Mure im Ötztal: „Mir fiel das Handy fast aus der Hand“

Eigentlich wollte Andrea Fritz-Pinggera der Hitze entfliehen. Stattdessen erlebte die Vorarlbergerin im Bergdorf Vent einen Stromausfall, Sirenenalarm und eine Warnung per AT-Alert.
Gemeinsam mit ihrer Hündin verbringt die Vorarlberger Journalistin Andrea Fritz-Pinggera einige ruhige Tage im abgelegenen Bergsteigerdorf Vent im Tiroler Ötztal. Ein paar kühle Tage in der Natur, fern der Sommerhitze im Tal. Mit der Idylle war am späten Mittwochabend jedoch innerhalb kürzester Zeit Schluss. Während eines heftigen Sommergewitters heulten plötzlich die Sirenen. Kurz darauf fiel der Strom aus.

Für Fritz-Pinggera war sofort klar, dass Gefahr drohte. Wovon diese ausging, wusste sie zunächst jedoch nicht. “Ich suchte online nach Informationen, zudem was los war, konnte aber nichts finden”, erzählt sie der NEUE.
Um 22.19 Uhr meldete sich ihr Mobiltelefon. “Mir fiel das Handy fast aus der Hand”, erinnert sich Fritz-Pinggera. Über den behördlichen AT-Alert wurden die Menschen aufgefordert, den Anweisungen der Behörden und Einsatzkräfte zu folgen. Keller, Tiefgaragen und Unterführungen sollten gemieden werden. Die Bevölkerung wurde angehalten, in Gebäuden zu bleiben, höhere Stockwerke aufzusuchen sowie Gewässer, Uferbereiche und Brücken zu meiden.

Auslöser war eine Mure bei den Rofenhöfen, rund zwei Kilometer von ihrem Aufenthaltsort entfernt. Nach den heftigen Niederschlägen trat die Rofenache über das Ufer und löste den Murenabgang aus. Die Mure verlegte beziehungsweise unterspülte einen Parkplatz und die Straße nach Vent. Sie ging nur knapp an Wohnhäusern vorbei und streifte diese teilweise. Mehrere Autos wurden beschädigt, größere Gebäudeschäden wurden jedoch nicht gemeldet. Rund 30 Menschen wurden vorsorglich in Sicherheit gebracht und vorübergehend in einem Hotel untergebracht, dem gleichen, indem sich auch Fritz-Pinggera aufhält. Auch zwei Personalhäuser mussten kurzzeitig evakuiert werden. Verletzt wurde niemand.
Schnelle Entwarnung
Der Stromausfall dauerte nur kurze Zeit. Bereits gegen 23 Uhr konnte die behördliche Warnung wieder aufgehoben werden. Laut Bürgermeister Ernst Schöpf standen die Feuerwehren seit Mittwochabend im Dauereinsatz. Besonders aufwendig gestalteten sich die Arbeiten bei einem Klärwerk nördlich von Sölden, auf das Schlamm, Geröll und Steine abgegangen waren.
Tag danach
Fritz-Pinggera zeigte sich nach dem Murenabgang kritisch gegenüber teils zugespitzten Darstellungen in sozialen Medien und in der Berichterstattung. Sie betonte, dass es bei dem Unwetter zwar zu Sachschäden gekommen sei und die Lage für die Betroffenen unangenehm gewesen sei, es aber keine Verletzte gegeben habe. Zugleich verwies sie darauf, dass das Ötztal nicht komplett verwüstet worden sei und die Aufräumarbeiten bereits liefen.

Gegenüber der NEUE betont die Journalistin zusätzlich, dass Vent ein abgelegenes Bergsteigerdorf und keine klassische Tourismushochburg sei. “Ich sitze gerade draußen, genieße das Wetter und sehe, wie die Feuerwehr die Straße hinauffährt, wahrscheinlich um an der Mure weiterzuarbeiten. Allgemein ist der Zusammenhalt zwischen den Dorfbewohnern und den Einsatzkräften bemerkenswert gut”, erzählt Fritz-Pinggera.
(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)