Wer ein “exotisches” Haustier möchte, kommt an ihm nicht vorbei

Der Weg zu manchen fellfreien Haustieren ist nicht ganz selbsterklärend und führt derzeit ausgerechnet nach Salzburg.
Wer sich erstmals eine Schildkröte, einen Gecko oder unter anderem auch einen Papagei zulegen möchte, ist seit 1. Juli 2026 dazu verpflichtet, einen Sachkundenachweis vorzulegen. Um diesen zu erhalten, muss man sich zunächst durch nicht gerade wenig bürokratisches Material kämpfen.

Dafür begibt man sich auf die eigens eingerichtete Webseite des Bundesministeriums „tierwissen.at“. Dort findet sich, anders als der Name vermuten lässt, keine Wissenssammlung über unterschiedliche Tierarten. Stattdessen dreht sich die Seite ausschließlich um den Sachkundenachweis für die Haltung bestimmter Haustiere.
Wer ist zuständig?
Wer dort auf den grünen Button links oben auf der Webseite klickt, bis fast ans Ende der Seite scrollt und anschließend auf Vorarlberg klickt, um herauszufinden, wo der Sachkundenachweis absolviert werden kann, erhält jedoch nicht die Kontaktdaten der Kursleiter. Stattdessen öffnet sich ein Fenster mit der E-Mail-Adresse der Abteilung Inneres des Landes Vorarlberg. Das bedeutet: Wer wissen möchte, wer den Sachkundenachweis in Vorarlberg anbietet, muss eine Anfrage an das Land schicken.

Dabei ist die Liste eigentlich öffentlich und auf der Landingpage des Landes unter dem Titel „Verpflichtender Sachkundenachweis ab 01.07.2026“ zu finden. Wer sich dort erneut durch etwas Text arbeitet, stößt gegen Ende der Seite auf den Link zu einer PDF. Dort heißt es: „Personen, die die Voraussetzungen zur Abhaltung der Praxis- und der Theorieeinheit für den Sachkundenachweis erfüllen, finden Sie hier: Sachkundenachweis Reptilien, Amphibien und Papageienvögel.“ Man sollte sich vom vorangehenden Satz allerdings nicht täuschen lassen, denn für Reptilien, Amphibien und Papageienvögel gibt es keine Theorieeinheit.
Amtstierarzt in Salzburg
Doch zurück zu den Kursleitern beziehungsweise zu dem Kursleiter. Für Vorarlberg gibt es derzeit nur eine einzige Person, die den Sachkundenachweis für “exotische” Haustiere ausstellen kann. Es ist der Salzburger Amtstierarzt Nils Kley, der den Kurs glücklicherweise online anbietet.

Die NEUE hat mit dem Veterinär mit Schwerpunkt Reptilien und andere „Exoten“ darüber gesprochen, was der neue Nachweis beinhaltet, wie sinnvoll er ist und wie es dazu kam, dass er derzeit die einzige Person ist, die den Sachkundenachweis für Vorarlberg ausstellen darf.
Warum gerade Amphibien, Reptilien und bestimmte Papageienvögel unter die neue Pflicht fallen, lässt sich laut Kley nicht allein mit der Zahl der Tierschutzfälle erklären. In seiner Arbeit als Amtstierarzt habe er bei Katzen sowie bei klassischen Heimtieren wie Kaninchen und Meerschweinchen häufiger mit Verstößen zu tun. Schildkröten, Schlangen oder Papageien würden aber behördlich, politisch und medial schneller auffallen. „Wenn eine Schildkröte gefunden wird, berichtet eher ein Lokalblatt darüber“, bemerkt Kley. Dazu komme, dass die Unterbringung solcher Tiere im Problemfall oft schwieriger sei.

Vor allem aber brauche es bei ihnen mehr Fachwissen. Reptilien, Amphibien und viele Papageienvögel seien Wildtiere, deren Haltung nicht mit einem Käfig, einem Terrarium und etwas Futter erledigt sei. Manche Schildkröten und Papageien könnten viele Jahrzehnte alt werden, teils sogar ein Alter im dreistelligen Bereich erreichen.
Genau geprüft
Dass er in Vorarlberg derzeit als einziger Kursanbieter aufscheint, sei kein Zufall, aber auch kein großes Geheimnis. Die Amtstierärzte hätten ihn angesprochen, außerdem habe er selbst alle Bundesländer kontaktiert und angeboten, Kurse zu übernehmen. Kley ist in Deutschland seit Jahren Sachverständiger für Reptilien und Amphibien und hält dort vergleichbare Sachkundeschulungen ab. In Österreich ist er für diese Tiere amtlich beeideter Sachverständiger. Dass die Eintragung in Vorarlberg erst spät erfolgte, habe auch mit der genauen Prüfung der Unterlagen zu tun gehabt, von Datenschutz bis Strafregisterauszug. Vorarlberg sei dabei „sehr korrekt“ vorgegangen.

Die Nachfrage für den Nachweis ist ebenfalls bereits da. Kley spricht von mehr als 20 bis 30 Anfragen, wobei nicht alle gleich einen Kurs buchen wollen. Manche möchten zuerst wissen, ob sie den Nachweis überhaupt brauchen. Wer sein Tier schon vor dem 1. Juli hatte, muss den Kurs zum Beispiel nicht nachholen.
Im Kurs selbst gehe es zunächst um rechtliche Grundlagen. Viele Halter wüssten nicht, dass etwa Schildkröten, Schlangen oder Geckos als Wildtiere gemäß Tierschutzgesetz bei der Behörde gemeldet werden müssen. Bei geschützten Arten kommen Artenschutzbestimmungen hinzu. Gerade Landschildkröten und manche Papageienarten hätten einen hohen Schutzstatus. Herkunftspapiere, Meldepflichten, aber auch Fragen zu Futtertieren und Tiertransporten seien daher Teil des Programms.

Danach wird es praktischer: Welche Temperatur und Luftfeuchtigkeit braucht das Tier? Welche Beleuchtung ist nötig? Gibt es eine reptilienkundige Tierärztin in der Nähe? Wer versorgt das Tier im Urlaub? Und kann man sich die Haltung überhaupt leisten? Eine UV-Lampe koste schnell 100 Euro aufwärts und müsse regelmäßig ersetzt werden. Wer schon 95 Euro für den Kurs zu teuer finde, werde an der Reptilienhaltung wenig Freude haben, meint Kley.

Ein weiterer Punkt ist der Umgang mit den Tieren. Viele seien keine Schmusetiere. Ein nachtaktiver Gecko brauche keinen Spaziergang, ein Leguan an der Leine sei nicht artgerecht, Schildkröten müsse man nicht ständig hochheben oder „abbusseln“, allein schon wegen der Salmonellengefahr.
Kontrolliert werde der Nachweis vor allem bei der verpflichtenden Meldung oder nach Beschwerden. Lücken sieht Kley dort, wo Tiere im Ausland gekauft werden. Ein deutsches, tschechisches oder schweizerisches Zoogeschäft werde österreichische Nachweise kaum prüfen. Gerade in Vorarlberg sei daher auch das Thema Import relevant.
Von nichts gewusst?!
Für Kley ist der Nachweis trotz aller Bürokratie ein sinnvoller erster Schritt. Er ersetzt keine Leidenschaft und kein vertieftes Wissen. Aber er nimmt Haltern zumindest die Ausrede, sie hätten von nichts gewusst. Und vielleicht, so Kley, wäre so ein Grundkurs eines Tages auch für Kaninchen, Meerschweinchen oder andere Standardhaustiere keine schlechte Idee.