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Vorarlberger Malerin erzielte 88.200 US-Dollar bei Sotheby’s

19.03.2026 • 20:40 Uhr
Katherina Olschbaur
Katherina Olschbaur in ihrem Brooklyner Atelier. Die Künstlerin beschreibt sich selbst als regelrechte „Studioratte“. Ziccarelli/Perrotin

Die in Bregenz geborene Künstlerin Katherina Olschbaur über ihren Karriereweg in die USA.

Der monetäre Wert des Wagemuts lässt sich zugespitzt auf 88.200 US-Dollar beziffern. Diesen Preis erzielte das Bild „Blinding Light“ (2022) der aus Vorarlberg stammenden Malerin Katherina Olschbaur laut Branchenmagazin artnet.com bei einer Auktion von Sotheby’s New York.
Mittlerweile in besagter US-Metropole ansässig und bei der weltberühmten Galerie Perrotin unter Vertrag, kann die Künstlerin eine beachtliche Karriere vorweisen.

Blinding Light
„Blinding Light“ (2022) wurde um ein Vielfaches des Einstiegspreises versteigert. Olschbaur/Nicodim

Die 1983 als Tochter eines Pastors in Bregenz geborene Olschbaur wuchs in einem intellektuell-affinen Umfeld auf und erkämpfte sich ihren Weg auf eigene Faust. „In meiner Familie gab es keine Künstler. Von der Realität der Kunstwelt hatte ich auch keine Ahnung. Mir war aber klar, dass ich es unbedingt machen möchte“, erinnert sich die Malerin zurück.

Bilder von Katherina Olschbaur
„Still Pictures“ (2025). Olschbaur/Ziccarelli

Das erste Werk im Zug verkauft

Als lesefreudiges Kind fand sie früh zu Kunstbüchern und wagte im Alter von 17 Jahren, noch vor der Matura am BORG Schoren, die erfolgreiche Aufnahme an der Universität für angewandte Künste in Wien. „Meine erste Arbeit habe ich auf der Heimfahrt von der bestandenen Prüfung im Zug verkauft. Das beflügelt“, strahlt Olschbaur im Gespräch. Nach der auf Ratschlag ihres Stiefvaters doch noch absolvierten Matura, begann eine rund 15 Jahre umfassende Phase in Wien.

Bilder von Katherina Olschbaur
„Other Minds“ (2025). Olschbaur/Ziccarelli

Die Studienjahre an der „Angewandten“ schildert die Künstlerin als offenen Möglichkeitsraum ohne klare Richtung. „Für mich war die Zeit an der Uni sehr wichtig“, schränkt sie aber zugleich ein: „Ich habe mir die meisten Dinge später selber erarbeitet.“ Von zentraler Bedeutung waren vielmehr Freundschaften, das ausgiebige Nachtleben und alternative Kunsträume. In ihren Schilderungen wird deutlich, wie sehr sich die Wiener Jahre vom Leben in den USA unterscheiden: Österreich ist langsamer, günstiger, aber auch weniger ambitioniert.
Trotz Auszeichnungen und laufender Teilnahme an Ausstellungen regte sich in ihr das Unbehagen an einem künstlerischen Stillstand.

Bilder von Katherina Olschbaur
„I Spend all Day Waiting for the Night (Strobes)“ (2025). Olschbaur/Ziccarelli

„Ich wollte nur noch weg.“ Die unerwartete Wende kam, als ihr Ehemann ein Stipendium für eine Universität in Berkeley (Kalifornien) erhielt. So zog das Paar eine Woche vor der Angelobung der ersten Trump-Administration nach Oakland. Olschbaur merkte jedoch schnell, dass sie dort weder räumlich noch künstlerisch Fuß fassen kann. Zu teuer, zu wenig Anschluss. Eine kurze Reise nach Los Angeles veränderte die Situation grundlegend.

Art Bodensee
Die Künstlerin, 2016 auf der Kunstmesse „Art Bodensee“. Hofmeister

Eigentlich wollte die Künstlerin nur für drei Tage in die Metropole reisen. Durch eine befreundete Malerin erhielt sie aber die Adresse eines freien Ateliers. Kurzerhand entschied sie sich zu bleiben, ihr Mann folgte später nach.
Die Stadt ist weitläufig, ohne Auto kaum zu erschließen. Olschbaur hatte zu diesem Zeitpunkt noch keinen Führerschein und konzentrierte sich auf die Kunst. Mittlerweile liebe sie das Autofahren – trotz oder vielleicht gerade wegen folgender Anekdote: „Als ich das brandneue Auto einer Freundin crashte, haben alle gesagt: ‚Jetzt bist du richtig in L.A. angekommen.‘“

Bilder von Katherina Olschbaur
„The Piano Player“ (2025). Olschbaur/Ziccarelli

Von L.A. nach New York

Der Einstieg in den internationalen Kunstmarkt erfolgt schrittweise. Eine Ausstellung während der Pandemie wird von Sammlern wahrgenommen, Gespräche entstehen, Verbindungen verdichten sich. Schließlich wird die Galerie Perrotin auf ihre Arbeit aufmerksam. Mit der Galerie verändern sich die Rahmenbedingungen. Olschbaur arbeitet international, ihre Werke zirkulieren auf einem globalen Markt. Der Lebensmittelpunkt des Paars verschiebt sich nach New York. Jetzt pendelt sie täglich vom East Village (Manhattan) in ihr Atelier nach Brooklyn, an der Grenze zum Stadtteil Queens, „wo es sonst eigentlich nur Industrie und Nachtclubs gibt.“

Bilder von Katherina Olschbaur
„Transfiguration“ (2025). Olschbaur/Ziccarelli

Obwohl Olschbaurs Werke aktuell hoch im Kurs stehen, bleibt ihre Einstellung nüchtern. „Es ist ein Leben zwischen Extremen. Auch wenn ich jetzt gut verdiene, wird das nicht immer so sein.“ Daher pflegt sie eine im besten amerikanischen Sinne proaktive Haltung: „Man muss sein eigener Kapitän sein. Galerien sind auch keine Kinderbetreuung für Erwachsene. Über sie lernt man aber andere Künstler kennen, und diese Bekanntschaften sind extrem wichtig.“

Instinkt

Ihr Weg von Vorarlberg über Wien in die USA ist eine klare Erfolgsgeschichte. Olschbaur selbst beschreibt ihn anders: weniger als geradlinige Entwicklung, mehr als Abfolge von Entscheidungen, die sich erst im Nachhinein fügen. Entscheidend dürfte ihr Wille sein, „dem eigenen Instinkt zu folgen und eine Arbeit zu machen, die sich auch verändern darf“.