Sport

Sportlich ist Feldkirchs Saison fast schon vorbei

07.11.2026 • 22:52 Uhr
GEPA-20261002-101-120-0080
Viele hängende Köpfe in Feldkirch. GEPA/Lerch

Die Pioneers Vorarlberg entschieden sich im Juni trotz des Abgangs von Mäzen Pit Gleim für einen Verbleib in der ICE Hockey League. Mit einem Minibudget wurde ein sowohl qualitativ als auch quantitativ nicht ligatauglicher Kader geformt. Es kam, wie es kommen musste: Die Feldkircher sind abgeschlagenes Schlusslicht. Eine Analyse.

Zwei Punkte nach 18 Spielen, immer noch kein Sieg, abgeschlagenes Schlusslicht, ligaweit die wenigsten Zuschauer: Die Bilanz der Pioneers Vorarlberg in der ICE Hockey League fällt desaströs aus. Die Feldkircher sind gar das zweitschlechteste Erstligateam im europäischen Klubeishockey. Unterboten wird das Trauerspiel der Pioneers lediglich vom polnischen Verein MMKS Podhale Nowy Targ, dessen Schicksal dem der Montfortstädter ähnelt: Podhale erhielt nach finanziellen Problemen erst spät die Lizenz und musste mit wenig Geld einen notdürftigen Kader zusammenstellen – nach 16 Runden ist Podhale sogar noch punktlos. Ansonsten ist das sportliche Abschneiden der Pioneers konkurrenzlos in Europa, 28 Jahre nachdem die seinerzeitige VEU Feldkirch die Euroliga gewonnen hat.
Wirklich überraschen kann diese Horrorbilanz der Pioneers niemanden. Nach dem Rückzug vom Präsidenten und Mäzen Pit Gleim informierten die Feldkircher am 31. März ihre Spieler von der unsicheren Zukunft: Das Geld fehlte an allen Ecken und Enden, wochenlang zögerte Geschäftsführer Chris­tian Gross die Entscheidung hinaus, ob man mit einem Minibudget ein fünftes Jahr an der ICE Hockey League teilnehmen würde.
Als schließlich am Montag, dem 1. Juni in Salzburg die Ligasitzung anstand, soll laut Auskunft anderer Vereinsvertreter der PIV-Geschäftsführer noch bei der Ankunft in Salzburg betont haben, dass sich die Pioneers zurückziehen. Gross hatte das davor auch wiederholt dem Ligabüro gemeldet. Im erfrischend offenen Exklusiv-Interview mit der NEUE gab Gross am 9. August auch unumwunden zu, dass noch am Wochenende vor der Generalversammlung nicht feststand, ob die Pioneers weitermachen könnten. Was am Montagmorgen in Salzburg passierte, ist nicht belegbar. Klar ist nur: Mailand verfügte plötzlich völlig überraschend doch noch über die nötige Mehrheit für die Ligaaufnahme – und die Pioneers bestätigten auf dem allerletzten Drücker wider Erwarten doch noch ihre Teilnahme an der ICE Hockey League.

Sportlich ist Feldkirchs Saison fast schon vorbei
Geschäftsführer Christian Gross schaffte es in letzter Sekunde, die Pioneers doch noch in der ICE Hockey League zu halten. Dietmar Stiplovsek

Hoffnungslos
Tabellarisch haben die Pioneers also wohl selbst die schlimmsten Befürchtungen übertroffen. Auf dem Eis waren sie aber oftmals gar nicht so weit weg. Sieben Mal haben die Feldkircher nur mit einem Tor Unterschied verloren, Punktegewinne waren des Öfteren in Reichweite.
Allerdings war in diesen engen Partien auch regelmäßig erkennbar, dass die Gegner das Spiel sofort wieder an sich rissen, wenn sie aufs Tempo drückten. Gleichzeitig, und das macht wenig Mut, lehrt die Vergangenheit, dass die Chance auf Punkte gegen die Top-Teams zu Beginn einer Saison deutlich größer ist. Eine Trendwende setzt meist nach der Länderspielpause im November ein. Also jetzt. Schon vor der Pause häuften sich die klareren Ergebnisse, in den jüngsten 5 Spielen kassierten die Montfortstädter 30 Tore. Letzten Endes machte sich in jeder Partie die fehlende Qualität aufseiten der Pioneers bemerkbar, speziell in jenen Wochen mit einem dichten Programm. Auch das lässt für die Zeit nach der Ligapause nichts Gutes erahnen: Zwischen 13. November und 22. Dezember stehen in 39 Tagen satte 15 Spiele an. Noch höher wird der Spielrhythmus dann zur Weihnachtszeit, wenn zwischen dem Stefanitag und dem 10. Jänner gleich acht Runden angesetzt sind.
Mit dem Minikader der Pioneers ist dieses Pensum eigentlich nicht bewältigbar. Es stehen nur 21 Skater und 2 Goalies im Kader. Zumal ein Blick auf das Kadermanagement von Trainer Marko Ojanen zeigt, dass der wahrlich nicht zu beneidende Headcoach keine Rücksicht auf die Belastungssteuerung nehmen kann. Die Imports, die er allesamt in den ersten beiden Reihen aufbietet, kommen oft auf weit über 20 Minuten Eiszeit pro Partie. Gegen Budapest waren gleich vier Spieler jeweils über 25 Minuten am Eis. Brycen Martin und Logan Britt kratzten gar an der 30-Minuten-Marke.

GEPA-20260925-101-110-0041
Spieler wie Guus van Nes sind im Dauereinsatz für die Feldkircher. GEPA

Realitätscheck
Die österreichischen Cracks wiederum füllen wie erwartet mehr oder weniger nur den Kader auf. Sie bekommen zwar mittlerweile viel Eiszeit – aber kein einziger rot-weiß-roter Spieler bringt es bislang auf mehr als zwei Torbeteiligungen. Gar nur sechs Tore der Pioneers wurden von Österreichern erzielt. Im Tor wird das Dilemma noch deutlicher: Back-up Leon Sommer stand bislang nur 147:15 Minuten im Kasten, nur in 2 der 18 Spiele war er die erste Wahl. Stammgoalie Alex Caffi ist im Dauereinsatz und macht dabei seine Sache gut. Der knapp 36-Jährige kommt auf eine angesichts der Umstände beachtliche Fangquote von 89,64 Prozent. Die Frage ist nur, wie lange er und die Imports dieses Pensum durchstehen.
Sollten sich Verletzungen einschleichen, was angesichts der hohen Belas­tungen eigentlich fast nur mehr eine Frage der Zeit ist, dürfte es für die Pioneers wirklich bitter werden. Denn die deftigen Niederlagen blieben vor allem deshalb bislang in der Regel aus, weil die Imports unverhältnismäßig oft am Eis waren. Der eigentliche Realitätscheck steht bei den Pioneers erst dann an, wenn irgendwann der Zeitpunkt kommen sollte, in dem die Österreicher mehr gefordert sind.
Ville Immonen hat es bereits erwischt, der finnische Center fällt die restliche Saison aus. Auch Roni Allén musste bereits pausieren. Die Feldkircher reagierten mit der Verpflichtung der Letten Kristaps Skrastins und Arvils Bergmanis, die sich beide, gerade auch im Hinblick auf die begrenzten Möglichkeiten, als gute Griffe entpuppten. Skrastins kommt in acht Partien auf sieben Scorer. In den vergangenen Tagen wurde mit Ben Wotschiski ein 20-jähriger Deutsch­österreicher verpflichtet, offensichtlich als Kooperationsspieler der Bulldogs. Der Stürmer kam zu Saisonbeginn in der ÖEL bei den Dornbirnern zum Einsatz, wo ihm in vier Spielen kein Tor gelang. Gestern traf er für den DEC gegen den EHC Lustenau. Verlassen hat die Feldkircher dagegen Anthony Costantini. Der kanadische Verteidiger wechselte in die Slowakei. Von wem die Initiative für die Trennung ausging, ist nicht bekannt, der schwächste Import war er eher nicht.

GEPA-20260930-101-165-0059
Ein von nur drei Vorarlbergern bei den Pioneers: Aron Summer. GEPA

Perspektivlos
Beachtlich ist, dass den Feldkirchern trotz des Minibudgets durchaus auch gute Griffe am Spielermarkt gelungen sind: Speziell bei Blake Murray (9 Tore, 11 Assists) und Noah Serdachny (5 Tore, 7 Assists) hat Sportdirektor Michael Lampert ein gutes Händchen bewiesen.
Letztlich ist der weitere Saisonverlauf der Pioneers vorgezeichnet. Mit 19 Punkten Rückstand auf Pre-Play-off-Platz zehn ist die restliche Spielzeit sportlich fast nur mehr ein quälend langer Kehraus. Denn selbst auf die vorletzten Innsbrucker fehlen Schlusslicht Feldkirch bereits 13 Punkte. Den ein oder anderen Sieg werden die Mannen von Marko Ojanen im Verlauf der Saison sicher landen, aber um es mit Wolfgang Ambros zu sagen: Hoffnung blickt keine aus der Zukunft.
Das Zuschauerinteresse fällt mit einem Schnitt von 1234 Besuchern gering aus, auch in dieser Wertung belegen die Montfortstädter den letzten Platz; und das, obwohl man bei so manchem Spiel ob der gähnenden Leere in der Vorarlberghalle den Eindruck hatte, dass bei der angegebenen Besucherzahl eher die Augen als die Köpfe gezählt wurden. Zuletzt war die Vorarlberghalle tatsächlich immerhin etwas besser gefühlt als zu Saisonbeginn, doch man braucht kein Prophet sein, dass den Feldkirchern wohl noch so manches Geisterspiel droht.
Ob es das alles wert war, müssen die Verantwortlichen bewerten. Wie sie in Feldkirch den ICE-Spielbetrieb stemmen, fragen sich grundsätzlich viele in der Liga. Eine Antwort darauf braucht nur Geschäftsführer Christian Gross, der in besagtem NEUE-Interview im Sommer betonte, dass das Budget strikt eingehalten werde. Weil die Zeiten eben vorbei sind, in denen Pit Gleim am Saisonende die horrenden Verluste abgedeckt hat.