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Nachgeburtstagsgratulation – oder: Mein Hirn liegt auf der Couch

24.10.2026 • 15:00 Uhr
Nachgeburtstagsgratulation - oder: Mein Hirn liegt auf der Couch

Mein wuseliges Hirn benötigt sämtliche Hilfsmittel, die zur Verfügung stehen, um mich durch den Alltag zu manövrieren. Ein wichtiges Gimmick ist mein Kalender auf meinem Telefon. Es erfordert zwar enorme Konsequenz, mir Termine und Aufgaben dort einzutragen (es klappt mit einer Erfüllungsquote von 80 %), aber ich weiß auch um den Nutzen diesbezüglich. Geburtstage, Arzttermine, Arbeitsaufträge werden dort gespeichert. Je nach Bedarf gibt mir dann mein Telefon schon eine Woche vorher Bescheid, was ich in der kommenden Woche am Mittwoch um 16:30 Uhr auf keinen Fall vergessen sollte. Dann noch eine Erinnerung am Vortag und die letzte am Ereignistag.

Anfänglich war das wirklich zielführend und ich war erfreut über mein erstaunliches Nicht-Vergessen von allem Möglichen. Inzwischen hat sich aber mein Gehirn scheinbar umprogrammiert. Irgendwann hat es sich auf seine innere Couch gelegt und sich gedacht: „Ach, ich werde schon noch einmal darauf aufmerksam gemacht.“ Und prompt ist nun jede Erinnerung innerhalb einer halben Minute wieder vergessen. Jeder Piepston meines Kalenders scheint meinen Kopf in den Sekundenschlaf zu transferieren. Egal, zu welchem Zeitpunkt er kommt. „Piep – Freundin hat heute Geburtstag. Vergiss nicht zu gratulieren!“ – „Klar, mach ich gleich!“ Am nächsten Tag schreckt es hoch von der Couch, das Hirn, schimpft mit sich selbst und telefoniert reumütig eine Nachgeburtstagsgratulation hinterher. Wobei es gekonnt und, ich möchte fast sagen, charmant seine Unfähigkeit tarnt, indem es mir Worte wie diese eingibt: „Es tut mir total leid. Alles Gute zum Geburtstag! Aber so halten die Wünsche wenigstens über einen längeren Zeitraum an, wenn selbst am zweiten Tag noch einer daherkommt.“

Weil ich als Heidi versuche, die Macht über meinen Kopf zu behalten, arbeite ich schwer dagegen. Ich kontrolliere inzwischen täglich selbst meinen Kalender und vermeide den Piepston. Kein Sekundenschlaf mehr, dafür bleibt die Panik, etwas zu versäumen. Das hat zur Folge, dass ich meine Termine nicht richtig lese und ich mich inzwischen schon bei meinem Arzt beschwert habe, warm ich nicht aufgerufen werde und die Assistentin mich freundlich darauf hinwies, dass ich einfach einen Tag zu früh dran bin. (Am nächsten Tag war ich dafür zu spät, damit das Universum wieder im Gleichgewicht ist. Gut gemacht, Heidi!)

Ich sehne mich nach Zeiten, in denen man so Dinge sagte wie: „Wir treffen uns morgen, wenn die Sonne hinter dem Apfelbaum aufsteigt.“ Wobei – ich wäre sicher vor dem Birnbaum bei Vollmond gestanden. Fix.