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Polizist verlängert seine Dienstzeit, um mit dem Diensthund in Pension gehen zu dürfen

07.07.2024 • 08:00 Uhr
Polizei Polizeihund Hundeübung ssuchtgift
Noch bis zum 31. Juli im Doppelpack im Einsatz: Karl-Heinz und Quinn. Hartinger

Polizeidiensthunde verbringen 365 Tage mit dem Hundeführer, sind aber Eigentum vom Staat. Doch was passiert, wenn Herrchen oder Hund in Pension gehen?

“Er ist wie ein Kind für mich“, spricht Diensthundeführer Karl-Heinz S. über seinen Diensthund Quinn von Nacheron. Für den Vierbeiner hat der 60-Jährige sogar extra noch ein halbes Jahr an seine Dienstzeit angehängt, damit er gemeinsam mit dem Hund in Pension gehen darf. Denn die Polizeihunde ziehen zwar bereits mit acht bis zehn Wochen als Welpen bei den Polizeibeamten zu Hause ein und wohnen dort das Leben lang, sind aber trotzdem Eigentum des Staates.

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Ein eingespieltes Team: Quinn und Karl-Heinz. Hartinger


Wenn die Tiere beim Pensionierungsalter des Hundeführers noch zu jung, also bis zum sechsten Lebensjahr, werden sie an einen anderen Hundeführer weiter gegeben. Bis zum sechsten Lebensjahr werden die Hunde in so einem Fall einem anderen Polizeibeamten zugeteilt, damit sie noch weiter im Einsatz sein können. Eigentlich gehen die Diensthunde selbst nämlich erst mit etwa elf Jahren in den Ruhestand. Dann muss sich der Hund aufgrund von Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit an einen neuen Diensthundeführer und eine neue Familie gewöhnen.

Das kam für Karl-Heinz S. jedoch keinesfalls in Frage. Der Hund gehört während der Dienstzeit zwar auf dem Papier dem Staat, jedoch nicht in seinem Herzen. Schließlich verbringen er und auch die anderen Hundedienstführer 365 Tage im Jahr mit den Vierbeinern – anders als bei Privathunden sogar zusätzlich während der Arbeitszeit. Die Hunde haben den gleichen Dienstplan wie der Hundeführer – sind also immer mit dabei – ob im Nachtdienst oder am Tag. So sind sie ein eingespieltes Team. An Quinn schätzt er vor allem seine soziale Ader.

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Bis zum Ende wird regelmäßig trainiert. Auch noch im letzten Monat vor dem Ruhestand. Hartinger

Auf Balljagd im Wohnzimmer

Quinn ist bereits sein dritter Diensthund – so konnte der Polizist sein Interesse für Suchtmittelprävention und seine Tierliebe im Berufsalltag perfekt vereinen. Die ersten Hunde hielt er noch im Zwinger im Garten, der jetzige durfte ursprünglich dann sogar im Keller schlafen. Denn er zog während einer kalten Jahreszeit bei der Familie ein. Inzwischen schläft Quinn im Wohnzimmer und ist vollkommen in die Familie integriert.

Beim Fernsehen liegt er auch gerne mal auf der Couch. Bei den EM-Spielen muss Karl-Heinz dann aufpassen, dass Quinn nicht in den Bildschirm hüpft, um den Fußball zu erwischen. Zuletzt ging der Abend so auch ab und zu etwas länger, weil die Euro-Spiele länger dauern als sonst manch ein Spielfilm. Um 21 Uhr hätte er jedoch dann gerne seine Ruhe, schließlich muss er am nächsten Tag wieder fit fürs Schnüffeln im Dienst sein. Dann stellt er sich vorwurfsvoll vor den Fernseher und zeigt, dass er gerne seine Ruhe hätte. Ein pflichtbewusster Angestellter der Exekutive!

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Regelmäßig wird mit den Suchtgiftspürhunden das Erschnüffeln von Drogen geübt. Hartinger
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Mit Klickgeräuschen werden die Hunde belohnt, wenn sie etwas richtig machen. Hartinger

Noch 24 Tage

Die Dienste sind jedoch gezählt. Am 31. Juli startet Karl-Heinz S. nach 40 Exekutivjahren in seine Pension und der Hund gehört dann endlich auf dem Papier ihm. Der Schenkungsvertrag ist unterschrieben. Wenn ein Polizeidiensthund im Ruhestand ist, gibt es einiges zu beachten. Schließlich sind es die einzigen Hunde, die gelernt haben, dass sie beißen dürfen. Leine oder Maulkorb können etwaige Vorsichtsmaßnahmen beim Spazieren sein. Darüber hinaus haben sie ein Leben lang täglich gearbeitet. Dann sind etwa Such-, Konditions-, Denk- und Nasenspiele gefragt. Nicht dass ihnen die Decke auf den Kopf fällt.

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Brtram H. und seine zwei Hunde gibt es nur zu dritt. Hartinger


Doch im Alter werden sie auch ruhiger. Wie etwa der bereits pensionierte 11-jährige belgische Schäferhund Bobby. Seine frühere Tätigkeit hat er auch nach zwei Jahren Pension nicht verlernt. Bei der Suchtgiftübung erschnüffelt er spontan top motiviert verstecktes Heroin und freut sich über die eigene Leistung. Da sieht man, wie sehr ihm das Schnüffeln Spaß macht und es für ihn keine Arbeit, sondern ein Spiel ist.

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Brtram H. und seine zwei Hunde. Bobby (l.) ist seit zwei Jahren in Pension, Igor v langen Elend ist movitiert im Einsatz. Hartinger

Bobby wohnt gemeinsam mit dem aktiven vierjährigen Polizeidiensthund, dem Deutschen Schäfer, Igor vom langen Elend bei Bertram H. Wenn ein Polizeidiensthund nämlich etwa neun Jahre alt ist, bekommen die Hundeführer einen zusätzlichen Welpen. Dieser wird dann ausgebildet. Wenn er dann geprüft ist, ist der ältere Hund etwa elf Jahre und bekommt seinen verdienten Ruhestand. Auch dann wohnen weiterhin beide Hunde bei den Hundeführern. Der 47-Jährige nimmt nun beide Vierbeiner mit zur Arbeit, jedoch ist nur noch der junge Hund aktiv im Einsatz. Das schweißt zusammen. „Die Bindung ist riesig, bei uns speziell. Einen privaten Hund lässt man daheim, wenn man arbeiten geht. Bei mir ist er immer mit dabei. Im Dienst muss er sich auf mich verlassen und ich mich auf ihn verlassen“, so Bertram H. „Wenn du nicht musst, gibst du ihn nicht her.“

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Diensthundeleiter Chris­tian Muther. hartinger

Drei Fragen an Diensthundeleiter Chris­tian Muther

1 Wie erfolgt die Auswahl?
Christian Muther:
Eine Schutzhunderasse ist Voraussetzung: Deutscher Schäfer, belgischer Schäfer, holländischer Herder, Rottweiler, Riesenschnauzer. Wir kennen verschiedene Züchter in der Umgebung. Wir haben Kontakt zu Züchtern und sind in enger Korrespondenz mit dem Bundesausbildungszentrum. Da weiß man, welche Blutlinien und Paarungen von Eigenschaften geeignet sind. Ein Diensthund braucht Wesensstärke, Durchsetzungsvermögen und einen ausgeprägten Spiel- und Beutetrieb. Fürs Training ist wichtig, dass er ein guter Fresser ist. Die Gesundheit wird vom Tierarzt gecheckt.

2 Wie wird ein Polizeidiensthund ausgebildet?
Muther:
Als Welpen werden sie sozialisiert und lernen verschiedene Begegnungen und Umgebungen kennen. Erst gibt es zwei Jahre Grundausbildung, dann sind sie ein Jahr im Außendienst. Dann machen sie die Ausbildung für die Sonderverwendung. Alle haben eine Sonderverwendung: Suchtmittelspür-, Personenspür-, Sprengstoffspür-, Leichen- und Blutsprür- undBrandmittelspürhunde)

3 Wie wird ein Hund eingesetzt?
Muther:
Sie dienen der Prävention und Repräsentation. Durch die Anwesenheit bei der Streife fallen sie auf und haben eine Wirkung. Der Hund wird etwa bei einem Match als unberechenbar wahrgenommen. Auch werden sie unter anderem für die Suche von Drogen oder Personen eingesetzt.