Dieses neue Lokal in Wolfurt setzt auf levantinische Küche

In Wolfurt haben sich Mahmoud und Yasemin Aljaratli mit dem „Nar & Zaytun“ einen lang gehegten Herzenswunsch erfüllt.
Von Hannah Swozilek
„Wie esse ich denn jetzt einen Granatapfel eigentlich richtig?“, fragt ein älterer Herr Mahmoud Aljaratli. Lachend beginnt er dem Gast den Prozess zu erklären, während er einen Kaffee vorbereitet. Allgemein scheint man sich hier beim Vornamen zu kennen, im neuen „Nar & Zaytun“ in Wolfurt. Im Lokal riecht es nach den Gewürzen der levantinischen Küche. Mit dem Restaurant geht ein Herzenswunsch für Yasemin und Mahmoud Aljaratli in Erfüllung. Die beiden übernahmen den ehemaligen Bioladen „Dreierlei“ (der Name resultiert aus der Kombination aus Speisen, Kaffee und Bioladen) von seinen Vorbesitzern vor mittlerweile dreieinhalb Jahren, hatten aber nie die Chance, ihm eine „eigene Identität zu geben“, wie Yasemin Aljaratli erklärt. „Viele unserer Gäste haben uns jetzt direkt nach der Neueröffnung gesagt, dass das Lokal viel besser zu uns passt, dass da jetzt endlich unsere Identität dahintersteckt“, freut sich Yasemin. Die Augen der beiden Inhaber leuchten um die Wette, wenn sie über ihr neues Lokal sprechen.

Türkische und arabische Einflüsse
Mit „Nar & Zaytun“ hat sich das nun geändert. „Nar“ ist die türkische Bezeichnung für Granatapfel, während „Zaytun“ das arabische Wort für Olivenöl ist. Zwei wesentliche Bestandteile der Küche von Yasemin und Mahmoud. Yasemins Vater kommt aus der Türkei, Mahmoud ist in Syrien aufgewachsen. Mit dem Lokal verbinden die beiden ihre zwei Welten. Die levantinische Küche arbeitet stark mit Kichererbsen, Linsen, Bulgur, Weizen, Auberginen, Tomaten, Gurken, Kräutern und anderen Gemüsesorten.
Vor diesem Hintergrund ist es nicht schwer zu verstehen, dass die angebotenen Speisen im „Nar & Zaytun“ ausschließlich vegan und vegetarisch sind. So zum Beispiel der Falafel-Teller, oder die Falafel-Bowle, die es, neben der Tagessuppe, der Quiche des Tages und diversen Tagessalaten jeden Tag zu essen gibt. Die Tagesgerichte sind teilweise auch an die Vorarlberger Küche angelehnt. Dazu gibt es jeden Tag von Dienstag bis Freitag abwechselnd ein Mittagsmenü und Frühstück bis 11.00 Uhr vormittags, am Samstag bis 12.00 Uhr.

Eigene Gewürzmischungen
Zusätzlich zu der völlig neuen Küche des Lokals bleiben die beiden Besitzer aber einem Teil ihres alten Konzepts treu: dem Bioladen. Es gibt nach wie vor vieles an Produkten zu erwerben, vieles davon sind Zutaten, mit denen Mahmoud kocht. „Viele unserer Gäste wollen wissen, wie wir unsere Speisen würzen, oder allgemein zubereiten, deswegen verkaufen wir diese Dinge hier teilweise auch in unserem Laden“, erklärt Yasemin. Das sind zum Beispiel Suppen, Eintöpfe im Glas, eingelegtes Gemüse und Salatgewürzmischungen. Das Konzept bestehe zu 98 Prozent aus Bio-Produkten, die fast ausschließlich aus Vorarlberg bezogen werden. „Wir sind immer auf der Suche nach guten Produkten.“ Aktuell hegen die beiden noch den Plan, den Verkauf zu verkleinern und sich noch stärker auf die Küche zu konzentrieren.

Kunst auf dem Teller
Das Lokal ist hell, fast überall, wo man hinblickt, sieht man Holz, entweder in seiner ursprünglichen Form oder verarbeitet. Während im Hintergrund ruhige Musik läuft, gibt es für das Auge immer wieder neue Details zu entdecken. Die Sitzplätze des Lokals bieten einen perfekten Blick auf die Verkaufsfläche, die sich direkt neben der Bar befindet. Egal, ob Mutter mit Kind, Geschäftsleute nach dem Arbeitstag, oder Pensionistinnen und Pensionisten: Hier findet jede und jeder etwas, das noch in den Vorratsschrank passt. Auch der Apfelessig, welcher in einem großen gläsernen Kanister zum Ausschank angeboten wird, kommt bei den Gästen gut an. Aktuell gibt es auf dem Vorplatz des Lokals noch Tische, einige der Besucherinnen und Besucher genießen hier noch die letzten Sonnenstrahlen des Sommers, bevor endgültig der Herbst im Land Einzug hält.
Das Restaurant ist familienfreundlich, die Sitzgelegenheiten unterschiedlich gestaltet. Es gibt offene Tische und gemütliche Ecken, Kinderstühle und Ausmalbücher, Lektüre zum Schmökern. Ein weiteres Highlight sind die Holzfenster, die sich direkt zu den Tischen nach draußen öffnen lassen. So kann von innen nach außen bedient werden, die Gäste haben sichtlich ihren Spaß daran. Doch nicht nur im Lokal, auch an den einzelnen Gerichten finden sich allerlei Farben und Details, die es zu bestaunen gibt. „Es ist teilweise wie ein Kunstwerk der Küche auf dem Teller“, so Yasemin.

Ein Besuch aus Neugierde
„Das Lokal kommt gut bei den Gästen an“, freut sich die Inhaberin. „Ich war schon ein wenig aufgeregt, wie das mit dem neuen Namen wohl wird“, erinnert sie sich. „Viele Menschen kommen aus Neugierde – auch allein. Die setzen sich dann zu anderen dazu, das ist total schön zu beobachten.“ Dass die Namensänderung von „Dreierlei“ zu „Nar & Zaytun“ eine Hemmschwelle darstellt, erwies sich glücklicherweise als falsche Annahme. „Ich habe immer das Gefühl, für die Gäste fühlt es sich wie kurzer Urlaub an, bei uns zu essen. Wir versuchen, den Besuch für unsere Besucherinnen und Besucher so persönlich wie möglich zu gestalten.“ Im Lokal arbeitet neben Yasemin und Mahmoud auch Mohammad Aljeratli mit, der erst vergangene Woche angefangen hat. Die drei blicken positiv und voller Spannung in die gemeinsame Zukunft mit ihrem neuen Lokal. „Wir wünschen uns ganz viele schöne Momente. Ich finde es so schön, wenn auch Leute aus dem Ort, also aus Wolfurt, hierherkommen, weil sie neugierig sind.“
Nar & Zaytun
Kontaktdaten und Öffnungszeiten
Adresse: Kreuzstraße 7, 6922 Wolfurt
Telefon: 0660/1477749
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 9 bis 16 Uhr, Samstag 9 bis 12 Uhr, Montag, Sonntag und Feiertage geschlossen