Strategischer Rohstoff Wolfram: Warum das Metall immer wichtiger wird

Wolfram gilt in der EU als strategischer Rohstoff und erzielt an den Rohstoffmärkten neue Rekordpreise.
Seit Beginn des Iran-Krieges hat sich der Preis für das Schwermetall nahezu verdoppelt. Aufgrund seiner außergewöhnlichen physikalischen Eigenschaften ist Wolfram von strategischer Bedeutung für die Rüstungsindustrie. Das extrem harte Metall besitzt mit 3422 Grad Celsius den höchsten Schmelzpunkt aller Metalle und kommt daher unter anderem in Raketenkomponenten sowie in panzerbrechender Munition zum Einsatz. Gleichzeitig steigt aber auch die Nachfrage außerhalb des militärischen Bereichs. Und China, das rund 79 Prozent der weltweiten Wolframproduktion stellt, trägt bewusst zur Preisentwicklung bei.
Besonders Unternehmen aus China prägen den Markt. Xiamen Tungsten ist einer der weltweit größten Wolframkonzerne. Das börsennotierte Unternehmen deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab – vom Bergbau über die Raffination bis zu Hartmetallen und Zerspanungswerkzeugen. Xiamen Tungsten ist international aktiv und spielt eine Schlüsselrolle für die chinesische, aber auch für die globale Versorgung. Almonty Inc. ist derzeit der strategisch wichtigste westliche Wolframproduzent außerhalb Chinas. Das kanadische Unternehmen betreibt Minen in Südkorea, Portugal und Spanien und erschließt zusätzlich ein Projekt in Montana. Nach Inbetriebnahme der südkoreanischen Sangdong‑Mine wird Almonty künftig einen erheblichen Teil des westlichen Wolframbedarfs decken können.
In Europa nimmt Österreich eine besondere Rolle ein: Das Bergwerk Mittersill in Salzburg ist die größte aktive Wolfram-Mine Europas und eine der wenigen bedeutenden Förderstätten außerhalb Asiens. Dort baut Global Tungsten & Powders (GTP) Scheelit untertage ab. GTP ist der wichtigste Wolframverarbeiter in den USA und einer der führenden Produzenten von Wolfram‑ und Wolframkarbidpulvern außerhalb Asiens. Als Tochter der österreichischen Plansee‑Gruppe kombiniert das Unternehmen Verarbeitung, Recycling und Komponentenfertigung für Luft‑ und Raumfahrt sowie Verteidigung.
Der Abbau von Wolfram ist mit teils erheblichen Umweltschäden verbunden, deren Ausmaß stark von Abbaumethode und Umweltstandards abhängt. Vor allem im Tagebau werden große Mengen von Abraum bewegt und Ökosysteme dauerhaft verändert. Zudem kommen bei der Aufbereitung von Wolframerzen Chemikalien wie Flotationsmittel oder Laugen zum Einsatz, die das Grundwasser verunreinigen können.
Christoph Flatz