„Nichts Vergleichbares in ganz Europa“

Die neuen Regionalzüge spielen quasi alle Stückchen.
Mit dem Fahrplanwechsel am Sonntag, 11. Dezember, ist der erste neue Cityjet durch Vorarlberg gebraust, gestern fand die offizielle Zugtaufe in der ebenfalls neuen Werkhalle in Bludenz statt. Vertreter der ÖBB, des Herstellers Siemens und der Landespolitik sprachen von einem „Freudentag“. Mobilitätslandesrat Daniel Zadra meinte, dass das lange Warten nun ein Ende habe, und spielte damit wohl auf die Komplikationen bei der Beschaffung an. Wie berichtet, hatten die ÖBB ursprünglich 21 Talente-3-Züge beim Hersteller Bombardier bestellt, schließlich aber nach jahrelangen Lieferverzögerungen und Problemen bei der Zulassung die Verträge gekündigt. In der Sache läuft ein Schiedsgerichtsverfahren, bei dem es um viele Millionen Euro geht.
Doch zurück zu den neuen Nahverkehrszügen: Drei Garnituren befinden sich bereits im Land, bis Oktober 2023 sollen nun laufend weitere 18 Stück geliefert werden. Vorarlberg sei das erste Bundesland, das den bewährten Nahverkehrszug Siemens Desiro ML in der neuen Version als vierteilige Garnitur bekomme, betonte Sabine Stock, Vorständin der ÖBB-Personenverkehr AG.

Fahrradabteil
Die Züge bieten Pendlern jenen Komfort, der bisher nur aus Fernverkehrszügen bekannt war. Die größte Neuerung ist wohl das Fahrradabteil, das jetzt schon Platz für 16 Räder und zahlreiche Ski- und Snowboards bietet. Ab März wird das Abteil dann schrittweise auf Sommer getrimmt. Im Endausbau kann der Zug dann 39 Fahrräder aufnehmen. Zudem finden sich Steckdosen und USB-Anschlüsse sowie ausklappbare Tische in den neuen Zuggarnituren, die künftig auch Wlan bieten. Der neue Cityjet erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h und bietet um fast 50 Prozent mehr Platz als die als die bisherigen Talent 1-Züge.

„Es gibt im Nahverkehrsbereich nichts vergleichbares in Europa“, stellte Arnulf Wolfram, CEO Siemens Mobility Austria fest. Keine Auskünfte gab die ÖBB, auf die Frage, was die Vorarlberger Züge kosten. „Das geben wir nicht bekannt, weil wir im Wettbewerb stehen“, sagte ÖBB-Sprecher Christoph Gasser-Mair. Insgesamt investiert die ÖBB in den nächsten Jahren österreichweit vier Milliarden Euro in die gesamte Flotte. Damit schaffe die ÖBB einen zusätzlichen Anreiz für den Umstieg auf den öffentlichen Verkehr. Zadra erwartet sich auch einen Schub für den Radverkehr. Derzeit betrage der Anteil des Radverkehrs am gesamten Verkehrsaufkommen (Modal-Split) 16 Prozent. geplant sei eine Steigerung auf 20 Prozent.

Zeitgleich mit dem Betriebsstart der neuen Nahverkehrszüge eröffneten die ÖBB in Bludenz gestern offiziell ihre neue Werkstätte von ÖBB Train Tech. Die 126 Meter lange Halle sei optimal für die neuen Nahverkehrszüge in Vorarlberg ausgelegt, so Sandra Gott-Karlbauer, Geschäftsführerin ÖBB Train Tech.
