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Von der überlegten Qualität guter Ortskerne

28.02.2026 • 10:00 Uhr
Von der überlegten Qualität guter Ortskerne
NEUE

Die Stärkung der Ortskerne ist ein kommunalpolitisches Gebot der Stunde, und sollte eigentlich auch ein Ziel der Landespolitik sein. Intakte Ortskerne stärken das soziale Leben und Zugehörigkeitsgefühl, fördern die Integration von Alten und Kindern und halten Arbeitsplätze und die Kaufkraft im Ort. Richtig gestaltet, verringern Ortszentren das Verkehrsaufkommen, erhalten die Grünflächen an den Rändern und bringen die Attraktivität ganzer Städte und Dörfer zurück. Der dafür wichtigste Hebel ist die Reduktion des motorisierten Verkehrs – durch Fußgängerzonen und verkehrsberuhigte Straßen und Plätze. Bregenz und Hohenems haben dies gut- und vorgemacht. Ihre Zentren lassen erleben, wie gründlich in ihnen das Lebensgefühl erblüht. Die Frage, die sich gleichzeitig stellt: wieso Vorarlbergs größte Stadt diesbezüglich so weit zurückbleibt? Es scheint, als wolle Dornbirn sein Zentrum dem Messepark opfern. Denn in der Peripherie verflüchtigen sich alle oben genannten Qualitäten. 200 Millionen Euro sind für den Umbau des Messeparks veranschlagt. Was ließe sich mit dieser Summe im Zentrum zum Guten bewegen und welchen Schaden richtet diese Summe (im ganzen Land) doch an! Immer ist im Zuge von Einkaufszentren von neuen Arbeitsplätzen die Rede; aber nie davon, wie viele, als deren Folge, an anderen Orten verloren gehen. 5000 m² neue Verkaufsfläche soll mit der Messeparkerweiterung entstehen. Gleichzeitig werden zahlreiche Geschäfte, im Hinterland, dazu verurteilt, dicht zu machen.

Bei der Zustimmung zur Messeparkerweiterung haben Landes- und Stadtpolitik alles andere als im Interesse der Bürger, der Dörfer und der Nahversorger entschieden.

Roland Gnaiger, Architekt

Bei der Zustimmung zur Messeparkerweiterung haben Landes- und Stadtpolitik alles andere als im Interesse der Bürger, der Dörfer und der Nahversorger entschieden. Jetzt ist der Schaden angerichtet. Und gegen den Onlinehandel hat auch das Messezentrum schlechte Karten. Sowohl Amazon als auch den Einkaufszentren ist nur mit einem beizukommen: mit der weit überlegenen Erlebnisqualität lebendiger, verkehrsberuhigter und atmosphärevoll gestalteter Ortskerne (und Läden!). Beginnen wir in jeder Stadt und in jedem Dorf solche zu errichten!  

Roland Gnaiger

Roland Gnaiger ist Architekt, Professor und Mitglied von vau | hoch | drei. Er hat 23 Jahre lang das Architekturstudium an der Kunstuniversität Linz geleitet und begleitet heute städtebauliche Entwicklungsprozesse.