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Das große Geschäft mit dem Abnehmen

05.09.2026 • 13:00 Uhr
Das große Geschäft mit dem Abnehmen
AFP

Der Markt für Abnehm-Medikamente wächst rasant. Nun verschärft sich der Wettbewerb zwischen den Anbietern Novo Nordisk, Eli Lilly und neuen Tabletten.

Die neuen Medikamente gegen Adipositas haben den Gesundheitsmarkt in wenigen Jahren grundlegend verändert. Bisher dominierten vor allem Spritzen wie Wegovy und Ozempic des dänischen Herstellers Novo Nordisk. Nun drängen zunehmend Tabletten auf den Markt oder befinden sich in fortgeschrittenen Studien.

Der große Sieger des Abnehm-Booms ist bislang Novo Nordisk. Die Nachfrage nach Ozempic und Wegovy ließ den Umsatz des dänischen Konzerns regelrecht explodieren. Allein 2023 stieg er um rund 31 Prozent auf 232,3 Milliarden dänische Kronen. 2024 legte er nochmals um 25 Prozent auf 290,4 Milliarden Kronen zu. An der Börse sorgte dieser Erfolg für historische Bewertungen: So wurde Novo Nordisk zeitweise zum wertvollsten Unternehmen Europas. Die Aktie erreichte 2023 neue Rekordstände, getragen von den Erwartungen an den weltweit boomenden Markt für Abnehm-Medikamente.

Doch der Wettbewerb wird härter. Der wichtigste Rivale ist der US-Konzern Eli Lilly mit den Präparaten Mounjaro und Zepbound. Investoren setzen insbesondere auf den Wirkstoff Tirzepatid, der in Studien teilweise höhere Gewichtsverluste erzielte als Novo Nordisks Semaglutid. Entsprechend stark entwickelte sich auch die Börsenbewertung: Die Eli-Lilly-Aktie hat sich seit 2020 mehrfach im Wert gesteigert und das Unternehmen zeitweise zu einem der wertvollsten Pharmakonzerne der Welt gemacht. Analysten erwarten, dass Eli Lilly seinen Marktanteil in den kommenden Jahren weiter ausbauen könnte.

Mit der steigenden Popularität der Abnehmmittel wächst aber auch deren missbräuchliche Verwendung. Gesundheitsexperten berichten, dass die Medikamente zunehmend auch von Menschen ohne medizinische Indikation genutzt werden – etwa zur raschen Gewichtsreduktion vor Urlauben. Das ist besorgniserregend, denn die Einnahme ohne ärztliche Begleitung birgt gesundheitliche Risiken und trägt zudem zu Versorgungsengpässen für Patienten mit schwerem Übergewicht oder Diabetes bei.

Anleger erhoffen sich von den neuen Wunderpillen zusätzliche Wachstumsimpulse. Für Patienten könnte der Wettbewerb preisliche Vorteile bringen. Für Novo Nordisk reicht aber der bisherige Erfolg allein nicht mehr aus. Der Konzern muss innovative Nachfolgeprodukte entwickeln, seine Produktion ausweiten und den medizinischen Zusatznutzen seiner Wirkstoffe belegen. Gelingt dies nicht, könnte Eli Lilly in den kommenden Jahren zur Nummer eins im Milliardenmarkt der Adipositas-Therapien aufsteigen.

Christoph Flatz
Christoph Flatz, Veranlagungsspezialist in der Sparkasse.