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Das Herz spielt bei Dänemark immer mit

06.06.2022 • 13:52 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gut drauf: Christian Eriksen (Mitte) und seine dänischen Fußball-Kollegen
Gut drauf: Christian Eriksen (Mitte) und seine dänischen Fußball-Kollegen GEPA pictures

Dänemark spielt heute (20.45 Uhr) gegen das ÖFB-Team in Wien.

Er ist ein schlagendes Beispiel. Nicht nur Fußballern und den Menschen, denen dieser Sport besonders am Herzen liegt, dient er als Vorbild, auch jenen, die am Lebensspender-Organ erkrankt sind. Christian Eriksen haucht mit seiner Geschichte den Zweifelnden neues Leben ein. Dass der dänische Vorzeigeprofi am Montag in Wien gegen Österreich in der Startaufstellung der Gäste steht, ist nicht anzunehmen, schließlich machte der 30-Jährige beim 2:1-Erfolg in Frankreich durch. Aber, ob er vielleicht von der Bank kommt oder diesmal gar nicht eingesetzt wird, spielt keine Rolle angesichts des Dramas im vergangenen Jahr.

Im ersten Euro-Match zwischen Dänemark und Finnland brach der Inter-Mailand-Star plötzlich zusammen, eine lückenlose Rettungskette hielt Eriksens Leben fest, die Bilder umrundeten den Erdball. Der Fußballer erholte sich, er bekam einen Defibrillator eingesetzt, das geschieht, wenn ein Herz plötzlich zu schnell schlägt und beugt dem plötzlichen Herztod vor. In Italien durfte Eriksen nicht weitermachen, die nationalen Bestimmungen gestatten dies nicht. In England hingegen ist ein Defibrillator kein Störfaktor, bei Brentford in der Premier League holte sich der Däne wieder frische Impulse. Im Nationalteam gehört der Topprofi inzwischen wieder zum festen Stamm unter Erfolgstrainer Casper Hjulmand, vollgepumpt mit neuem Selbstvertrauen für das Dasein und seine Leistungsfähigkeit.

Dänen mit “Top-Mentalität”

Eriksen ist ein Extremfall, aber die dänische Nationalmannschaft kann in ihrer Gesamtheit vielen Nationen auf die Sprünge helfen, vor allem punkto Einstellung. “Sie verfügen alle über eine Top-Mentalität”, meint auch Österreichs Neo-Teamchef Ralf Rangnick, der darauf hinweist, dass es kein Zufall sein kann, dass ein Sechs-Millionen-Volk Top-Fußballer in derartiger Fülle hervorbringt. “Das bezieht sich nicht nur auf die Nationalmannschaft, sondern auch auf den Unterbau, da muss schon wirklich sehr gute Arbeit geleistet werden”, meint der Deutsche, um dann doch auf den eigentlichen Kontrahenten zu kommen. “Was Casper Hjulmand geleistet hat, ist überragend. Die Mannschaft ist stabil”, das unerwartete 2:1 gegen Frankreich sei “kein glücklicher Sieg” gewesen, sondern ein Erfolg “der Mannschaft, die mehr investiert hat. Dänemark hatte sehr viel Ballbesitz”, führt Rangnick aus. In der FIFA-Weltrangliste liegt das Team auf Rang elf. Zur Erinnerung: Österreich ist an 34. Stelle zu finden.

Es ist damit zu rechnen, dass Hjulmand ebenso wie Rangnick einige Umstellungen vornehmen wird. Denn vier komplette Spiele in elf Tagen sind keinem Einzelnen zuzumuten, schon gar nicht am Ende einer langen Saison. Der gegen Frankreich eingewechselte Doppel-Torschütze Andreas Cornelius wird vermutlich ebenso starten wie Salzburgs Top-Verteidiger Rasmus Kristensen. Der dänische Coach betont, dass seine Mannschaft immer “hungrig” sei auf den Erfolg, dem 50-Jährigen sind aber auch die Veränderungen bei den Österreichern natürlich nicht verborgen geblieben. Die Duelle des Vorjahres (4:0, 1:0), die Hjulmand nicht so drastisch darstellt wie sie in Wirklichkeit waren (er beschönigt zugunsten von Österreich), dürfe man nicht überbewerten. “Rangnick ist seit langer Zeit eine große Inspiration für viele Trainer. Er kann mit dieser Mannschaft Großes bewirken”, erklärte Hjulmand. Ein österreichischer Erfolg wäre der erste in einem Pflichtspiel überhaupt, nach vier Niederlagen.