Nächster KI-Gigant geht an die Börse

Mit dem Entwickler der KI „Claude“ drängt eines der wertvollsten Technologieunternehmen der Welt an die Börse.
Es steht wieder ein spektakuläres Börsendebüt vor der Tür: Das US-Startup Anthropic hat diese Woche Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht und damit den ersten Schritt in Richtung Börsengang vollzogen. Nach der jüngsten Finanzierungsrunde wurde das Unternehmen mit rund 965 Milliarden US-Dollar bewertet. Damit ist nicht nur Rivale OpenAI überrundet, Anthropic wäre damit eines der wertvollsten Technologieunternehmen, das jemals an die Börse gegangen ist. Branchenbeobachter rechnen frühestens im Herbst mit der Emission.
Gegründet wurde Anthropic 2021 in San Francisco von ehemaligen OpenAI-Forschern. Ihre Abspaltung war kein Zufall: Die Gründer wollten stärker auf Sicherheitsfragen und ethische Leitplanken bei der Entwicklung von KI setzen. Entsprechend versteht sich das Unternehmen als „Public Benefit Corporation“, das nicht nur wirtschaftliche Ziele verfolgt, sondern auch gesellschaftliche Verantwortung wahrnimmt. Hinter Anthropic steht ein beeindruckendes Netzwerk an Investoren. Neben klassischen Venture-Capital-Firmen zählen auch die großen Tech-Konzerne wie Amazon und Google dazu, die selbst im KI-Wettlauf stehen.
Im Zentrum des Geschäftsmodells steht die „Claude“-Familie – große Sprachmodelle, die – ähnlich wie ChatGPT – Texte verstehen und generieren können. Claude fungiert als digitaler Assistent für Recherche, Textproduktion, Programmierung oder Datenanalyse und wird zunehmend in Unternehmensprozesse integriert, etwa im Kundenservice oder in der Softwareentwicklung. Besonders stark wächst das Geschäft mit Firmenkunden, die die Modelle über Programmierschnittstellen in eigene Anwendungen einbinden. Anthropic positioniert „Claude“ bewusst als sicherere Alternative zu Konkurrenzprodukten. Außerdem entwickelt Anthropic das KI-Modell „Mythos“, das komplexe Programmieraufgaben lösen oder Sicherheitslücken in der Software entdecken kann.
Der Wettbewerb ist intensiv. Neben OpenAI und dessen ChatGPT gehören auch Google DeepMind mit seinen Gemini-Modellen sowie eine wachsende Zahl internationaler Anbieter zu den wichtigsten Konkurrenten. Bei allen ist der Kapitalhunger enorm: Die Entwicklung und der Betrieb leistungsfähiger KI-Modelle verschlingt Milliarden, etwa für Rechenzentren, Spezialchips und Fachpersonal. Ein Börsengang spült nicht nur frisches Geld in die Kassen, sondern könnte mehr Transparenz in einem bislang weitgehend verschlossenen Geschäft schaffen.
