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Kleinwalsertal: Einige Gäste zurück

10.10.2020 • 20:34 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Einige Stornierungen wurden kurzerhand wieder neu gebucht.<span class="copyright">Kleinwalsertal Tourismus</span>
Einige Stornierungen wurden kurzerhand wieder neu gebucht.Kleinwalsertal Tourismus

Einige Gäste zurück im Kleinwalsertal, doch Unsicherheit bleibt.

Für die Kleinwalsertaler waren es zwei Katastrophen. Zuerst im März die Grenzschließung vonseiten Öster­reichs und dann Ende September die Reisewarnung, ausgesprochen von der deutschen Regierung. Beide Male trafen diese Entscheidungen nicht nur den Tourismus, sondern auch die Einheimischen. Die waren plötzlich eingesperrt oder zumindest ihrer Bewegung im gewohnten Lebensraum beraubt. Neun Tage hielt zuletzt die Reisewarnung, bevor erneut eine Sonderregelung für die Enklave gefunden wurde. Bis dahin war der Großteil der Gäste abgereist, viele Hotels beendeten die Saison.

Es ist wieder was los

Die Öffnung des Tals ist gut eine Woche her, und es ist wieder was los. Zumindest zeigt sich ein solches Bild, wenn man aktuell durch die Dörfer fährt. „Einige Gäste haben den abgesagten Urlaub wieder gebucht“, weiß Tourismus-Sprecher Elmar Müller. Urlauber haben sich gefreut, dass sie plötzlich doch anreisen dürfen – allerdings sind längst nicht alle „zurückgekehrt“. Das dürfte auch daran liegen, dass auch im touristischen Quellgebiet Deutschland die Fallzahlen ansteigen. Dort wurden mittlerweile Reisewarnungen im eigenen Land ausgesprochen. Teilweise können Gäste also nicht kommen, weil sie nun selbst in einem Risikogebiet leben.

Buchungen wurden reaktiviert. <span class="copyright">Kleinwalsertal Tourismus</span>
Buchungen wurden reaktiviert. Kleinwalsertal Tourismus

Wieder aufgesperrt

In der kommenden Woche – der Haupt-Herbst-Urlaubswoche – ist die Buchungslage jener Beherbergungsbetriebe, die noch geöffnet sind „ganz gut“, sagt Müller. Einige haben wegen der wirtschaftlichen Unsicherheit in den Tagen der Reisewarnung geschlossen. „Bei einer Auslas­tung von 20 Prozent ist fraglich, ob die Mitarbeiter noch bezahlt werden können. Hätten diese Betriebe gewusst, dass die Sonderregelung kommt, hätten sie vielleicht anders entschieden“, berichtet der Tourismussprecher. Ein paar Beherbergungsbetriebe gibt es auch, die dieses Wochenende wieder aufsperren. Circa ein Viertel der Betriebe ist zu.

Man ist vorsichtig

Die Stimmung in der Hotellerie ist zwar wieder positiv, aber mittlerweile ist man etwas vorsichtig geworden, erzählt Müller. Denn die Verunsicherung der Gäste wird immer größer. „Die deutschen Besucher wurden quasi von ihrer Regierung alleine gelassen und mussten zusehen, wie sie mitten in der Nacht nach Hause kommen“, erzählt er von der Situation, als die Reisewarnung abends verkündet wurde. Umgehend wurde ein Team vom Roten Kreuz ins Tal geschickt, um 1500 Gäs­ten Testergebnisse zu liefern, damit sie bei der Ausreise nicht in Quarantäne mussten.

“Die deutschen Besucher wurden quasi von ihrer Regierung alleine gelassen und mussten schauen wie sie heim kommen.”

Elmar Müller,
Kleinwalsertaltourismus

Test für Winter

Dabei gab es ein gut funktionierendes Hygienekonzept. Seit Juli wurden wöchentlich Mitarbeiter von Beherbergungsbetrieben und Restaurants getestet. Im Kleinwalsertal gab es seit März drei positive Covid-19-Fälle. „Betrachtet man, wie viele Gäste in die Talschaften kamen und wie wenig Fälle es gab, könnte man es als Erfolgsmodell beschreiben“, sagt Müller. Der Sommer war der Übungslauf für den Winter. Und dann bremste diese Entscheidung von außen alles aus.

Planungsunsicherheit

Für die kommende Saison erwarte die Branche ein extrem kurzfris­tiges Buchungsverhalten. Das würden die Erfahrungen aus dem Sommer zeigen. Allerdings macht das die Planung bezüglich Personal, aber auch Lebensmitteleinkäufen extrem schwierig. „Manche Hoteliers überlegen, permanent weniger Zimmer anzubieten, damit im besten Fall zumindest das geschrumpfte Kontingent komplett ausgebucht ist. Damit brauch es weniger Personal, dafür aber konstant“, so Müller.

Man rechnet im Winter mit weniger Besuchern. <span class="copyright">Kleinwalsertal Tourismus</span>
Man rechnet im Winter mit weniger Besuchern. Kleinwalsertal Tourismus

Generell wird mit weniger Besuchern gerechnet. Im Kleinwalsertal gibt es 10.000 Gästebetten, 1700 davon sind Schullandheime und Gruppenunterkünfte. Schulskiwochen oder andere Gruppenreisen sind momentan aber nicht möglich. Es wird also einen Rückgang geben. Aber wer weiß. „Im Frühjahr haben wir mit einer bescheidenen Sommersaison gerechnet, am Ende wurde fast das Ergebnis von 2019 erreicht“, berichtet der Tourismussprecher. Es wird davon abhängen, inwieweit der Quellmarkt Deutschland überhaupt noch verreisen darf.

Andere Grenzregionen

Die Entscheidung, die Reisewarnung für das Kleinwalsertal aufzuheben, war auch der Vorarbeit der „Plattform Kleinwalsertal“ geschuldet. „Es gab viel Unterstützung politischer Mandatare aus dem Allgäu“, sagt Müller. Schließlich ist das Kleinwalsertal wichtig für die dortige Wirtschaft. Hotellerie und Gastronomie werden größtenteils von dort aus beliefert.
Die Plattform soll aber noch mehr leisten und nicht nur im Kleinwalsertal verortete Probleme beleuchten und lösen. „Auch in anderen Grenzregionen gibt es ähnliche Sachverhalte. Da braucht es ganz klare Regelungen, auch in Zukunft“, fordert Müller.

<span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Klaus Hartinger

Eingesperrt

Die Reisewarnung war nicht nur für die Tourismusbranche der Supergau, sondern auch für die Einheimischen. Die größte Erleichterung für die Ansässigen ist, dass sie sich nun wieder in ihrem gewohnten Lebensumfeld bewegen können. Zum einen geht es dabei um soziale Kontakte und private Aktivitäten. In erster Linie betrifft das aber Lebensnotwendiges. Ansässige können wieder auf Allgäuer Seite in ein Krankenhaus gehen oder den Termin beim Facharzt wahrnehmen.

Man möchte meinen, dass sich vielleicht andere Tourismusregionen in Vorarlberg durch die Sonderregelung für das Kleinwalsertal ungleich behandelt fühlen. Dem ist laut Müller nicht so, das Verständnis sei groß. „Touristisch war ja nichts schlimmer als anderswo, aber die Bevölkerung war eben eingesperrt. Da liegt der bedeutende Unterschied.“

Bleibt zu hoffen, dass heuer weitere Katastrophen ausbleiben.

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