Österreich zwischen Fürsorge und Freiheit

Mit neun Bundesländern, rund 2100 Gemeinden und zahlreichen staatsnahen Institutionen hat sich in Österreich über Jahrzehnte ein komplexes, träges Staatssystem entwickelt – ein Apparat, der ineffizient verwaltet und kaum mehr gestalten kann. Politisch motiviert übernahm der Staat immer mehr Aufgaben, die nicht zu seinen Kernfunktionen zählen. Die Folge waren wachsende Bürokratie, sinkende Effizienz und eine stetig abnehmende Innovationskraft.
Die entscheidende Frage lautet: Wie viel Staat braucht oder verträgt eine ökologisch- und sozialorientierte Marktwirtschaft? Die liberale Wirtschaftstradition, inspiriert von der österreichischen Schule um Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek, warnt zu Recht vor Überregulierung und staatlicher Übersteuerung. Ein übermächtiger Apparat hemmt Unternehmergeist und Eigenverantwortung. Auch das planwirtschaftliche Modell, wonach der Staat durch ständiges Eingreifen umfassend soziale Gerechtigkeit gewährleisten soll, führt zu ungesunden Abhängigkeiten, Entmündigung und immer höheren Kosten.
Österreich gibt im internationalen Vergleich überdurchschnittlich viel für Verwaltung und Sozialtransfers aus, während Investitionen in Bildung, Digitalisierung und Klimaanpassung stagnieren. Damit droht das Gleichgewicht zwischen sozialer Absicherung und Eigenverantwortung verloren zu gehen – kein guter Befund für einen modernen Wohlfahrtsstaat.
Der Ausweg liegt weder im rigorosen Rückzug noch im weiteren Ausbau staatlicher Strukturen, sondern in neuer Zielklarheit und höherer Effizienz. Ein zukunftsfähiger Staat muss sich auf seine Kernaufgaben konzentrieren: Sicherheit, Gesundheit, Bildung, Umwelt- und Klimaschutz, Infrastruktur und faire Marktbedingungen. Ineffizienter Föderalismus, Überregulierung und überbordende Subventionen gehören reduziert – zugunsten von „good Governance“, digitaler Modernisierung, klaren Verantwortlichkeiten.
Österreich braucht keine Rosskur, sondern ein neues intelligentes Staatsdesign, das den Herausforderungen der Zeit gerecht wird. Nur mit Minimalkompromissen, damit sich jede Parteipolitik wiederfindet, kommen wir diesem Ziel allerdings nicht näher. Die entscheidende Frage lautet: Wie viel Staat braucht oder verträgt eine ökologisch- und sozialorientierte Marktwirtschaft?

Christof Skala ist selbstständiger Ingenieurconsulent und Unternehmensberater in Bregenz.