Kultur

Zwei Vorarlberger Händler setzen auf eine überraschend beständige Nische

05.11.2026 • 06:30 Uhr
Zwei Vorarlberger Händler setzen auf eine überraschend beständige Nische
Dieter Grabher hat den Musikladen Feldkirch Anfang des Jahres von Karl Müllner übernommen. Stiplovsek

Während Musik längst digital verfügbar ist, bleibt die Schallplatte gefragt. Warum Dieter Grabher und Markus Kreil jetzt zusammenarbeiten und was junge Käufer damit zu tun haben.

Wenn ich eine Platte auflege und die Nadel aufsetzt, ist das für mich jedes Mal ein magischer Moment“, strahlt Dieter Grabher, der Anfang des Jahres die Leitung des Musikladens in Feldkirch von Karl Müllner übernommen hat. Dass ein Fachhändler mit Liebe von seinem Produkt schwärmt, ist wenig überraschend. Dafür aber seine Beobachtung, dass auch jüngere Menschen sich in „digitalen Zeiten“ für den Charme des analogen Medium begeistern.

Eine Einschätzung, die er mit Markus Kreil teilt. Als Betreiber eines Geschäfts für audiovisuelle Ausrüstung steht er naturgemäß in einem Naheverhältnis zu Unternehmern wie Grabher. Mit der am 14. November beginnenden Kooperation wird diese noch unmittelbarer. Denn ab diesem Tag sind Platten aus dem Musikladen Feldkirch auch bei Kreil in Dornbirn erhältlich. Die Auswahl beschränkt sich vorerst auf eine kleine Selektion der Tausenden Scheiben des Musikhändlers.

Die erste Schallplatte

Grabher (Jahrgang 1969) erwarb mit „In the Court of the Crimson King“ von King Crimson seine erste Platte im Alter von 13 Jahren. Der Lustenauer besitzt sie noch immer und schwärmt, dass die Klangqualität dank modernerer Technik nur besser wurde. „Die heutigen Tonabnehmer sind im Gegensatz zu früher viel schonender. Platten wurden damals durch schwere Nadeln viel mehr abgenützt“. Daher ist das „Grading“, also die Beurteilung der Qualität gebrauchter Scheiben, ein wesentlicher, wie auch kaum sichtbarer, Teil seiner Arbeit. Neueinsteigern empfiehlt er, sich erst bei Verwandten umzuhören. „Vielleicht gibt es beim Onkel eine Sammlung mit Beatles oder Led Zeppelin. Dann kann man ausprobieren, was einem gefällt.“

Vom Streaming zur Scheibe

Wer nun glaubt, die Schallplatte feiere ein überraschendes Comeback, kommt laut Grabher reichlich spät. Das Geschäft sei seit Jahren stabil. Von einem kurzfristigen Hype könne keine Rede sein. Zwar würden weiterhin vor allem Menschen auf Vinyl setzen, die damit aufgewachsen sind. Doch längst stehen auch Teenager und junge Erwachsene vor seinen Regalen. Manche besitzen nicht einmal einen Plattenspieler, wollen das Album ihres Lieblingskünstlers aber trotzdem in den Händen halten.

Zwei Vorarlberger Händler setzen auf eine überraschend beständige Nische
Stiplovsek

Dabei reicht das Angebot von Bob Dylan und Neil Young bis zu Taylor Swift und Miley Cyrus. Neue Alben erscheinen häufig in mehreren Vinylvarianten, während Klassiker laufend neu aufgelegt werden. Eine derart große Auswahl habe es in seiner Jugend nicht gegeben, meint Grabher. Dass Streaming und Schallplatten einander ausschließen, glaubt er nicht. Im Gegenteil: Wer ein Album digital entdeckt und immer wieder hört, möchte es womöglich irgendwann auch besitzen.

Wie eine Teezeremonie

Der Reiz der Schallplatte erschöpft sich für den Händler nicht im Klang: „Wir leben in einer digitalen Welt, und eine Platte ist etwas Greifbares.“ Das großformatige Cover, die Haptik und das bewusste Auflegen machen den Tonträger zu einem Erlebnis, das er mit einer japanischen Teezeremonie vergleicht. Wie viel seinen Kunden daran liegt, zeige sich auch am Geldbeutel. So berichtet Grabher von Menschen mit geringem Einkommen, die jeden Monat für eine neue Platte sparen. Die Freude darüber sei entsprechend groß.

Ähnlich argumentiert Kreil. Als sein Unternehmen den Betrieb aufnahm, hätten Plattenspieler rund 90 Prozent des Geschäfts ausgemacht. „Damals sind die ersten CDs erschienen.“ Heute freut er sich über eine neue Generation von Hörern, die das Medium für sich entdeckt. Gerade das bewusste Musikhören sei ein wesentlicher Unterschied zum Streaming. Statt von einem Titel zum nächsten zu springen, höre man eine ganze LP oder zumindest eine Plattenseite durch und wird zum aktiven Hörer.

SAV