Urlaub bleibt wichtig: Wo Vorarlberger trotz Teuerung sparen

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83 Prozent der Österreicher geben laut ÖAMTC an, beim Sommerurlaub sparen zu müssen. Auch in Vorarlberg wird genauer gerechnet. Statt jedoch ganz auf das Reisen zu verzichten, werden Angebote stärker verglichen.
Der Sommerurlaub gehört für viele Vorarlberger weiterhin zu den Fixpunkten des Jahres. Trotz steigender Lebenshaltungskosten und höherer Reisepreise wird weiterhin gebucht und verreist. Wer sparen muss, setzt den Rotstift meist nicht beim Urlaub selbst an, sondern bei dessen Gestaltung. Dass die Kostenfrage bei der Urlaubsplanung wichtiger geworden ist, zeigt auch eine aktuelle Erhebung des ÖAMTC. Demnach geben 83 Prozent der Österreicher an, beim Sommerurlaub sparen zu müssen. Eigene Landeszahlen für Vorarlberg gibt es zwar nicht, die Erfahrungen aus der Beratung seien jedoch ähnlich.
„Der Sommerurlaub hat für viele Familien weiterhin einen hohen Stellenwert. Gleichzeitig wird genauer gerechnet als noch vor einigen Jahren“, sagt Jürgen Semmernegg, Leiter des Mitgliederservice beim ÖAMTC. Besonders häufig würden Fragen zu Mautkosten, Treibstoffpreisen, Campingmöglichkeiten, günstigeren Reisezeiten oder alternativen Reisezielen gestellt. „Der Urlaub bleibt wichtig, die finanzielle Planung rückt jedoch stärker in den Vordergrund.“ Von einem Verzicht auf Reisen könne dennoch keine Rede sein. Vielmehr würden viele Urlauber ihre Pläne anpassen und Ausgaben bewusster hinterfragen als früher. Auffällig sei auch die höhere Informationsbereitschaft. „Viele Reisende informieren sich bereits Wochen vor der Abreise über Routen, Verkehrsregeln, Umweltzonen oder anfallende Nebenkosten“, sagt Semmernegg. Angebote würden intensiver verglichen und Reisezeitpunkte flexibler gewählt.

„Der Sommerurlaub hat für viele Familien weiterhin einen hohen Stellenwert. Gleichzeitig wird genauer gerechnet als noch vor einigen Jahren.“
Jürgen Semmernegg, Leiter ÖAMTC-Mitgliederservice
Der Blick aufs Budget
Am größten ist der Sparwille bei der Unterkunft. Ferienwohnungen, Campingplätze und einfachere Hotelkategorien gewinnen an Bedeutung. Wer nicht an Ferienzeiten gebunden ist, weicht häufiger auf günstigere Reisezeiträume außerhalb der Hauptsaison aus. Auch vor Ort werde bewusster konsumiert. Restaurantbesuche, kostenpflichtige Attraktionen oder spontane Ausgaben würden häufiger hinterfragt als noch vor einigen Jahren.
Gleichzeitig achten viele Reisende stärker auf jene Kosten, die bei der Planung oft übersehen werden. Die häufigsten Kostenfallen entstehen nicht beim großen Buchungspreis, sondern bei den Nebenkosten. Dazu zählen Mautgebühren, Parkkosten, lokale Abgaben, teure Roamingkosten außerhalb der EU oder überhöhte Gebühren auf inoffiziellen Verkaufsportalen für digitale Vignetten. Auch Umweltzonen, Zufahrtsbeschränkungen oder falsch gekaufte Vignetten sorgen immer wieder für Probleme. „Nicht nur den Reisepreis betrachten, sondern die Gesamtkosten“, empfiehlt Semmernegg. Oft würden sich Mautgebühren, Parkkosten, Verpflegung und Freizeitaktivitäten stärker summieren als erwartet.
Traumreise statt Verzicht
Während viele Familien genauer kalkulieren, beobachtet die Reisebranche gleichzeitig eine anhaltend hohe Nachfrage. Michael Nachbaur, Fachgruppenobmann der Vorarlberger Reisebüros und Geschäftsführer von High Life Reisen in Götzis, erlebt täglich, wie unterschiedlich Reisende mit dem Thema umgehen. „Kunden sind bei diesem Thema sehr verschieden“, sagt er. Während manche mit klaren Budgetvorstellungen ins Reisebüro kommen, seien andere bereit, für ihren Wunschurlaub deutlich mehr Geld auszugeben. Gerade bei besonderen Reisen spiele der Preis oft eine untergeordnete Rolle. „Bei ,Once-in-a-Lifetime‘-Reisen ist nicht der Preis entscheidend, sondern das Reiseziel“, sagt Nachbaur. Wer sich einen lang gehegten Traum erfüllen wolle, spare häufig nicht am Urlaub.

„Bei ,Once-in-a-Lifetime‘-Reisen ist nicht der Preis entscheidend, sondern das Reiseziel. Unsere Buchungsdurchschnitte pro Person gehen laufend nach oben.“
Michael Nachbaur, Fachgruppenobmann Reisebüros Vorarlberg
Ungebrochene Buchungslage
Auch die Buchungsentwicklung zeigt aus seiner Sicht, dass die Reiselust ungebrochen ist. Viele Kunden sichern sich ihren Urlaub wieder deutlich früher als noch in den Jahren nach der Corona-Pandemie. „Unsere Buchungsdurchschnitte pro Reisenden gehen laufend nach oben“, sagt Nachbaur. Heuer habe das Reisebüro einen Rekord bei den Frühbuchungen verzeichnet. Pauschalreisen bleiben ebenfalls gefragt. Viele Urlauber schätzen die Sicherheit und die klare Planbarkeit dieser Reiseform. Nachbaur verweist darauf, dass im Problemfall die Verantwortung beim Reiseveranstalter liege und nicht beim Reisenden selbst.
Klassiker bleiben beliebt
Bei den Reisezielen setzen die Vorarlberger weiterhin auf Bewährtes. Besonders häufig nachgefragt werden Italien, Kroatien, Deutschland und Österreich. Italien bleibt dabei ein Dauerbrenner. Südtirol, Gardasee, Adria und Toskana zählen seit Jahren zu den beliebtesten Urlaubszielen.
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Auch in den Reisebüros dominieren klassische Mittelmeerziele. „Momentan wird das Mittelmeer und dort gerade auch Italien, Spanien und Portugal stark gebucht“, sagt Nachbaur. Griechenland liege ebenfalls weiterhin im Trend und profitiere von seinem vielfältigen Angebot. Neben klassischen Flugreisen bleiben auch flexible Urlaubsformen gefragt. Autoreisen, Camping, Wohnmobilurlaube und Kreuzfahrten erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit. Gerade Kreuzfahrten gewinnen nach Beobachtung der Reisebranche seit Jahren an Bedeutung. „Von der hippen Familiencruise über trendige Lifestyle-Cruises bis hin zu High-Class-Schiffen wird alles gerne und gut gebucht.“
Die geografische Lage Vorarlbergs spielt dabei eine wichtige Rolle. Die Nähe zu Deutschland, der Schweiz und Liechtenstein sowie die gute Erreichbarkeit von Tirol, Südtirol und Norditalien machen grenzüberschreitende Kurzreisen, Autoreisen und flexible Nahziele besonders attraktiv. „Die Menschen verzichten nicht auf Urlaub, aber sie wählen genauer aus: kürzer, näher, günstiger, besser planbar oder mit mehr Eigenorganisation“, sagt Semmernegg. Während manche Familien bei Unterkunft, Reisezeitpunkt oder Nebenkosten sparen, investieren andere weiterhin bewusst in besondere Reisen. Auf die Urlaubspläne selbst wollen die wenigsten verzichten.