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DWDS: Von Fischen und von Menschen

09.09.2021 • 20:15 Uhr
David Schiesser vor seinen Bildtafeln.   <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
David Schiesser vor seinen Bildtafeln. Klaus Hartinger

In Bregenz ist Ausstellung des Künstlers David Schiesser zu sehen.

Der Kunstraum DWDS („Die Wiedergeburt des Schaufensters“) in der Bregenzer Innenstadt ist aktuell Schauplatz einer Ausstellung des 31-jährigen, in Frankfurt geborenen und in Berlin lebenden Künstlers David Schiesser.
„Invasion der Geschuppten – Landnahme im Lockdown“ nennt Schiesser, der an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main studiert hat, seine Schau. Darin hat er sich auf großformatigen Arbeiten Bregenz angenähert und zugleich Motive, mit denen er seit Jahren arbeitet, miteinbezogen.

Ausschnitt aus den Arbeiten. <span class="copyright"> Hartinger</span>
Ausschnitt aus den Arbeiten. Hartinger

Auf vier Tafeln, die bis zu 2,50 Meter lang und 1,80 Meter hoch sind, erzählt Schiesser mit Aquarellfarben auf Leinwand eine vielschichtige Geschichte anhand zahlreicher Figuren, Symbole und Objekte. Fische spielen dabei eine Rolle, ein Motiv, das sich seit einigen Jahren durch seine Arbeit zieht, berichtet er.
Für eine Arbeit am Bodensee sind sie natürlich nahezu prädestiniert. Dazu kam heuer zu Jahresbeginn die Entschlüsselung des Genoms des Lungenfischs, an dem auch die Universität Konstanz beteiligt war. Die Meldung darüber bildete für Schiesser den Startschuss, eine Evolutionsgeschichte gekoppelt an die Pandemie zu erzählen – in Bild und Text.

Die Arbeit ist auch durch das Schaufenster zu sehen.  <span class="copyright">Hartinger</span><br>
Die Arbeit ist auch durch das Schaufenster zu sehen. Hartinger

Neben den malerischen Arbeiten gibt es nämlich auch einen zweiseitigen Text, der im Kunstraum aufliegt. Darin versprachlicht er, wenn man so will, die Bilder. Auf den Bildtafeln findet sich neben ikonographischen Motiven, die Schiesser mit viel Witz und Ironie verfremdet, etwa Hugo von Montfort, der quasi als eine Art Erzähler auftritt. Eine Vernissage im Kunsthaus Bregenz ist zu erkennen und überall die Fische, die omnipräsent zu sein scheinen. Figuren und Symbole aus der Antike tauchen auf, Bregenz-Zitate und Geschichten in der Geschichte – es ist eine komplexe und spannende Welt, die der Künstler auf seinen Bildern dem Publikum präsentiert und in der immer wieder Neues zu entdecken ist.

Schiessers virtuoses und diffiziles Spiel mit Symbolen und Motiven begeistert und lässt auch viel Raum für Assoziationen. Rund drei bis vier Monate hat der Künstler an jeder der vier Tafeln gearbeitet. Seine früheren Arbeiten waren hauptsächlich Kohlezeichnungen, erzählt er. „So bunt war ich noch nie“, sagt er zur Ausstellung in Bregenz. Trotz der Aquarellfarben dominiert der zeichnerische Charakter der Arbeiten.

Auch eine Serie mit vier kleineren Formaten wird gezeigt.     <span class="copyright">Hartinger</span>
Auch eine Serie mit vier kleineren Formaten wird gezeigt. Hartinger

Neben den großen Bildtafeln, die im Raum stehen, hängen noch vier kleinere Arbeiten an den Wänden. Eine Serie, in der Mensch-Fisch-Hybride abgebildet sind, Porträts von Fischen mit menschlichen Gesichtern. „Invasion der Geschuppten – Landnahme im Lockdown“ ist eine faszinierende Schau, in der es sehr viel zu entdecken gibt, ein Ortsporträt der ein wenig anderen Art.

Junge Positionen

Das DWDS wird seit zwei Jahren von den beiden jungen Vorarlberger Bühnenbildern bzw. Setdesignern Valentin Hämmmerle und Jan Klammer, die in Wien bzw. Berlin leben, und dem jungen Galeristen Leon Boch bespielt. Rund 20 Ausstellungen haben die drei in dieser Zeit realisiert, hauptsächlich mit junger Kunst. „Junge Positionen, High Potentials, Newcomer, ein bisschen Learning by Doing für die Künstler und uns“, beschreibt Klammer das Konzept. „Wir spielen auf Augenhöhe.“ Allerdings gab es auch schon Ausnahmen mit Ausstellungen von arrivierten Künstlern.

Prinzipiell sei es aber wichtig, dass man sich mit dem Raum auseinandersetzt, sagt Klammer. Geboten werden soll ein niederschwelliger Zugang zu Kunst und das funktioniert insofern, als die Ausstellungen durch die großen Schaufenster auch beim Vorbeigehen zu sehen sind. Und ansonsten kommt man durch das Geschäft nebenan sechs Tage in der Woche rein.

Ausstellung David Schiesser. Bis 30. Oktober. Montag bis Freitag, 10 bis 18 Uhr, Samstag, 10 bis 16 Uhr. https://dwds.info/wds.info/