Allgemein

Kreative Klangräume und Soundkreationen

06.06.2021 • 20:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die Frau hinter dem Sound: Cornelia Baumgartner in ihrem Dornbirner Studio „Cinemear“.<br><span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Die Frau hinter dem Sound: Cornelia Baumgartner in ihrem Dornbirner Studio „Cinemear“.
Klaus Hartinger

Cornelia Baumgartner ist Komponistin und Sounddesignerin.

Cornelia Baumgartner sitzt in einem Raum, in den nur zwei kleine Fenster oben in der Wand Licht werfen. Vor sich hat sie einen Laptop, davor eine Tastatur mit bunten Schaltern, auf denen sie spielen kann wie auf einem E-Piano. Links neben ihr steht ein richtiges E-Piano. Denn Baumgartner erschafft nicht nur Geräusche, sie komponiert auch.
Am Ende kann ein Werbevideo herauskommen mit unterschiedlichen Geräuschebenen, die zusammenfließen. Mit den Stimmen der Protagonisten, dem Knirschen der Schuhe im Schnee, der emotionalen Hintergrundmusik und einem vorbeirauschenden E-Auto von Mercedes Benz. Stimmen und Musik sind Originale, das Video wird ihr zugeschickt. Alles andere erweckt die Sounddesignerin selbst zum Leben.
Eine Kombination aus einzelnen Geräuschen bildet die Geräuschkulisse des vorbeiziehenden Autos im Schnee. Das Zischen eines Bügeleisens erzeugt das Geräusch für vorüberhuschendes Schneegestöber. Das Grummeln einer Welle unter Wasser ist für die Reifen auf Schnee in Zeitlupe. Ein Stoffsack mit Maisstärke, der gedreht wird, dient als Geräusch der Fußstapfen im Schnee. Das Geräusch von etwas Großem, das auf Beton fällt, vertont den Schnitt zum nächsten Bild im Videos.

ür Werbevideos jeglicher Art liefert Baumgartner die passende Geräusch-Kulisse. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
ür Werbevideos jeglicher Art liefert Baumgartner die passende Geräusch-Kulisse. Klaus Hartinger

Aufwändige Bearbeitung

Und dann? Wird alles bearbeitet. Effekte kommen hinzu und lassen das Bild lebendig werden. Eine Geräuschkulisse, die eine Präsenz schafft, ohne dass man als Zuschauer genau sagen könnte, warum. „Der Sound sollte nicht das Dominierende sein. Er sollte im Hintergrund bleiben, aber das, was man sieht, gezielt unterstützen. Eben eine stimmige Atmosphäre schaffen“, beschreibt die 35-Jährige.

Anstrengend ist es, stundenlang konzentriert mit Geräuschen zu arbeiten, jede Kleinigkeit heraushören zu müssen. Aber es ist genau Baumgartners Welt, immer schon. Sie hat schon jung angefangen, Geräusche aufzunehmen, ihre Geräusche-Bibliothek ist entsprechend umfangreich. Sie schöpft täglich aus ihr. Um besondere Geräusche aufzunehmen, wie das Knarren der Schiffstaue am Hafen, Donnerschläge oder das Plitsch-Platsch-Platsch-Schuuuhhh, wenn ein Schwan mit nach vorn ausgestreckten Füßen auf dem Wasser landet, nimmt sie vieles in Kauf.

Langes Warten, ausgedehnte Ausflüge nur wegen eines Geräuschs, planen, Equipment tragen, auswerten. Ihr kleines Aufnahmegerät und verschiedene Mikrofone hat sie gewohnheitsmäßig dabei: Geräusche tauchen oft unvermutet auf. Eines der Mikrofone eignet sich zur Aufnahme von Vibrationen von Gegenständen, ein anderes für elektromagnetisches Hören. Sounds nachzuspüren hat etwas süchtig Machendes. Man muss stets bereit sein, um auf den Aufnahmeknopf zu drücken.

Beim Einholen ihrer Töne wird Baumgartner auch gerne etwas erfinderisch. Die Komponistin weiß: Guter Sound ist überall zu finden, man muss nur hinhören. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Beim Einholen ihrer Töne wird Baumgartner auch gerne etwas erfinderisch. Die Komponistin weiß: Guter Sound ist überall zu finden, man muss nur hinhören. Klaus Hartinger

Soundbibliothek im Kopf

Braucht die Ein-Personen-Unternehmerin ein ganz bestimmtes Geräusch, dann erinnert sie sich: „Da hab ich doch bei einem Ausflug im vorletzten Frühjahr ein entsprechendes Geräusch aufgenommen.“ Sie sammelt die Sounds nämlich auch im Kopf, das hilft ihr im Alltag beim Produzieren. Ihr Endprodukt ist zum Beispiel das Video von „Bereit. Besonders. Bregenz“, wo aus den aneinandergereihten Geräuschen mit gefilmten Alltagsgegenständen ein Musikstück aus Rhythmus und Klang entstanden ist. Baumgartner hat an der Fachhochschule Vorarlberg in Dornbirn Intermedia studiert. Doch das Studium ist nicht alles, sagt sie. „Um Sounddesigner oder Designerin zu werden, braucht man ein musikalisches Verständnis, ein Gefühl für Rhythmus, Timing, Kreativität, ein Verständnis fürs bewegte Bild und Medien überhaupt. Das ist wichtig, um sich mit der Filmproduktion auf einer Wellenlänge austauschen zu können. Letztendlich muss man aber einfach rausgehen, Sounds aufnehmen, etwas ausprobieren. Wie ist die Wirkung von den einzelnen Geräuschen?

Ich habe viele Making-of-Videos angesehen, habe bei Videos den Ton weggelassen und sie selbst neu vertont. Es geht um das genaue Hinhören und -sehen, es ist eine Arbeit, die die Liebe zum Detail erfordert“, beschreibt die Bregenzerin. Kenntnisse im tontechnischen Bereich seien wichtig. Vor allem aber geht es ums Machen, betont sie.

Informationen:

Cornelia Baumgartner

(Cinemear)

Studio-Adresse:

Dr. Anton-Schneider-Strasse 28i, Dornbirn

Kontakt:

Tel. 0664-3899470

studio@cinemear.com

Web/Social Media:

www.cinemear.com

Instagram: @cinemear

<span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Klaus Hartinger

Vertontes Tanzen

Seit über sechs Jahren ist Baumgartner nun selbstständig. Angefangen hat sie im eigenen Wohnzimmer, weitergemacht im Coworking-Space. Lange Zeit hatte sie also selbst kein Studio. Gemacht hat sie trotzdem, was ihr über den Weg gelaufen ist. Und das war sehr vieles: Ein Soundlogo und ein Brand-Song für die Hypo Vorarl­berg etwa. „Für das Soundlogo hatten wir ein Streichquintett, es war ein Traum von mir, meine Musik-Komposition so aufnehmen zu können.“ Ein weiteres Highlight: Ein Tanzensemble hat in Bregenz am See getanzt. Baumgartner saß hinter dem Publikum oben im Panoramasaal des Vorarlberg Museums, dessen riesiges Fenster auf den See und die Tänzer gerichtet war, und improvisierte dazu am Piano. Ihr Ziel war es auch hier, etwas zu schaffen, das ihre Zuhörer berührt.

Weitere Infos unter:
www.epu.wko.at