Trockenheit ist nicht nur Umweltproblem

Das anhaltende Niedrigwasser der Donau versetzt Österreich und weite Teile Mitteleuropas in Alarmzustand. Nach einem trockenen Frühjahr, geringen Schneeschmelze-Mengen und einer langen Hitzeperiode liegen die Wasserstände entlang der Donau deutlich unter den saisonalen Durchschnittswerten.
Die Auswirkungen zeigen sich besonders dort, wo der zweitlängste europäische Fluss als Transportweg Verwendung findet: bei schweren Produkten. Die voestalpine in Linz beispielsweise transportiert große Mengen an Eisenerz, Kohle und anderen Rohstoffe über die Donau. Können Frachtschiffe wegen zu geringer Fahrrinnentiefe nur teilweise beladen werden, steigen die Transportkosten erheblich. Zudem verlängern sich Lieferzeiten, wodurch zusätzliche Lager- und Logistikaufwendungen entstehen. Aber auch Unternehmen aus der Bau- und Rohstoffindustrie wie Heidelberg Materials, Lafarge oder regionale Schotter- und Baustoffproduzenten entlang der Donau leiden unter dem Niedrigwasser. Die höheren Logistikkosten schlagen sich direkt auf die Margen durch. Auch die OMV-Raffinerie Schwechat samt angeschlossener Petrochemie transportiert einen Teil der Rohstoffe und Produkte über die Wasserstraße. Einschränkungen in der Schifffahrt verteuern die Versorgung der Raffinerie und erhöhen den organisatorischen Aufwand in der Lieferkette.
Für den börsennotierten Verbund-Konzern und andere Betreiber von Donaukraftwerken stellt das Niedrigwasser eine besondere Herausforderung dar. Laufwasserkraftwerke können nur jene Energie erzeugen, die der Fluss tatsächlich führt. Sinkende Durchflussmengen bedeuten daher eine unmittelbar geringere Stromproduktion. Aktuell liegt deshalb die Wasserkraftleistung teilweise deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Das rumänische Kernkraftwerk Cernavodă, das ein Fünftel des Stroms des Landes produziert und Donauwasser zum Kühlen verwendet, war bereits mehrmals kurz vor der Abschaltung.
Auch die Tourismuswirtschaft spürt die Folgen. Kreuzfahrt- und Ausflugsschiffe müssen Fahrpläne anpassen, Strecken verkürzen oder einzelne Abschnitte meiden. In Ungarn und auf anderen Donauabschnitten kam es bereits zu Behinderungen des Passagierverkehrs. Für Hotels, Gastronomie und regionale Tourismusbetriebe bedeutet dies enorme Umsatzeinbußen.
Das zeigt, dass Trockenheit längst kein reines Umweltproblem mehr ist, sondern sich zunehmend zu einem großen Risiko für Industrie, Logistik und Energieversorgung entwickelt.
