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Leichencontainer vor Portugals Spitälern

02.02.2021 • 16:57 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Leichencontainer vor Portugals Spitälern

Spitäler sind am Limit, im Jänner starben 5576 an oder mit Corona.

Die Leichenhalle des Krankenhauses Barreiro Montijo in Lissabon ist voll. So voll, dass nun vor dem Spital Kühlcontainer aufgestellt wurden, um die vielen Coronatoten bis zur Bestattung aufzubewahren. Immer mehr an Covid-19 erkrankte Menschen sterben in Portugal, weil es auf den Intensivstationen keine freien Betten mehr gibt. 43 Prozent aller seit Pandemiebeginn gemeldeten Infektionsfälle entfielen auf den Jänner. Im ersten Monat des Jahres starben 5576 an oder mit Corona. Das sind 44 Prozent aller Covid-19-Toten seit das Virus über Portugal kam.

Man müsse inzwischen vielerorts die Regeln der Katastrophenmedizin – also die „Triage“ – anwenden, sagt Miguel Guimarães, Chef der Ärztekammer. Mit dramatischen Folgen: Wenn es für zwei Notfallpatienten nur ein Beatmungsgerät gibt, bekommt derjenige mit den besseren Überlebenschancen Vorrang. „Die Krankenhäuser befinden sich am Limit“, räumt Gesundheitsministerin Marta Temido ein. Vor vielen Hospitälern stauen sich die Ambulanzen, die wegen der Überfüllung der Krankenhäuser oftmals stundenlang warten müssen, bis sie ihre Covid-19-Patienten an die Notaufnahme übergeben können. Deswegen werden nun im ganzen Land Feldlazarette aufgebaut. Allein zwei provisorische Hospitäler wurden dieser Tage in der Hauptstadt Lissabon installiert: auf dem Unicampus und auf dem Trainingsareal des nationalen Fußballverbandes.

Hilferuf an Europa

Nach einem Hilferuf der portugiesischen Regierung an die EU will die deutsche Bundeswehr medizinisches Personal und Material nach Portugal schicken. Auch Österreich kündigte Hilfe für Portugal an.
Im Frühling, während der ersten Coronawelle, war Portugal noch als Musterknabe gefeiert worden. Als Land, das dank einer disziplinierten Bevölkerung und vorausschauenden Regierung im Anti-Viren-Kampf offenbar alles richtig gemacht hatte. Womöglich hat die Nation am Südwestzipfel Europas zu sehr darauf vertraut, dass sie auch die neue Viruswelle nur streifen würde. Es kam anders – das EU-Land am Atlantik wurde über Nacht zum Hotspot Europas.