US-Einfuhrverbote treffen Kanada hart

Der Handelsstreit zwischen den USA und Kanada eskaliert. Neue Importverbote setzen Kanadas Wirtschaft zusätzlich unter Druck.
Das von der US-Regierung angekündigte Einfuhrverbot für ausgewählte kanadische Waren markiert eine neue Eskalationsstufe im seit Monaten schwelenden Handelskonflikt zwischen den zwei eng verflochtenen Volkswirtschaften Nordamerikas. Die bisherigen Strafzölle von 50 Prozent werden in einigen Produktgruppen durch ein vollständiges Importverbot ersetzt. Hintergrund ist ein gegenseitiger Schlagabtausch aus Zöllen und Gegenmaßnahmen, nachdem Handelsgespräche zwischen Washington und Ottawa Ende August gescheitert waren.
Für die kanadische Wirtschaft kommt der Schritt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Rund drei Viertel der kanadischen Exporte gehen traditionell in die USA, weshalb jede Einschränkung des Zugangs zum amerikanischen Markt unmittelbare Auswirkungen auf Produktion, Investitionen und Beschäftigung hat. Die nun verhängten Verbote treffen zwar nicht die gesamte Exportwirtschaft, erhöhen jedoch die Unsicherheit für Unternehmen und Investoren erheblich. Ökonomen rechnen damit, dass besonders exportorientierte Regionen in Ontario, Québec und den Prärieprovinzen die Folgen spüren werden.
Am stärksten betroffen ist die Getränkeindustrie. Kanadische Brauereien, Spirituosenhersteller und Weingüter verlieren ihren wichtigsten Auslandsmarkt. Unternehmen wie Molson Coors, Corby Spirit and Wine oder zahlreiche Whiskey- und Craft-Brennereien müssen mit Umsatzrückgängen rechnen. Aber auch für die Milchwirtschaft wird es eng. Zwar bleibt ein Teil der Käseexporte vorerst lediglich mit Strafzöllen belegt, für andere Molkepulver und weitere verarbeitete Molkereierzeugnisse fällt der Zugang zum US-Markt jedoch komplett weg.
Eine weitere Verliererbranche ist die Motorradindustrie, insbesondere die Hersteller von größeren Motorrädern und entsprechenden Fahrzeugen. Der Druck steigt aber auch für zahlreiche Zulieferer, Logistikunternehmen und Handelsbetriebe, deren Geschäfte von grenzüberschreitenden Lieferketten abhängen.
Die kanadische Regierung versucht bereits gegenzusteuern und hat ihrerseits Gegenzölle auf US-Waren verhängt. Langfristig dürfte Ottawa die Diversifizierung seiner Handelsbeziehungen forcieren und die Zusammenarbeit mit Europa sowie anderen Partnern intensivieren. Kurzfristig jedoch drohen Exporteinbußen, Investitionszurückhaltung und ein schwächeres Wirtschaftswachstum. Der Handelsstreit zeigt damit, wie verwundbar selbst eng integrierte Volkswirtschaften sind, wenn politische Konflikte den freien Warenverkehr behindern.
