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S18-Entscheidung “wie Cholera oder Pest”

11.11.2020 • 16:02 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Archivbild/Klaus Hartinger

Asfinag ist für CP-Variante, Lustenaus Bürgermeister Fischer erzürnt.

Die Straßenbaugesellschaft Asfinag hat sich in der Frage der Trassenführung der seit Jahrzehnten umstrittenen Bodensee-Schnellstraße (S18) festgelegt. Nach jahrelangen Untersuchungen teilte die Asfinag am Mittwoch mit, dass man sich für die CP-Variante – eine Umfahrung von Lustenau – entschieden hat. Die CP-Variante habe als einzige der beiden untersuchten Optionen die Chance auf rechtliche Genehmigungsfähigkeit, hieß es. Die Kosten wurden mit 1,3 bis 1,5 Mrd. Euro beziffert.

Die Bodensee-Schnellstraße soll die Autobahnnetze Österreichs und der Schweiz hochrangig aneinander anbinden. Es ist eine Verbindung, über die in Vorarlberg bereits seit Jahrzehnten diskutiert und gestritten wird. Befürworter und Gegner stehen einander anscheinend unversöhnlich gegenüber, auch deshalb, weil die Straße durch die letzte im unteren Vorarlberger Rheintal erhalten gebliebene Ried-Landschaft führen soll. Die zuletzt angestrebte, “alte” Variante der S18 wurde 2006 vom Verfassungsgerichtshof zu Fall gebracht. Seitdem wurde nach einer Alternative gesucht.

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Archivbild / APA

Land für Z-Variante

Als Optionen blieben übrig: eine 7,5 Kilometer lange Ried-querende Straße samt Untertunnelung eines Natura 2000-Schutzgebiets (Variante Z) sowie eine 8,6 Kilometer lange Ostumfahrung von Lustenau (Variante CP). Das Land hatte sich in einem Regierungsbeschluss vor fast genau neun Jahren für die Z-Variante ausgesprochen.

“Im Zuge der Expertenuntersuchungen kristallisierte sich eindeutig heraus, dass die CP-Variante die geringsten Auswirkungen auf Natur, Ökologie und Schutzgebiete hat”, hieß es in der Information der Asfinag. Bei der Verkehrsentlastung würden beiden Varianten eine hohe Wirksamkeit beim überregionalen Verkehr erzielen, hinsichtlich der Entlastungswirkung beim regionalen Verkehr auf dem niederrangigen Straßennetz biete die Variante CP sogar Vorteile. In den nächsten Planungsschritten werde die Asfinag nun die CP-Variante weiterverfolgen.

“Wie Cholera oder Pest”

Wurde in Vorarlberg von der S18 gesprochen, war bisher im Grunde genommen die Z-Variante gemeint. Dementsprechend ernüchtert fiel die Stellungnahme des Lustenauer Bürgermeisters Kurt Fischer (ÖVP) gegenüber der APA aus. Er sprach von einer “furchtbaren Entscheidung für Lustenau, wie Cholera oder Pest”. Die Variante CP durchschneide den Ort, “es trifft uns in der Seele”. CP habe man sich in Lustenau nie vorstellen können. Besonders erbost war Fischer auch darüber, wie mit der kommunalen Ebene umgegangen werde: “Ich bin seit 20 Jahren in den Planungsprozess eingebunden, und am Ende erfahre ich über die Medien, was kommen soll, das ist unfassbar.”

Grünen-Landessprecher Johannes Rauch – seit jeher ein Gegner des Projekts – stellte auf seiner Facebook-Seite fest: “Ob am Ende Finanzierbarkeit und Genehmigungsfähigkeit jemals gegeben sein werden, wird sich erst zeigen.” In Zeiten von Klimakrise und Budgetnot sei die angestrebte Verbindung “nicht vorstellbar”. In seinen Augen müssten die Autobahnen dort miteinander verbunden werden, “wo sie am wenigsten weit auseinanderliegen und in einer untertunnelten Ausführung”. Ein Bewertung der Entscheidung der Landesregierung stand vorerst noch aus.

Im vergangenen Jahr hatte die Asfinag festgestellt, dass im besten Fall 2025 mit dem Bau der S18 begonnen werden könnte. Realistischer erscheint allerdings das Szenario zahlreicher Einsprüche und Gerichtsverfahren, die wahrscheinlich bis in die letzte Instanz gehen werden. Selbst die Landespolitik glaubt nicht daran, dass es die S18 in den nächsten 20 Jahren geben wird.

APA