Allgemein

Die verschleppten Corona-Pläne

06.06.2021 • 19:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die 3G - getestet, genesen oder geimpft - ermöglichen Besuche in der Gastronomie und vieles mehr. <span class="copyright">APA/GEORG HOCHMUTH</span>
Die 3G - getestet, genesen oder geimpft - ermöglichen Besuche in der Gastronomie und vieles mehr. APA/GEORG HOCHMUTH

Start von Grünen Pass verzögert sich. Das passiert nicht zum ersten Mal.

Per QR-Code ins Gasthaus, Hotel oder Konzert – all das hätte ab Freitag möglich sein sollen. Man sei hier Vorreiter in der EU, betonte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) noch vor einem Monat. Doch diese Woche musste der Start für den
nationalen Grünen Pass erneut nach hinten verschoben werden – vorerst um eine Woche. Das von Wolfgang Mückstein (Grüne) geführte Gesundheitsministerium begründet das mit kurzfristig durch die EU bekanntgegebenen Änderungen bei den technischen Anforderungen.

Aus der EU-Kommission ist allerdings zu hören, dass sich die Anforderungen, die von allen Mitgliedsstaaten Ende April beschlossen wurden, seither nicht verändert haben. Mit der Union dürfte die Verzögerung also eher nichts zu tun haben. Vielmehr lässt sich – wie schon etliche Male in den letzten Monaten – beobachten, dass großen Ankündigungen oft keine oder nur unzureichende Umsetzungen gefolgt sind:

Gratis-FFP2-Masken für alle über 65 kamen erst drei Monate nach der Ankündigung an. Zwischenzeitlich musste sogar eine eigene Hotline bei der Post eingerichtet werden, bei der sich alle, die noch keine der versprochenen Masken erhalten hatten, beschweren konnten. Auch bei den kostenlosen Wohnzimmertests aus den Apotheken holte die Realität die Pläne ein: Erst mit fünf Wochen Verspätung waren ausreichend Tests vorhanden. Und der angekündigte “Ketchup-Effekt” beim Impfen ist nicht absehbar.

Verzögerte Maskenlieferung

Als schnel­ler Schutz für die äl­te­re Be­völ­ke­rung soll­ten alle über 65-Jäh­ri­gen im ver­gan­ge­nen De­zem­ber zehn Gra­tis-FF­P2-Schutz­mas­ken be­kom­men. Bis zur drit­ten Jän­ner-Wo­che hät­ten alle der rund 1,7 Mil­lio­nen Se­nio­ren ihre Mas­ken be­kom­men sol­len, doch die Ak­ti­on ver­zö­ger­te sich: Erst Ende Fe­bru­ar waren alle Mas­ken aus­ge­lie­fert.

Keine Durchimpfung im Juni

„Der Impf­tur­bo ist an­ge­lau­fen”, freu­te sich Bun­des­kanz­ler Kurz an­läss­lich einer vor­ge­zo­ge­nen Lie­fe­rung des Impf­stoffs von Bi­ontech/Pfi­zer Ende April. Bis Ende Juni werde jeder Ös­ter­rei­cher, der sich imp­fen las­sen will, ge­impft sein, ver­si­chert er. Mitt­ler­wei­le ist klar, dass Ös­ter­reich die­ses Ziel nicht er­rei­chen wird. Frü­hes­tens Mitte bis Ende Juli ist damit zu rech­nen, dass jeder einen Erst­stich er­hält. Mitt­ler­wei­le spricht die Re­gie­rung nur noch von fünf Mil­lio­nen mög­li­chen Er­st­imp­fun­gen bis Ende Juni.

Zu wenige Testkits

Kos­ten­lo­se Schnell­tests für zu Hause kün­dig­te die Re­gie­rung für März an. Doch in der ers­ten Woche be­ka­men von den rund 7,5 Mil­lio­nen Men­schen, die An­spruch auf ein Test­kit hat­ten, ge­ra­de ein­mal 600.000 eines. Dazu gin­gen zu Be­ginn rund 300.000 Men­schen, die sich von ELGA ab­ge­mel­det hat­ten, leer aus.

Keine Zulassung für Sputnik

Bis An­fang Juni soll Ös­ter­reich eine Mil­li­on Dosen vom rus­si­schen Impf­stoff Sput­nik be­kom­men, ver­sprach Kanz­ler Kurz im März. Bis heute ist trotz der „ver­bind­li­chen Lie­fer­zu­sa­ge“ nichts an­ge­kom­men. Die Eu­ro­päi­sche Arz­nei­mit­tel­be­hör­de wird den Impf­stoff erst im Herbst zu­las­sen, eine na­tio­na­le Zu­las­sung gab es nicht.

Nicht einmal ein Prototyp

Als eines der ers­ten Pro­jek­te im Kampf gegen die Pan­de­mie prä­sen­tier­te die Re­gie­rung im März 2020 die Stopp-Co­ro­na-App. Um auch Men­schen zu er­rei­chen, die kein Smart­pho­ne be­sit­zen, ver­sprach Kurz einen Schlüs­sel­an­hän­ger, der Con­tact Tra­c­ing via Blue­tooth er­mög­li­chen soll­te. Doch die Ent­wick­lung eines sol­chen An­hän­gers wurde nie in Auf­trag ge­ge­ben.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.