Knickohren und volle Gehege zum Weltkatzentag im Tierschutzheim Dornbirn

Zum Weltkatzentag am Samstag klärt Tierpflegeleiter Marco Milohnic über ein Problem auf, das viele Halter unterschätzen. Es beginnt nicht erst im Tierheim.
Hinter den Türen des Tierschutzheims Dornbirn ist derzeit kaum noch ein Platz frei. Bei den Katzen ist die Situation angespannt. „Wir haben einen Aufnahmestopp“, sagt Tierpflegeleiter Marco Milohnic. Man nimmt nur noch echte Notfälle, etwa wenn eine Halterin oder ein Halter ins Spital muss, stirbt, überraschend die Wohnung verliert oder aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr für das Tier sorgen kann.

Wer seine Katze dagegen aus Bequemlichkeit abgeben möchte, müsse warten. Milohnic erklärt: „Entscheidend ist nicht, möglichst viele Tiere irgendwie unterzubringen, sondern jedes Einzelne gut zu versorgen. Je voller das Heim wird, desto weniger Zeit bleibe für den genauen Blick auf Fell, Augen, Verhalten, Verdauung und Gesundheitszustand.“
Qualität statt Quantität
Die Überlastung wirkt sich auf den gesamten Betrieb aus. Wenn die Pflegerinnen und Pfleger von früh bis spät ausschließlich mit der Versorgung beschäftigt sind, fehlen Zeit und Ruhe für Beratungsgespräche, Vermittlungen und Interessenten. Im äußersten Fall müsse das Heim seinen Publikumsbetrieb vorübergehend einschränken, um sich ganz auf die Tiere konzentrieren zu können. Der Aufnahmestopp ist deshalb kein Zeichen mangelnder Hilfsbereitschaft, sondern eine Grenze, die verhindern soll, dass die Qualität der Betreuung leidet.

Gerade im Sommer erlebt das Team Anfragen, die Milohnic fassungslos machen: Menschen wollen ihre Katze abgeben, weil sie in den Urlaub fahren möchten oder keine Betreuung organisiert haben. Für das Tierheim ist das keine tragfähige Lösung. Eine Katze sei kein Gegenstand, den man für einige Wochen oder endgültig „abstellt“. „Die Tiere können schnell 15 Jahre und älter werden und sind damit eine langfristige Verpflichtung,“ betont der Tierpflegeleiter.
Ausgesetzt
Zugleich landen immer wieder Tiere im Heim, die ausgesetzt, in Wohnungen zurückgelassen oder wegen schlechter Haltung behördlich abgenommen wurden.
Milohnic schildert einen Fall, bei dem Katzen nach dem Auszug einer Person allein in einer Wohnung zurückblieben. Nachbarn stellten Futter und Wasser hin und verständigten schließlich die Hausverwaltung. Solche Tiere erscheinen nicht immer sofort auf der Homepage des Tierheims, belasten die Kapazitäten aber genauso.

Süß aber krank
Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei Scottish-Fold-Katzen. Allein im Juli seien in Vorarlberg rund acht Tiere aus unterschiedlichen Fällen im Tierschutzheim gelandet. Sie wurden ausgesetzt, zurückgelassen oder anderweitig abgegeben. Die Rasse ist wegen ihrer nach vorne geknickten Ohren beliebt. Doch genau dieses Merkmal ist kein harmloser Schönheitsfehler, sondern sichtbarer Ausdruck einer erblichen Knorpel- und Knochenerkrankung.

Verantwortlich ist eine Genveränderung, die mit der sogenannten Osteochondrodysplasie verbunden ist. Sie betrifft nicht nur die Ohren, sondern schädigt für gewöhnlich den gesamten Bewegungsapparat. Mögliche Folgen sind schmerzhafte Gelenkveränderungen, steife oder verdickte Gliedmaßen, Lahmheit und eingeschränkte Beweglichkeit. Wie früh und wie stark die Beschwerden auftreten, ist unterschiedlich.
Verbotene Katzenrasse
Auch rechtlich ist die Anschaffung und die Züchtung dieser Rasse klarer, als vielen Käuferinnen und Käufern bewusst ist: Qualzucht ist in Österreich verboten. Bei Tieren mit erkennbaren Qualzuchtmerkmalen sind unter anderem Import, Erwerb, private Weitergabe, Ausstellung und Bewerbung grundsätzlich untersagt; für die Aufnahme und Vermittlung durch Tierheime bestehen Ausnahmen.
Wer eine Scottish Fold kauft, unterstützt daher nicht nur ein Geschäft mit vorhersehbarem Tierleid, sondern kann auch gegen das Tierschutzrecht verstoßen.

Charaktersache
Milohnic beobachtet generell, dass immer mehr Rassekatzen im Tierheim landen. Bengal, Siam, Britisch Kurzhaar, Perser oder Nacktkatzen würden oft vor allem nach dem Aussehen ausgewählt. Erst später merkten Halter, dass eine Bengal-Katze sehr aktiv, eine Siamkatze ausgesprochen kommunikativ und menschenbezogen oder eine andere Rasse besonders anspruchsvoll sein kann.
„Katze ist halt Katze“ sei ein verbreiteter Irrtum. Wer sich vor dem Kauf nicht mit Charakter, Bewegungsdrang, Sozialverhalten und Haltungsansprüchen auseinandersetzt, riskiert Überforderung – auf beiden Seiten.

Ein Chip reicht nicht aus
Ein weiteres Dauerthema ist immer noch die Kastration. Katzen mit regelmäßigem Freigang müssen in Österreich seit 20 Jahren kastriert werden, sofern sie nicht registriert zur Zucht verwendet werden. Dennoch kommen weiterhin unerwünschte Würfe zur Welt. Milohnic appelliert, rechtzeitig mit der Tierärztin oder dem Tierarzt den passenden Zeitpunkt abzuklären. So ließen sich viel Leid, Krankheiten und eine weitere Vermehrung heimatloser Katzen verhindern.

Ebenso wichtig sind Chip und Registrierung. Im Tierheim werden immer wieder gechipte Katzen eingeliefert, deren Nummer in keiner Datenbank einem Besitzer zugeordnet werden kann. Dann werde der Chip, so Milohnic, zum „reiskorngroßen Implantat unter der Haut – für nichts“. Ist die Registrierung vollständig und aktuell, kann ein Fundtier rasch zurückgebracht werden. Fehlt sie, bleibt die Katze womöglich wochenlang im Tierheim, verursacht Kosten und belegt einen dringend benötigten Platz.

Wunschliste
Das wünscht sich das Tierschutzheim zum Weltkatzentag
Katzen mit Freigang rechtzeitig kastrieren lassen.
Tiere chippen und den Chip in einer Datenbank registrieren.
Vor der Anschaffung prüfen ob Zeit, Wohnsituation, Budget und Lebensstil für viele Jahre zu einer Katze passen.
Rasse und Charakter nicht nach der Optik auswählen, sondern Bedürfnisse und mögliche Krankheiten gründlich recherchieren. Keine Scottish Fold und keine andere Qualzucht kaufen.
Urlaubsbetreuung frühzeitig organisieren – ein Tierheim ist kein Ferienparkplatz.