Nach tödlichem SUP-Unfall: Experte erklärt die wichtigsten Sicherheitsregeln

Ein tödlicher Badeunfall am Paspelssee in Rankweil rückt die Gefahren beim Stand-Up-Paddeln (SUP) in den Fokus. Experte Andreas Portenschlager von Ländle SUP erklärt, was Paddler über Schwimmen, Wetter, Ausrüstung und Regeln auf dem Wasser wissen sollten.
Stand-Up-Paddling ist ein beliebtes Freizeitvergnügen und bringt gerade im Sommer viele Menschen aufs Wasser. Was nach einer einfachen und unkomplizierten Art aussieht, sich auf dem Wasser zu bewegen, kann jedoch auch gefährlich werden. Wie schnell sich eine solche Situation zuspitzen kann, zeigt ein tödlicher Unfall vom vergangenen Sonntag im Paspelssee in Rankweil, bei dem ein 38-jähriger Mann ums Leben kam. Der Mann konnte laut Polizei nicht schwimmen und ging nach dem Kentern des Boards unter.
Der Unfall zeigt, wie wichtig es ist, die eigenen Fähigkeiten und die Bedingungen auf dem Wasser realistisch einzuschätzen. Doch was sollte man wissen, bevor man mit dem SUP aufs Wasser geht? Andreas Portenschlager von Ländle SUP gibt seit 2015 SUP-Kurse und hat bereits Tausenden Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen das Stand-Up-Paddeln beigebracht.
Warum erfreut sich Stand-Up-Paddling seit Jahren großer Beliebtheit und was macht den Sport so besonders?
Portenschlager: Stand-Up-Paddeln ist eine einfache, unaufwendige und kostengünstige Möglichkeit, Gewässer sportlich zu erleben. Dabei spielt es keine Rolle, ob man auf einem See, einem Fluss oder auf dem Meer unterwegs ist. Gerade diese Vielseitigkeit macht den Sport interessant. Die Bandbreite reicht vom Badespaß für die ganze Familie und gemütlichen Genusstouren bis hin zu Rennsport, Wildwasser und Wellenreiten.
Welche Gefahren werden von Freizeitsportlern am häufigsten unterschätzt?
Portenschlager: Auf den Bodensee bezogen sind es vor allem die Wetterverhältnisse und insbesondere der Wind. Die Bedingungen können sich relativ schnell verändern und eine Rückkehr zum Ausgangspunkt deutlich erschweren oder sogar unmöglich machen. Deshalb sollte man gerade den Wind nicht unterschätzen.

Wie gut sollte man schwimmen können, bevor man sich mit einem SUP aufs Wasser wagt?
Portenschlager: Wer mit dem SUP aufs Wasser geht, sollte problemlos im tiefen Wasser schwimmen können. Dabei gilt eine grundsätzliche Regel für jeglichen Wassersport: Man sollte sich nur so weit vom Ufer entfernen, wie man bei den vorherrschenden Bedingungen auch aus eigener Kraft wieder zurück an Land schwimmen kann.
Welche Voraussetzungen sollten Anfänger mitbringen, wie gelingt der sichere Einstieg?
Portenschlager: Seit 2015 geben wir SUP-Kurse und haben bereits Tausenden Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen das Stand-Up-Paddeln beigebracht. Unsere älteste Kundin war 82 Jahre alt und hat gezeigt, dass das Alter keine entscheidende Rolle spielt. Wichtig sind vor allem etwas Gleichgewicht und Durchhaltevermögen.
Welche Sicherheitsausrüstung sollte auf keinem SUP fehlen?
Portenschlager: Ab 300 Metern Entfernung vom Ufer schreibt die Bodenseeschifffahrtsordnung das Mitführen einer Schwimmweste vor. Liegt diese allerdings nur auf dem Board, hilft sie bei einem Sturz ins Wasser nicht. Deshalb befürworten wir das Tragen einer Schwimmweste beziehungsweise einer Restube Pfd. Dabei handelt es sich um ein mittels Kartusche auslösbares, aufblasbares Luftkissen, das um Hüfte und Kopf befestigt wird und die gleiche Norm wie eine Schwimmweste erfüllt. Zusätzlich hilft eine Leash dabei, das Board nicht zu verlieren. Gerade von Herbst bis ins Frühjahr ist auch die richtige Bekleidung wichtig, um bei einem Sturz ins Wasser thermisch geschützt zu sein. Im Sommer sollte der Sonnenschutz nicht unterschätzt werden. Empfehlenswert ist außerdem, ein Mobiltelefon mitzuführen.

„Wer mit dem SUP aufs Wasser geht, sollte problemlos im tiefen Wasser schwimmen können.“
Andreas Portenschlager, Ländle SUP
Worauf sollte man bei Wetter, Wind und Wasserbedingungen achten, bevor man lospaddelt?
Portenschlager: Bei längeren Touren auf dem Bodensee ist eine umfangreichere Planung nötig als für einen kurzen Badespaß. Gerade im Sommer sind Sturmfronten vor Gewittern eine Gefahr, der man sich bewusst sein sollte. Deshalb ist es wichtig, den Wetterbericht zu beachten. Für den Wind gibt es verschiedene Internetseiten mit Prognosemodellen. Windrichtung und Stärke sind bei der Wahl der Route entscheidend. Auf Flüssen müssen zusätzlich Abflussmengen und Pegelstände berücksichtigt werden.
Welche Fehler beobachten Sie bei Anfängern häufig?
Portenschlager: Einige Fehler betreffen bereits die Ausrüstung. Dazu gehören Boards, die nicht vollständig aufgeblasen sind, oder Paddel, die verkehrt herum gehalten werden. Vor allem fehlt aber häufig das Bewusstsein dafür, dass Gewässer wie der Bodensee Verkehrsflächen sind und dort Regeln gelten. Dazu gehören gesperrte Wasserflächen, Hafeneinfahrten und Vorrangsregeln. Viele informieren sich darüber vorab nicht ausreichend, weil Stand-Up-Paddeln häufig vor allem als unkomplizierter Badespaß gesehen wird.

Was ist zu tun, wenn man vom Board fällt oder vom Wind abgetrieben wird?
Portenschlager: Bei einem Sturz ins Wasser gilt es zunächst, nicht in Panik zu geraten. Man sollte auftauchen, das Board finden, ruhig dorthin schwimmen und wieder aufsteigen. Bei ruhigen Bedingungen sollte das für jeden, der sich auf ein SUP wagt, auch ohne Schwimmweste und Leash möglich sein.
Wird man vom Wind abgetrieben, kann man versuchen, im Knien oder im Liegen gegen den Wind zurückzupaddeln. So kommt man besser vorwärts. Sollte auch das nicht mehr möglich sein, sollte man anlanden und abwarten, bis der Wind nachgelassen hat.
Worauf sollten Eltern achten, wenn Kinder oder Jugendliche mit dem SUP unterwegs sind?
Portenschlager: Für Kinder gelten grundsätzlich dieselben Punkte wie für Erwachsene. Sie müssen in der Lage sein, auch längere Strecken selbst zum Ufer zurückzuschwimmen und die Verhaltensregeln zu befolgen. Dazu gehören unter anderem gesperrte Wasserflächen mit rot-weiß-roter Kennzeichnung, Hafeneinfahrten und Fährschiffanlegestellen. Wer seinem Kind das nicht zutraut, sollte es nicht alleine paddeln lassen.
Welche drei Regeln sollte jeder Stand-Up-Paddler kennen, um sicher durch den Sommer zu kommen?
Portenschlager: Das eigene Können nicht überschätzen, Sicherheitsausrüstung verwenden und die Verhaltensregeln des jeweiligen Gewässers beachten. Das sind die drei wichtigsten Punkte, die jeder im Blick haben sollte, bevor es mit dem SUP aufs Wasser geht.
Wo steigen Sie selbst am liebsten aufs Board und was macht diesen Ort besonders?
Portenschlager: Besonders gerne bin ich im Winter auf dem Bodensee unterwegs, wenn der See komplett leer ist. An windstillen Tagen genieße ich dort die Ruhe und das ruhige Wasser. Im Sommer zieht es mich dagegen auch ins Wildwasser der Bregenzerach. Und auf Reisen bin ich mit speziellen Wellenreit-SUP-Boards zum Surfen unterwegs.