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Leere Stuben, neue Leben: Die zweite Chance für unsere Gasthäuser

03.04.2026 • 16:42 Uhr
Leere Stuben, neue Leben: Die zweite Chance für unsere Gasthäuser

Die Vorhänge sind zugezogen. Der Parkplatz bleibt leer. Das Wirtshausschild verblasst.

In den vergangenen Jahren mussten zahlreiche Gasthäuser schließen. Zurück bleiben oft ungenutzte Gebäude im Herzen unserer Dörfer – oft in bester Lage: Nahversorger, Apotheke, Bushaltestelle sind meist zu Fuß erreichbar. Häuser, die für Begegnung gebaut wurden und heute auf eine neue Aufgabe warten.

Gleichzeitig verändert sich unsere Gesellschaft. Wir werden älter, bleiben länger fit und wünschen uns Selbstbestimmung bis ins hohe Alter. Das klassische Seniorenheim ist für viele erst die letzte Option.

Parallel dazu sind die noch bewohnten Einfamilienhäuser, einst für das Familienleben konzipiert, zunehmend halb leer. Die Kinder sind ausgezogen, das Haus wird zur Belastung, räumlich, finanziell und organisatorisch. Wie wäre es, wenn das leerstehende Gasthaus Ihr zukünftiges Zuhause wird?

Diese Gebäude tragen enormes Potenzial in sich. Die großzügige Gaststube wird wieder zum Wohnzimmer, als Ort zum Essen und Diskutieren, zum Lesen oder für einen „Jass“. Die ehemalige Gasthausküche wird zur Gemeinschaftsküche, von den Bewohner:innen genutzt oder unterstützend von außen bespielt. Die Gästezimmer, oft bereits mit Bad ausgestattet, lassen sich zu privaten Rückzugsorten umbauen, natürlich mit Berücksichtigung der Barrierefreiheit. Jede Bewohnerin hat ihr eigenes Reich und zugleich die Wahl, Teil einer kleinen Gemeinschaft zu sein.

So könnten Seniorinnen-Wohngemeinschaften entstehen, als Alternative zum klassischen Heim und als Ort gegen Einsamkeit, als Raum, in dem sich persönliche Fähigkeiten ergänzen und der Alltag geteilt wird.

Und warum nur für Ältere? Dasselbe räumliche Prinzip kann auch jungen Menschen einen leistbaren Start ermöglichen – als Wohngemeinschaft, als erster Schritt in die Selbstständigkeit.

Die Puzzleteile liegen bereit: leerstehende Häuser, gesellschaftlicher Wandel, der Wunsch nach Gemeinschaft. Was es braucht, ist der Mut, sie zusammenzufügen – und Menschen, die es in die Hand nehmen.

Und warum nur für Ältere? Dasselbe räumliche Prinzip kann auch jungen Menschen einen leistbaren Start ermöglichen – als Wohngemeinschaft, als erster Schritt in die Selbstständigkeit.

Christa Hörburger
Leere Stuben, neue Leben: Die zweite Chance für unsere Gasthäuser
Christa Hörburger, Gründerin des Architekturbüros studio acker und Unterstützerin der Raumordnungsinitiative vau | hoch | drei.