_Homepage

Wer profitiert vom neuen Stromtarif?

23.03.2026 • 17:27 Uhr
Wer profitiert vom neuen Stromtarif?
Ab 1. April verlagert sich mit dem neuen Stromtarif günstiger Strom von der Nacht in den Tag. hartinger

Mit 1. April wird der Tag/Nacht-Stromtarif abgeschafft, weil durch den PV-Ausbau Stromübersschüsse tagsüber entstehen. Günstiger Strom fällt künftig zwischen Anfang April und Ende September zwischen 10 und 16 Uhr an.

Zugegebenermaßen war der Tag/Nacht-Stromtarif vor vielen Jahren aus Erzeugersicht und Verbrauchersicht sinnvoll, weil in der Nacht viel Strom zur Verfügung stand, den die Verbraucher gut nutzen konnten: Für die Warmwasserboilerheizung, für das Laden des E-Autos oder für den Wäschetrockner. In Zeiten von immer mehr PV-Anlagen hat sich das nun verändert. Untertags, bei schönem Wetter, ist heute zu viel Strom verfügbar, und die Illwerke vkw reagieren darauf, wie Pressesprecher, Andreas Neuhauser, erklärt: „Durch den erfreulich starken Ausbau von Photovoltaik entstehen Stromüberschüsse und günstigere Marktpreise zunehmend tagsüber statt nachts. Die Regulierungsbehörde E-Control hat zum 1. April 2026 entsprechend eine Änderung der Netztarifstruktur angeordnet: Das bisherige Tag/Nacht-Modell mit günstigem Strom in der Nacht entfällt und wird durch vergünstigte Sommerzeiten vom 1. April bis 30. September, täglich 10 bis 16 Uhr, ersetzt.“
Wer also den Tag/Nacht-Stromtarif hat, kann noch bis Ende März vom E-Auto-Laden in der Nacht profitieren, oder den Wäschetrockner betreiben. Dann ist der Tarif Geschichte, weil er dem gegenwärtigen Strommix nicht mehr entspricht. Auch wenn nachmittags die Sonne schien und Überstrom im Netz war, der sogar zur Abschaltung von Wasserkraftwerken führte und die Gewässer belastete, wurde das E-Auto aus Tarifgründen erst in der Nacht geladen – ohne PV-Strom-Einspeisung. Das war aus Erzeugersicht und ökologisch unvernünftig. Ab 1. April wird das nun anders sein. Neuhauser: „Mit unserem Neuprodukt Strom Duo sparen Kunden im Sommer in diesem Zeitfenster sogar doppelt – bei den Netzentgelten und beim Energiepreis. In Summe ergibt das in diesem Zeitfenster einen Preisvorteil von 2,4 Cent/kWh brutto. Dadurch erhalten Kunden einen Preisvorteil und Anreiz, ihren Verbrauch ins neue Zeitfenster untertags zu verschieben und Strom dann zu verbrauchen, wenn Überschüsse im Stromsystem sind.

Was heißt das für Verbraucher?

Das E-Auto in der Nacht zu laden wird also teurer, ebenso das Laden des Warmwasserspeichers, der Betrieb der Wärmepumpe, der Waschmaschine oder des Wäschetrockners. Das wird ab April an den sechs Stunden, von 10 bis 16 Uhr günstiger, von April bis September. Die Warmwasserboilerschaltung wird von Illwerke vkw ab heuer im Sommer so geregelt, dass der billigere „Sommer-Tagstrom“ genützt wird, also am Tag geladen wird, erläutert Neuhauser: „Die Umstellung erledigt der Stromanbieter über die Smart Meter, im Winter bleibt er auf Nachtschaltung.“ Der Kunde muss also nichts tun. Allerdings, wer eine thermische Solaranlage besitzt, wird diese den Boiler – wie bisher – tagsüber aufheizen, in „Konkurrenz“ zur elektrischen Aufheizung. Wer die Waschmaschine, den Wäschetrockner oder den Geschirrspüler bisher in der Nacht nutzte, sollte das in Zukunft im Sommer zwischen 10 und 16 Uhr machen, um Stromkosten einzusparen. Vorausgesetzt, er ist dann zu Hause oder er programmiert die Geräte auf eine spätere Nutzung. E-Auto in dieser Zeit günstig laden, geht dann, wenn das Fahrzeug tagsüber zu Hause ist oder beim Arbeitgeber die Möglichkeit besteht, zu in diesen Zeiten zu laden. Stromkosten sparen wird also mit dem neuen Tarif eher schwieriger. Ob größere Strommengen in Zukunft verbrauchs- und erzeugungsmäßig besser zusammenpassen werden, wird sich weisen.

„Mit unserem Neuprodukt ‚Strom Duo‘ sparen Kunden im Sommer in diesem Zeitfenster sogar doppelt.“

Andreas Neuhauser, Illwerke vkw

Dynamische Stromtarife

Laut Andreas Neuhauser gibt es auch eine Wahlmöglichkeit für „Strom Flex“ mit monatlicher Preisanpassung und dynamische Stromtarife mit viertelstündlicher Preisanpassung. „In Stromprodukten mit variablen Energiepreisen haben Kunden einen Preisvorteil und Anreiz, Strom dann zu verbrauchen, wenn es Stromüberschüsse und damit günstige Preise gibt. Und weniger zu verbrauchen, wenn wenig Strom und damit höhere Preise vorhanden sind.“ Mit dynamischen Stromtarifen würden die Energiepreise automatisch entsprechend der Entwicklung der Börsenpreise angepasst und Kunden könnten direkt am Marktgeschehen teilnehmen, so Neuhauser. „Dynamische Tarife können für Kunden sinnvoll sein, welche die Preisentwicklung aktiv mitverfolgen und ihr Verbrauchsverhalten entsprechend der Marktpreisentwicklung anpassen.“ Es gelte jedoch zu beachten, dass das Einsparpotential mit dynamischen Tarifen in Vorarlberg generell niedriger als in anderen Regionen ist, da die Energiepreise im Standardtarif von Illwerke vkw sehr kompetitiv gesetzt sind und unter 10 Cent liegen. Martin Reis, Geschäftsführer des Energieinstitutes, sieht die Abschaffung des alten Tag/Nacht-Tarifes als Schritt in die richtige Richtung. „Die Preise sollten das verfügbare Stromangebot widerspiegeln. Das hilft, Nachfrage und Angebot ins Gleichgewicht zu bringen. Dazu braucht es auch Serviceleistungen für den privaten Kunden, um die zeitliche Verlagerung des Stromverbrauchs möglichst einfach und komfortabel durchzuführen.“ Tatsächlich gebe es schon Anbieter von Energiemanagementsystemen, die über eine intelligente Verknüpfung von Wetterdaten und Börsen-Strompreisen die Betriebszeiten von Haushaltsgräten und Ladezeiten von E-Autos steuern können, um dadurch die Stromkosten zu reduzieren. Besonders einfach für Konsumenten wäre es, wenn solche Dienstleistungen gleich beim Stromlieferanten bezogen werden könnten, wie das beispielsweise in Tirol bereits der Fall ist. Die Tiroler Wasserkraft AG (Tiwag) ist in diesem Punkt einen Schritt voraus. Beim „smart-flex-Tarif“ steuert die Tiwag den Stromverbrauch ihrer Kunden über die Smart Meter ganz gezielt „für mehr Effizienz, Komfort und Nachhaltigkeit“, ohne Zutun des Verbrauchers. Zum Beispiel beim Laden des e-Autos, beim Betrieb der Wärmepumpe oder beim Laden des eigenen Batteriespeichers, wenn eine PV-Anlage mit Speicher vorhanden ist. Anstecken oder Einschalten genügt, der Erzeuger gibt die Ladung oder das Gerät über den Smart Meter frei, genau dann, wenn der Strom für den Verbraucher am günstigsten ist.

Tiroler Nachhaltigkeit

Dabei ist das nur die Verbrauchersicht. Durch diese Maßnahme nützt die Tiwag die vielen „Schwarmspeicher“, also E-Autos und Batteriespeicher im Haus, für die eigenen Bedürfnisse. Wenn zu viel Strom im Netz ist, werden die Speichermöglichkeiten der Verbraucher zuhause durch den Energieerzeuger genutzt und aktiviert. Beispiel: Der Kunde kommt mit seinem E-Auto nach Hause, steckt um 18 Uhr an und bis zum Morgen um 7 Uhr wird das Fahrzeug aufgeladen, genau dann, wenn es für den Energieerzeuger passt – also nicht von 17 bis 22 Uhr – sondern vielleicht erst von Mitternacht bis sechs Uhr, wenn die Tiwag zu viel Strom im Netz hat und Strom relativ günstig ist. Beim Verbraucher der Illwerke vkw gibt es keinen tarifgesteuerten Grund, das Fahrzeug nicht gleich von 17 bis 22 Uhr zu laden, wenn die Strommenge im Netz eher schon ausgeschöpft wird.

Anbieterwechsel

Macht ein Anbieterwechsel Sinn? Diese Frage muss sich wohl jeder Stromkunde selbst beantworten und ist abhängig von individuellen Gegebenheiten. Also ob jemand ein E-Fahrzeug besitzt oder eine PV-Anlage und/oder eine Wärmepumpe betreibt. Letztlich wird eine Kostenvergleichsrechnung Auskunft geben, ob sich ein Wechsel lohnt. „Gutmann strom“ bietet zum Beispiel in den Sommermonaten April bis August jeden Samstag, Sonntag und Feiertag von zwölf bis 16 Uhr Gratisstrom, die Netzentgelte sind allerdings zu berappen. Grundsätzlich sind die Tarife der Illwerke vkw sehr günstig. Wer sich aktiv am Marktgeschehen beteiligen will, hat die Möglichkeit, einen an die Strombörse gebundenen Tarif zu wählen.

„Die Preise sollten das verfügbare Stromangebot widerspiegeln. Das hilft, Nachfrage und Angebot ins Gleichgewicht zu bringen.“

Martin Reis, Energieinstitut