Dorfläden: Das Herzstück der Gemeinde

Dorfläden sind mehr als Einkaufsmöglichkeiten, sie stärken Gemeinschaft und Lebensqualität.
Im Dorf „lädala“ ohne weite Wege mit dem Auto zurücklegen zu müssen, ermöglichen lokale Nahversorger. Ein Dorfladen ist jedoch weit mehr als eine Einkaufsmöglichkeit. In kleinen Gemeinden übernimmt er als Treffpunkt eine wichtige soziale Funktion – Dorfläden erleichtern das selbständige Leben im Alter, tragen durch kurze Wege zum Klimaschutz bei, und sind ein wichtiger Faktor, bei der Entscheidung in ein Dorf zu ziehen. Weiters schaffen sie Arbeitsplätze in den Gemeinden, derzeit sind in den Vorarlberger Dorfläden über 400 Personen beschäftigt. Darüber hinaus besitzen sie eine wichtige kommunikative Funktion und unterstützen damit die persönliche Lebensqualität.

Gerade für ältere Personen sind kurze Wege, Zustellmöglichkeiten und die Möglichkeit zum Austausch wichtig. Sie wirken sozialer Isolation entgegen und fördern das Miteinander. Beim täglichen Einkauf finden Begegnungen statt. Viele Dorfläden laden mit einer Kaffeeecke zum Verweilen ein. Darüber hinaus bieten sie die unterschiedlichsten Dienstleistungen an, die oftmals aus den Dörfern verschwunden sind und übernehmen die Funktion von Poststellen oder Gasthäusern. Und wenn einmal das Geld der Kundinnen und Kunden knapp wird, gibt es die Möglichkeit anschreiben zu lassen und später zu bezahlen.

Doch wie ist es um die Situation der Dorfläden in Vorarlberg bestellt? „Obwohl Vorarlberg eine der höchsten Dichten an Lebensmittelläden in Europa aufweist, ist die Situation nicht einfach“, konstatiert Charlie Marent, Geschäftsführer des Vereins Dörfliche Lebensqualität und Nahversorgung, kurz Dorfleben. Seit den 1970er Jahren verzeichnet das Land einen Rückgang bei den Nahversorgern. Während die Verkaufsfläche stetig zunahm, verringerte sich die Anzahl der Geschäfte. Besonders kleine Gemeinden haben mit der Schließung von Nahversorgern zu kämpfen. Um diesem Trend gemeinsam entgegenzuwirken, gründeten mehrere Bürgermeister aus dem Walsertal, Walgau und Rheintal 2008 den Verein Dorfladen. Mittlerweile zählen 50 Vorarlberger Gemeinden zu den Mitgliedern. Der Verein mit Obmann Guido Flatz unterstützt Gemeinden und Nahversorger mit Beratung, Workshops, Vernetzungstreffen und Öffentlichkeitsarbeit. Zudem können Nahversorger vom Land Vorarlberg gefördert werden. Die Arbeit trägt Früchte: der Negativtrend konnte aufgehalten werden, bestehende Nahversorger blieben erhalten und neue Dorfläden wurden eröffnet.

Dabei gilt es, über bestehende Grenzen hinauszudenken und neue Konzepte zu wagen. Ob in Kombination mit einem Hofladen, einem Café, nur mit Automaten bestückt, oder als Hybridladen – die Lösungen sind so vielfältig wie die unterschiedlichen Situationen in den Gemeinden und bei den Betreibern selbst. Einen kleinen Dorfladen zu übernehmen, erfordert Mut und Engagement: „Ohne die vielen engagierten Menschen vor Ort wäre das nicht möglich“, so Marent. Auch neue technologische Entwicklungen kommen zum Einsatz. Derzeit werden Möglichkeiten durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und Digitalisierung für Nahversorger untersucht. Auch der Energieverbrauch der Läden wird unter die Lupe genommen, um gegebenenfalls gezielte Investitionen zu tätigen.

Eine funktionierende Infrastruktur mit Einkaufsmöglichkeit ist für die Entwicklung des ländlichen Raums zentral. Individuelle Lösungen, neue Technologien, Unterstützung durch das Team des Vereins Dorfladen und viel Engagement seitens aller Beteiligter sorgen dafür, dass diese lebendigen Orte auch in Zukunft erhalten bleiben.
Christine Moosmann-Hämmerle