Auftritt hagelte es Kritik, unter anderem von der deutschen IG Metall, VW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo und dem niedersächsischen Ministerpräsidenten und VW-Aufsichtsrat Olaf Lies. Die NEUE hat sich in Vorarlberg in der Autobranche zur Kontroverse umgehört.

“Reaktion übertrieben”

Martin Ohneberg, CEO des Kupplungsherstellers Henn GmbH & Co. KG, kann die Empörung nicht nachvollziehen. “Einmal mehr ist in Europa so, dass man sich mit der Moralkeule über den Audi-CEO hermacht”, erklärt er gegenüber der NEUE. “Aus meiner Sicht ist die Reaktion auf den Auftritt übertrieben. In jedem anderen Staat wäre es nicht anders, dass sich die regierenden Politiker damit inszenieren, wenn ein Unternehmer ein Werk für mehrere Milliarden Dollar ankündigt.”

Ohneberg über Audi-CEO bei Trump-Wahlkampf: "Reaktion ist übertrieben"
Martin Ohneberg bei einem NEUE-Interview im Jahr 2025. Hartinger

Ohneberg zieht den Vergleich zum deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz, der kürzlich auf einem Investorengipfel in Berlin unter anderem Nvidia-Chef Jensen Huang empfing, der mit seinem KI-Unternehmen große Investitionen in unserem Nachbarland ankündigte. “Ich heiße sicher nicht alles gut, was Trump macht, aber wie dieser Auftritt überdramatisiert wird, verrät viel über die Einstellung Europas. Alles Rechte und Konservative ist verpönt, was sozial ist, wird gutgeheißen. Diesen Maßstab legt man auf die ganze Welt an”, kritisiert der Unternehmer und frühere Präsident der Industriellenvereinigung Vorarlberg.

“Schwäche Europas”

Den Deal selbst ordnet er der Krise des Wirtschaftsstandorts zu: “Der Audi-CEO sieht aufgrund der Schwäche Europas den Markt für seine Autos in den USA.” Negative Reaktionen der Audi-Kundschaft befürchtet Ohneberg nicht: “Ich kann mir nicht vorstellen, dass es sich nachhaltig auf Kaufentscheidungen auswirkt.”

Die NEUE hat sich auch bei namhaften Händlern des deutschen Konzerns in Vorarlberg umgehört. Man habe eine klare Meinung zum Auftritt des Audi-CEOs, wolle diese aber nicht öffentlich teilen, so der Tenor.

(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)