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Wespen-Allergiker aufgepasst: Deshalb sind Adrenalin-Pens aktuell Mangelware

19.08.2026 • 15:40 Uhr
Adrenalin-Pen Mangel
Christof van Dellen hält einen Pen für Erwachsene und einen für Kinder in der Hand. Sie unterscheiden sich durch die unterschiedliche Adenalin-Dosierung. Holzer

Christof van Dellen von der Kurapotheke Schruns erklärt, dass der Engpass alle Apotheken im Land betrifft. Besserung ist erst mittelfristig in Sicht.

Christof van Dellen hält einen Gegenstand in den Händen, der in den Vorarlberger Apotheken aktuell Mangelware ist. “Das ist ein Adrenalin-Pen für Jugendliche, solche haben wir noch lagernd. Bei den Pens für Erwachsene gbit es eine Warteliste von etwa zehn bis fünfzehn Personen”, erklärt der Leiter der Kurapotheke Schruns und Präsident der Vorarlberger Apothekerkammer.

Lebensrettende Injektion

Eine Injektion des Adrenalin-Pens kann im Ernstfall Leben retten: Wenn Allergiker nach einem Bienen-, Hornissen- oder Wespenstich einen sogenannten anaphylaktischen Schock zeigen, stärkt der Autoinjektor den Kreislauf, spannt die Muskeln an und erhöht den Herzschlag. Unbehandelt kündigt sich der Schockzustand durch Symptome wie Kribbeln und Brennen in Mund und Rachen, Herzrasen, Blutdruckabfall, Erbrechen oder Bewusstlosigkeit an und führt im schlimmsten Fall zum Atem- und Kreislaufstillstand. Eine Allergie äußert sich nach einem Stich unter anderem in Form von Hautausschlägen, Kopfschmerzen, Schwindel, Atemnot oder einer starken Schwellung der Einstichstelle, wie die Vorarlberger Landeskrankenhäuser in einer Medienmitteilung festhalten.

Mehrere Gründe für Engpass

Der Mangel an Adrenalin-Pens ist auf eine Kombination verschiedener Faktoren zurückzuführen, erklärt van Dellen: „Die Wespen sind zu dieser Zeit aggressiver als noch vor einem Monat. Das Nahrungsangebot ist mit den Früchten, die am Boden liegen, und Leuten, die draußen Essen, extrem groß. Dazu kommt, dass der Hersteller aufgrund der kurzen Mindesthaltbarkeit der Pens auch keine zu große Marge produziert, bei der er auf übrigen Stück sitzen bleiben würde.“ Nach rund einem Jahr können Hersteller der Adrenalin-Autoinjektoren nicht mehr für 100-prozentige Wirksamkeit garantieren. Wenn in der Wespen-Hauptsaison der Verbrauch der Pens in die Höhe schießt und die Nachfragespitze jener Allergiker dazukommt, die in der letzten Wespensaison ihre Pens nachkaufen mussten und jetzt mit dem Ablaufdatum dieser konfrontiert sind, kommen die Faktoren für den Mangel zusammen. Van Dellen fügt hinzu: „Die meisten Allergiker haben mehrere Pens: in der Wohnung, im Auto und im Rucksack für unterwegs.“

Christof van Dellen Präsident Apothekerkammer Vorarlberg
Christof van Dellen ist Präsident der Apothekerkammer Vorarlberg und leitete die Kurapotheke in Schruns. Mediart/Uher

Die Warteliste sei in allen Apotheken im Land ähnlich lang und betreffe auch die anderen Bundesländer, erläutert der Apothekenkammer-Präsident: „Wir erhalten immer wieder Nachlieferungen. Sobald neue Pens verfügbar sind, kontaktieren wir die Kunden auf der Warteliste.“ Van Dellen vermutet, dass der Bestand an Adrenalin-Pens bis Anfang Oktober wieder auf Normalniveau ist. Bis dahin empfiehlt er: „Wenn ein Allergiker einen Pen hat, der knapp über dem Ablaufdatum liegt, sollte er ihn nicht entsorgen, sondern im Notfall weiterverwenden. Er wirkt mitunter nicht mehr zu 100 Prozent, ist aber besser als keiner.“

Drei Todesfälle seit 2020

Dass mit den Insekten nicht zu spaßen ist, zeigt eine Grafik des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV): So sind bundesweit 49 Todesfälle durch Kontakt mit Hornissen, Wespen oder Bienen seit 2020 zu verzeichnen. In Vorarlberg waren es im selben Zeitraum drei (je einer 2020, 2021 und 2024).

Wespen-Allergiker aufgepasst: Deshalb sind Adrenalin-Pens aktuell Mangelware
KFV-Expertin Johanna Trauner-Karner empfiehlt Allergikern, auf ein Notfall-Set zurückzugreifen, das unter anderem den Adrenalin-Pen enthält. KFV/Juhasz

Im Durchschnitt müssen österreichweit fast 1000 Personen nach einem Insektenstich stationär im Krankenhaus behandelt werden. Johanna Trauner-Karner, Leiterin für Sport- und Freizeitsicherheit beim KFV, empfiehlt bei einer bekannten Allergie, nach ärztlicher Rücksprache ein Notfall-Set bei sich zu tragen, welches in der Regel Kortison-Tabletten, Antihistamin-Tabletten und einen Adrenalin-Pen enthält.

(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)