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Ausverkauftes Mozart Requiem in Lustenau

31.03.2026 • 10:38 Uhr
Ausverkauftes Mozart Requiem in Lustenau
Honeck und das SOV zeugen durch ihr Spiel von der anhaltenden Kraft sakraler Kunst.Winkler

Der Grammy-prämierte Dirigent Manfred Honeck und das Symphonieorchester Vorarlberg brillierten mit ihrem Konzert in der Erlöserkirche.

Seit vielen Jahren gestaltet Manfred Honeck in der Passionszeit eine sehr persönliche Interpretation von Mozarts Requiem in seiner Vorarlberger Heimat: Ein durchkomponiertes Programm, das in die Tiefe führt und das der Dirigent als Requiem für den geliebten Komponisten versteht.

Ausverkauftes Mozart Requiem in Lustenau
Winkler

Unvergesslich und beflügelnd

Früher band Manfred Honeck Sängerinnen und Sänger aus der Region Vorarlberg und Oberschwaben zu einem Chor zusammen: Die Journalistin durfte selbst immer wieder teilnehmen und die Noten füllten sich mit den ausdrucksstarken Sprachbildern, die Honeck für die Verwirklichung seiner musikalischen Vorstellungen heranzog – unvergesslich und beflügelnd für alle! Diesmal hatte er den Philharmonischen Chor München eingeladen, der in der Einstudierung durch Andreas Hermann ebenfalls seit vielen Jahren regelmäßig bei Honecks Internationalen Wolfegger Konzerten im Juni die Kirchenkonzerte mitgestaltet und die Vorstellungen des Maestros professionell umsetzt.

Ausverkauftes Mozart Requiem in Lustenau
Winkler

Für Wolfegg hatte der Dirigent dieses Konzept ursprünglich auch bereits in den 1990er Jahren entwickelt, über die Jahre immer mehr verfeinert und damit die Menschen in der ganzen Welt berührt. Natürlich auch in Pittsburgh, seiner künstlerischen Heimat, wo er seit bald 20 Jahren als Music Director des Weltklasseorchesters wirkt. In der ausverkauften Erlöserkirche in Lustenau gestaltete er nun mit dem Symphonieorchester Vorarlberg jenen warmen, fließenden, ins äußerste Pianissimo geführten Klang, den er so liebt und dem die erschütternde Dramatik und Dynamik in der Interpretation des „Tag des Zorns“ („Dies irae“) gegenüberstehen. Der Philharmonische Chor München folgte ihm mit wunderbarer Pianokultur, großem Atem und pulsierend federnder Beweglichkeit in den Fugensätzen. Ein junges Quartett von Solostimmen mit Marlene Metzger (Sopran), Anja Mittermüller (Alt), Theodore Brown (Tenor) und Lukas E. Lemcke (Bass) fügte sich mit schlanker Stimmführung in das Ensemble ein.

Offenbarung des Johannes

Der Abend rundet sich mit Mozarts Fragment gebliebenen Requiem KV 626 als Hauptwerk zu einem großen Totengedenken. Stimmig fügen sich die gregorianischen Choräle, die aus dem Hintergrund der Sakristei tönen, die lichterfüllten schwebenden a-cappella-Stücke des lettischen Komponisten Eriks Ešenvalds und des Polen Henryk Górecki, und die vom warmen Streicherklang getragenen Werke von Franz Schubert und Gabriel Fauré in das Geschehen ein. Eindringlich und schlicht zugleich spricht Franz Josef Köb die Texte der beiden selig gesprochenen Gläubigen Franz Jägerstätter und Zdenka Schelingová, das Gebet des Heiligen Franz von Assisi und die bildgewaltigen Texte aus der Offenbarung des Johannes intensivieren noch die Aussage der Musik. Die ebenso besinnliche wie kraftvoll auflodernde Orgelimprovisation von Michael Schwärzler greift Elemente von Wort und Musik auf. Dies alles leitet zu den Klängen von Mozarts Requiem hin: Wie Manfred Honeck hier seinen musikalischen Anspruch in der Gestaltung von Dynamik und Tempo mit seiner religiösen Überzeugung verbindet und zum Blühen bringt, ist immer wieder ein Geschenk. Wenn sich zuletzt die acht Takte des „Lacrimosa“ – es sind die letzten Noten, die Mozart aufs Papier gesetzt hat – aufbauen und abbrechen und daraus das innige „Ave verum corpus“ herauswächst, werden alle – Musizierende wie Hörende – hineingezogen in den Atem und die Stille.

Katharian von Glasenapp