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Zwischen Rekordzahlen und Innovationsdruck

09.05.2026 • 12:00 Uhr
Zwischen Rekordzahlen und Innovationsdruck
AFP

Apple steht wirtschaftlich solide da wie kaum ein anderes Unternehmen der Welt. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte der US‑Konzern einen Rekordumsatz von rund 416 Milliarden US‑Dollar und einen Nettogewinn von mehr als 110 Milliarden Dollar. Zum wichtigsten Wachstumstreiber hat sich dabei das Service‑Geschäft entwickelt: Angebote wie iCloud, Apple Music oder Apple TV+ wachsen seit Jahren kontinuierlich und federn die zuletzt schwächere Entwicklung im Hardwarebereich spürbar ab. Nach fast 15 Jahren an der Konzernspitze wird nun Tim Cook im Herbst 2026 als CEO abtreten und in die Rolle des Executive Chairman wechseln. Übernehmen wird der bisherige Chef der Hardwaresparte John Ternus.

Trotz der beeindruckenden wirtschaftlichen Bilanz sehen Kritiker Apple seit Jahren in einem Innovationsdilemma. Tatsächlich hat der Konzern zuletzt kaum neue Produktkategorien auf den Markt gebracht. Gleichzeitig setzen Wettbewerber deutliche Akzente: Samsung experimentiert offensiv mit faltbaren Smartphones, Google und Microsoft investieren massiv in KI‑gestützte Dienste, Cloud‑Infrastruktur und Softwareplattformen. Apple hingegen bleibt seiner Strategie treu, Innovation vor allem als konsequente Integration und schrittweise Verfeinerung innerhalb des eigenen Ökosystems zu verstehen. Das ist zwar weniger spektakulär, hat sich bislang jedoch als äußerst profitabel erwiesen.

Mit dem Amtsantritt von Ternus gehen klare Erwartungen einher, war er doch maßgeblich an der Entwicklung zentraler Produkte wie dem iPad und der AirPods beteiligt und verantwortete die strategisch wichtige Umstellung der Macs auf Apple‑Silicon‑Chips. Investoren hoffen nun auf sichtbare technologische Impulse– etwa bei Wearables, Mixed‑Reality‑Geräten oder im Smart‑Home‑Bereich. Besonders groß ist der Druck beim Thema Künstliche Intelligenz. Während Microsoft mit Copilot und Google mit Gemini früh umfassende KI‑Plattformen etablierten, stieg Apple erst 2024 mit „Apple Intelligence“ in größerem Stil ein.

Unabhängig davon gilt Apple international als eines der Unternehmen mit der konsequentesten und transparentesten Nachhaltigkeitsstrategie, auch wenn einzelne Wettbewerber in Teilbereichen weiter sind. Umwelt‑ und Klimaziele dürften zu einem weiteren Maßstab werden, an dem sich der neue CEO messen lassen muss. Mittel‑ bis langfristig wird die Kursentwicklung allerdings von Apples Fähigkeit abhängen, neue Wachstumsfelder – insbesondere KI‑gestützte Dienste und Hardware – glaubwürdig zu besetzen.

Christoph Flatz
Christoph Flatz, Veranlagungsspezialist in der Sparkasse