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80 Jahre Bikini: Wenig Stoff, große Wirkung

31.07.2026 • 21:24 Uhr
80 Jahre Bikini: Wenig Stoff, große Wirkung
Die Vorarlberger Modedesignerin Maike Kloser spricht über 80 Jahre Bikini – zwischen modischer Vielfalt, weiblicher Freiheit und gesellschaftlichen Schönheitsidealen. Apa/Hafner

Vor 80 Jahren sorgte der Bikini für einen Skandal. Die NEUE sprach mit der Vorarlberger Modedesignerin Maiken Kloser darüber, warum der Zweiteiler bis heute polarisiert.

Als Louis Réard am 5. Juli 1946 in Paris den Bikini präsentierte, sorgte das knappe Kleidungsstück für Empörung. Acht Jahrzehnte später steht der Zweiteiler für modische Vielfalt und körperliche Freiheit, leider aber auch für den anhaltenden Druck, einem bestimmten Schönheitsideal zu entsprechen.
Eigentlich schien Louis Réard im Sommer 1946 zu spät dran zu sein. Nur wenige Tage vor der Vorstellung des Bikinis hatte der Modeschöpfer Jacques Heim einen Zweiteiler namens „Atome“ präsentiert. Heim bewarb seine Kreation als „kleinste Bademode der Welt“.

80 Jahre Bikini: Wenig Stoff, große Wirkung
Ein goldener Bikini aus aus der Zeit um 1950 von Louis Réard. APA

Réard ließ sich aber nicht beirren. Der ehemalige Maschineningenieur griff den Slogan auf und kündigte sein Modell als „kleiner als die kleinste Bademode der Welt“ an. Das Kleidungsstück war damals derart gewagt, dass sich kein Model es vorführen wollte. Schließlich übernahm die Nackttänzerin Micheline Bernardini diese Aufgabe. Der Bikini ließ den Bauchnabel frei und zeigte an der Rückseite deutlich mehr Haut als die bis dahin bekannte Badebekleidung. Provokant war auch der Name. Die USA führten im Bikini-Atoll auf den Marshallinseln Atomwaffentests durch. Réard hoffte, seine Erfindung werde einschlagen wie eine Bombe.

Langsame Gewöhnung

Der Bikini setzte sich zunächst nur langsam durch. Hollywoods strenger Moralkodex verhinderte, dass der Zweiteiler auf der Leinwand gezeigt wurde. Erst in den 1950er- und 1960er-Jahren veränderte sich dies. Filmstars wie Brigitte Bardot, Marilyn Monroe, Rita Hayworth und Elizabeth Taylor trugen den Bikini. Unvergessen blieb auch Ursula Andress, die im James-Bond-Film „007 jagt Dr. No“ im weißen Bikini aus dem Meer stieg.
Mit der sexuellen Revolution und der Emanzipation der Frauen wurde der Bikini auch zum Symbol eines freieren Lebensgefühls. Gleichzeitig entstanden zahlreiche neue Formen: vom Monokini ohne Oberteil über Tankinis bis zu besonders knappen Microkinis. Auch die Materialien entwickelten sich weiter. Auf Baumwolle und Jersey folgten leichte, schnell trocknende Kunstfasern.

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Ursula Andress in der berühmten Szene von „007 jagt Dr. No“. AFP

Kontroverser Stoff

Für die Vorarlberger Modedesignerin Maiken Kloser gehört der Bikini zu den kontroversesten Kleidungsstücken des vergangenen Jahrhunderts. Es sei bemerkenswert, wie viele Diskussionen ein derart kleines Stück Stoff ausgelöst habe. Trotz seiner überschaubaren Größe biete der Bikini eine enorme Vielfalt an Schnitten, Materialien und Gestaltungsmöglichkeiten – von gehäkelten Modellen bis hin zu sportlicher Funktionskleidung.

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Modedesignerin Maiken Kloser im Gespräch mit der NEUE. Hafner

Kloser sieht in der Geschichte des Bikinis jedoch einen Widerspruch. Einerseits habe er zur Befreiung der Frau beigetragen, andererseits sei er eng mit Sexualisierung und unrealistischen Körperidealen verbunden. Besonders der Begriff „Bikinifigur“ vermittle bis heute die Vorstellung, nur ein bestimmter Körper sei dafür geeignet, einen Zweiteiler zu tragen.

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Kloser betreibt ihr Atelier in Bregenz. Hafner

Über Jahrzehnte hätten Filmstars, Werbeplakate und retuschierte Magazinbilder dieses Ideal verstärkt. Selbst historische Bikinis seien teilweise stark formgebend gewesen. Kloser erzählt von einem Modell aus den späten 1960er- beziehungsweise frühen 1970er-Jahren, dessen steife Einsätze die Brust entsprechend der damaligen Mode, nämlich zulaufend, geformt hatten.

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Inzwischen beobachtet sie allerdings einen Wandel. Viele jüngere Labels zeigten ihre Modelle an Frauen unterschiedlichen Alters, verschiedener Hautfarben und Körperformen. Nicht retuschierte Bilder könnten dabei helfen, sich vorzustellen, wie ein Kleidungsstück am eigenen Körper aussieht. Diese Entwicklung empfindet Kloser als befreiend. Ganz verschwunden sei der Druck dennoch nicht. Shapewear, soziale Medien und trainierte Idealkörper beeinflussen heute sowohl Frauen als auch Männer. Trotzdem sei die Vielfalt größer geworden. Bademode könne sportlich, verspielt, knapp oder bedeckend sein.

Wissenswert:

Warum ist ein T-Shirt verboten aber Burkini erlaubt?

Wer in Alltagskleidung ins Schwimmbecken steigen möchte, stößt meist auf Widerstand: Selbst frisch gewaschene Kleidung gilt häufig nicht als geeignete Badebekleidung. Dass Burkinis dennoch erlaubt sind, wirkt zunächst widersprüchlich. Entscheidend ist jedoch nicht, wie viel Haut bedeckt wird, sondern ob das Kleidungsstück ausdrücklich zum Schwimmen hergestellt wurde.

Burkinis bestehen aus denselben oder vergleichbaren Materialien wie Badeanzüge, Badehosen, Neoprenanzüge oder UV-Schutzkleidung. Daher sind sie hygienisch und rechtlich ähnlich zu beurteilen. Laut der österreichischen Gleichbehandlungsanwaltschaft gibt es keine wissenschaftlichen Hinweise darauf, dass Ganzkörperbadeanzüge ein besonderes hygienisches Problem darstellen.