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Bauprojekt bei Bahnhof führte mit in die Krise

04.04.2022 • 18:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
2017 wurden für den Standort in Feldkirch 1,3 Millionen Euro investiert. <span class="copyright">Hartinger</span>
2017 wurden für den Standort in Feldkirch 1,3 Millionen Euro investiert. Hartinger

„Ausbau Bohn“ hat Außenstände von über zwei Millionen Euro.

Das in Vorarlberg sehr aktive deutsch-österreichische Trockenbauunternehmen Ausbau Bohn GmbH mit Firmenstammsitz in Erfurt (Deutschland) und einer großen Zweigniederlassung in Feldkirch ist insolvent. Das geht aus der österreichischen Insolvenzdatei unter Bezugnahme auf das Amtsgericht Erfurt hervor. So wurde am 1. April 2022 gemäß deutschem Insolvenzrecht ein sogenanntes Regelinsolvenzverfahren über die Ausbau Bohn GmbH samt ihrer Zweigniederlassung in Feldkirch eröffnet. Zum Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Thomas Beck von der Kanzlei Beck Rechtsanwälte – Wirtschaftskanzlei aus Dresden bestellt.

Eigenverwaltung entzogen

Wie Thomas Beck auf Anfrage der Wirtschaftspresseagentur erklärte, seien massive Liquiditätsprobleme für die Insolvenz verantwortlich. Das Unternehmen hat Mitte Februar 2022 einen Eigenantrag auf ein Verfahren mit Eigenverwaltung gestellt. Nunmehr wurde das Verfahren per 1. April 2022 in ein Regelinsolvenzverfahren abgeändert und Bohn dabei die Eigenverwaltung entzogen.

„Unser Ziel als Insolvenzverwalter ist es, das Unternehmen zusammenzuhalten und einen Investor zu finden, damit Ausbau Bohn als Firma saniert und weitergeführt werden kann“, so Beck. Insgesamt beschäftigt Ausbau Bohn nach Angaben von Beck rund 68 Mitarbeiter, von denen etwa die Hälfte am Standort in Feldkirch tätig ist. Mittlerweile liegt der wpa ein Schreiben einer anderen deutschen Anwaltskanzlei vor, worin beide Betriebsliegenschaften in Deutschland und Österreich zum Kauf angeboten werden.

“Der Großteil der Außenstände stammt von Privatkunden oder Firmen aus Vorarlberg”

Rico Bohn, geschäftsführender Gesellschafter

Der geschäftsführende Gesellschafter Rico Bohn erklärte auf wpa-Anfrage, dass das Unternehmen schwer einbringliche Außenstände von über zwei Millionen Euro habe. „Der Großteil dieser besagten Außenstände stammt von Privatkunden oder Firmen aus Vorarlberg.“ Dabei sei vor allem ein Großprojekt im Bereich des Bahnhofes Feldkirch zu nennen. Unter „schwer einbringlichen Außenständen“ sind nicht nur in der Baubranche unter anderem Forderungen zu verstehen, deren Einbringlichmachung jahrelange und teure Gutachter- und Rechtsstreitigkeiten mit offenem Ausgang für beide Seiten erfordern würde.

Völlig offen

Gegenwärtig sei die Zukunft seines Unternehmens aufgrund des nunmehrigen Verfahrens völlig offen, so Rico Bohn. Von einem Teilverkauf bis hin zu einem Gesamtverkauf sei alles möglich. „Wir sind für alle Vorschläge offen.“ Die Baustellen von Ausbau Bohn würden bislang jedoch unverändert weiterlaufen.

Ausbau Bohn unterhält in Vorarlberg seit 2006 eine eigene Niederlassung. Im Jahr 2017 errichtete das Unternehmen einen eigenen Standort im Feldkircher Industriegebiet Runa und inves­tierte dafür rund 1,3 Millionen Euro.

Günther Bitschnau/wpa