Ein Tal mit Weitblick: Wie sechs Gemeinden gemeinsam die Zukunft gestalten

Das Große Walsertal zeigt, wie eine nachhaltige Entwicklung gemeinsam gelingen kann.
Das Große Walsertal ist seit dem Jahr 2000 Unesco-Biosphärenpark und damit der älteste Biosphärenpark Österreichs. Hier liegen sechs Gemeinden, die sich für eine nachhaltige Entwicklung der Region einsetzen. Ihr Ziel ist es, die Regionalentwicklung im Tal gemeinsam umzusetzen und zu fördern. Im Mittelpunkt steht dabei eine Herangehensweise, die Natur, Wirtschaft und Lebensqualität miteinander verbindet.

„Wir beschäftigen uns mit Wohnen, Mobilität, Wirtschaft und Tourismus bis hin zu grundsätzlichen Themen des menschlichen Zusammenlebens und der Frage: wie fördern wir partizipative Demokratie?“, erklärt Ingo Türtscher, Geschäftsführer des Biosphärenparks Großes Walsertal. „Dabei verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz, um Mensch und Natur in Einklang zu halten und die unterschiedlichen Lebensbereiche in Balance zueinander zu entwickeln.“ Die Grundlage dafür bilden die 17 Nachhaltigkeitsziele der Unesco. Kooperationen mit Forschungseinrichtungen wie der Universität Innsbruck oder der Universität für Bodenkultur in Wien sind ebenso Teil der Arbeit. Ihre Forschungsergebnisse dienen auch als Grundlage für Entscheidungen.

Ein Ort zum Lernen und Verweilen
Dreh- und Angelpunkt des Biosphärenparks ist das in Sonntag gelegene biosphärenpark.haus, das seit elf Jahren als Besucherzentrum dient. Es ist Lern-, Begegnungs,- und Verweilort zugleich und bietet Raum für Aktivitäten und Fragen rund um den Biosphärenpark. Mit einem Bistro, einem Laden, in dem Produkte aus der Region verkauft werden, einer Poststelle und einer Ausstellung über die Walser steht es allen Menschen im Großen Walsertal offen, ob Bewohnerin oder Gast. Ingo Türtscher möchte es künftig noch stärker als bisher auch als konsumfreien Raum etablieren. Das Haus wird in Gemeinschaft mit der Sennereigenossenschaft genutzt, die hier Sennereiprodukte herstellt. Zudem finden jährlich etwa 40 bis 50 Veranstaltungen statt. Das Angebot reicht von gesellschaftlichen Themen wie Gendergerechtigkeit bis zu Biotopexkursionen und Klimawanderungen. Eine wichtige Rolle spielt auch die Bildungsarbeit. Vom Kindergarten bis zum Erwachsenenalter wird Wissen über Natur, Landschaft und nachhaltige Entwicklung vermittelt. In einer historisch eingerichteten Mitmach-Sennerei können Interessierte selbst Käse herstellen und erhalten Einblicke in die traditionelle Käseherstellung.

Wie nachhaltige Entwicklung in der Praxis aussieht, zeigen zahlreiche Projekte: In Kooperation mit Illwerke vkw wird derzeit das Glasfasernetz ausgebaut, das innerhalb der nächsten drei Jahre das gesamte Tal erschließen soll. Auch der öffentliche Verkehr wurde gestärkt. Die Anbindung an die Bahn wurde verbessert, Busse fahren morgens und abends länger und die Taktung wurde erhöht.

Zahlreiche Initiativen und Projekte
Weitere Initiativen widmen sich der Kinderbetreuung und der Bürgerbeteiligung in den Talgemeinden. Die Zusammenarbeit der Gemeinden wird durch ein Regionalparlament gestärkt, in dem sich alle Gemeindevertretungen austauschen, durch einen Bürgerinnenbeirat wird die Bevölkerung stärker in politische Entscheidungen eingebunden. Auch gelang es, bis heute in allen sechs Gemeinden Dorfläden, Kindergärten, Volksschulen sowie Büchereien zu erhalten und weiterzuführen. Der Biosphärenpark Großes Walsertal zeigt, dass bestehende Werte ein Grundstein für nachhaltige Entwicklung sein können. Ingo Türtscher, der hier selbst aufwuchs, betont: „Im Tal war es immer wichtig, mit der Natur zu kooperieren. Wir wollen darauf achten, dass Wissen nicht verloren geht und es an die nächste Generation weitergeben.“
Christine Moosmann-Hämmerle
Infos
biosphärenpark.haus
Boden 34, Sonntag
Tel.: 05554/2001040
Mail: info@grosseswalsertal.at
Web: www.grosseswalsertal.at
Das biosphärenpark.haus in Sonntag ist das Besucherzentrum des UNESCO-Biosphärenparks Großes Walsertal. Es dient als Treffpunkt für Einheimische und Gäste und bietet Raum für Ausstellungen, Veranstaltungen und Bildungsangebote.