Eine Frau und die Freiheit

Mit „Rose“ kommt ein eindringliches Historiendrama auf die Leinwand, das Geschlechterrollen und Freiheit radikal hinterfragt.
Im Zentrum von „Rose“ steht die gleichnamige, wortkarge Titelfigur. Als Kriegsveteran inmitten der Gräuel des Dreißigjährigen Kriegs kommt sie als Mann in ein abgelegenes Dorf irgendwo im malträtierten Reich und reklamiert mit Dokumenten belegt einen alten Hof samt Ländereien als Erbe für sich. Der misstrauischen Dorfgemeinschaft rund um den Großbauern ist das alles andere als recht. Doch der maulfaule, arbeits- und strebsame Fremde, der seinen kleinen Hof alsbald zum Florieren bringt, gewinnt den Respekt der Mitmenschen. Und fühlt sich so integriert und sicher, dass er gar dem Angebot des Großbauern zustimmt, dessen Tochter Suzanna zu heiraten.
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Freiheit
“Rose” ist und bleibt stets im Moment, nah an den Figuren. Es bedarf letztlich nicht biografischer Vorgeschichten und individueller Details eines Lebens bis zu diesem Augenblick, was den Eindruck des Parabelhaften schmälern würde. Rose ist eine unprätentiös männliche Figur, lakonisch, die Geschlechterfrage im Habitus letztlich nicht übertrieben adressierend. Und nicht partout darauf aus, Sympathieträger zu sein. Ihr zur Seite steht ihre Ehefrau, die einen größeren Entwicklungsweg zurücklegt vom verschreckten Mädchen zur ebenbürtigen Bäuerin an der Seite ihres vermeintlichen Mannes.
Gemeinsam zeichnet man in der meist windumtosten Landschaft ein Panoptikum des Lebens in der frühen Neuzeit. In nüchternem Schwarz-Weiß wirken die Bilder oft wie ein Brueghel-Gemälde, aus dem die Mehrzahl der Personen eliminiert wurde. Der Dreißigjährige Krieg dient lediglich als Grundierung im Hintergrund, es dominiert im starken Hell-Dunkel-Kontrast das Alltagsleben in seiner aus heutiger Sicht Härte, ohne dies krampfhaft auszustellen. Die Wertvorstellungen, die Usancen bleiben unbewertet stehen.


