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Kanzler: “Hoffe, dass die Drohkulisse Wirkung zeigt”

11.11.2021 • 20:18 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bundeskanzler Alexander Schallenberg. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Bundeskanzler Alexander Schallenberg. Stiplovsek

Alexander Schallenberg sieht „ungemütliches“ Weihnachten für Ungeimpfte.


Seinen letzten Vorarlberg-Besuch unternahm Bundeskanzler Alexander Schallenberg (ÖVP) – damals noch Außenminister – anlässlich der Eröffnung der Bregenzer Festspiele im Sommer. Damals habe die Sonne geschienen, erinnerte er sich am Donnerstag im Rahmen eines Pressetermins im Landhaus. „Jetzt hängt der Nebel sehr tief und das ist vielleicht auch die Gesamtstimmungslage, mit der wir momentan konfrontiert sind.“

Arbeitsgespräch

Gemeinsam mit Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP), mit dem er sich zuvor zu einem Arbeitsgespräch traf, warb er einmal mehr vehement fürs Impfen. Die Impfung sei das einzige Exit-Ticket. Einem Lockdown für alle, also auch für bereits Geimpfte, erteilte Schallenberg eine ganz klare Absage. Es sei für ihn nicht nachvollziehbar, „dass zwei Drittel der Gesellschaft, die alles richtig gemacht haben, in einen Lockdown gehen sollen – wegen einem Drittel, das zaudert, zögert oder Fakenews aufsitzt“. Darüber hinaus würde ein derartiges Vorgehen den Impfanreiz zerstören.

Traten nach Arbeitsgespräch vor die Presse: Schallenberg und Wallner. <span class="copyright">Serra</span>
Traten nach Arbeitsgespräch vor die Presse: Schallenberg und Wallner. Serra

Unvermeidbar

Klare Worte richtete der Kanzler an die Ungeimpften. Für diese werde der Winter und Weihnachten „ungemütlich“. Gemäß des Stufenplans stehe Österreich wenige Tage davor, einen Lockdown für Ungeimpfte verhängen zu müssen. Das sei zwar eine „harsche Maßnahme“, meinte der Kanzler, aber so wie es aussehe „vermutlich unvermeidbar“. (Am Donnerstagnachmittag wurde bekannt, dass in Oberösterreich ab Montag ein Lockdown für Ungeimpfte verhängt wird)

“Nicht an jeder Ecke ein Polizist”

Auf die Frage, wie sich eine derartige Maßnahme kontrollieren ließe, blieb der Kanzler vage. „Wir wissen, dass so etwas schwierig ist. Das können nur Stichproben sein, es wird sicher nicht an jeder Ecke ein Polizist stehen.“ Man werde jedenfalls den Kontrolldruck weiter verschärfen. Schallenberg appellierte aber auch an die Eigenverantwortung, es gehe um die eigene Gesundheit. Er hoffe, dass die „Drohkulisse“ Wirkung zeige. Ansonsten werde der Winter und Weihnachten für Ungeimpfte „ungemütlich“.

„Impfquote beschämend“.

Die Impfquote in Österreich bezeichnete der Kanzler als „beschämend“. Er appellierte an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen – egal ob erster, zweiter oder dritter Stich. Die Impfung, so Schallenberg weiter, „ist der einzige Wellenbrecher, den wir haben“. Da müsse man nur nach Israel schauen, jeder, der etwas anderes behaupte, liege falsch.

Es nicht nachvollziehbar, dass zwei Drittel der Gesellschaft, die alles richtig gemacht haben, in einen Lockdown gehen sollen – wegen einem Drittel, das zaudert, zögert oder Fakenews aufsitzt“.

Alexander Schallenberg, Bundeskanzler

Die Dynamik in der Pandemieentwicklung sei ­enorm, so Schallenberg. „Die Zahlen steigen ständig, sie sind so hoch wie noch nie“. Gerade in dieser Phase sei ein Austausch zwischen Bund und Ländern essenziell. Der Kanzler will ­deshalb bald eine neue Runde mit den Landeshauptleuten einberufen. „Das ist eine gesellschaftspolitische, gesamtstaatliche Herausforderung, die wir nur gemeinsam angehen können.“

General-Lockdown verhindern

Auch Wallner betonte, dass man sich in Bund und Ländern in eine möglichst einheitliche Richtung bewegen müsse. Ein General-Lockdown müsse mit allen Mitteln verhindert werden, denn dieser würde nicht nur Geimpfte mit treffen, sondern auch den Wirtschaftsaufschwung im Land bremsen.
Für Landeshauptmann Wallner ist eine möglichst rasche dritte Dosis „das alles Entscheidende“, um die vierte Welle zu brechen.

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