Nepal-Expertin aus Vorarlberg hilft nach Flutkatastrophe: “Müssen zehntausende Opfer befürchten”

Mit der NGO „Chay Ya“ unterstützt Sabine Klotz aus Bizau die Opfer der verheerenden Sturzflut in Nepal. Das Ausmaß der Katastrophe sprengt alles, was sie bisher erlebt hat.
Sabine Klotz ist in diesen Tagen noch beschäftigter als sonst. Die Bizauerin, die 2011 die Hilfsorganisation „Chay Ya“ ins Leben rief, hat kaum geschlafen, seit die schrecklichen Nachrichten aus Nepal – dem Land, in dem die 42-Jährige mit ihrer NGO so wertvolle Aufbauarbeit geleistet hat – um die Welt gehen. Eine beispiellose Sturzflut, höchstwahrscheinlich ausgelöst durch einen Gletschersturz, forderte am Mittwoch in Nepal und Tibet rund 500 Todesopfer, mehr als 1400 Menschen werden laut offiziellen Schätzungen vermisst. „Ich gehe davon aus, dass die Zahlen stark nach oben korrigiert werden müssen, möglicherweise müssen wir zehntausende Opfer befürchten“, zeigt sich Klotz besorgt.
Aufbauarbeit und Katastrophenhilfe
„Chay Ya“, auf Deutsch „packen wir es an“, arbeitet Hand in Hand mit anderen Hilfsorganisationen daran, das Leben der zumeist armen Bevölkerung in den abgelegenen Gebieten Nepals im Himalaya-Gebirige zu verbessern. Die Organisation legt den Fokus dabei auf den Aufbau von Bildungseinrichtungen, der Verbesserung der gesundheitlichen Lage und Projekten zum Schutz der Umwelt, der Chancengleichheit für Frauen und dem Aufbau einer inklusiven Gesellschaft. So kann „Chay Ya“ auf den Wiederaufbau von über 30 Dorfschulen, die Errichtung von zwölf Gesundheitsposten mit Geburtsstationen, drei Biomodellfarmen für Frauenempowerment, sieben Lernzentren für Kinder mit Behinderungen sowie ein Modellprojekt für Abfallentsorgung und Recycling zurückblicken.

In der aktuellen Situation steht jedoch ein anderer Schwerpunkt im Fokus: Sabine Klotz und ihr Team leisten nach der verheerenden Sturzflut humanitäre Hilfe, damit die Überlebenden mit den nötigsten Gütern zum Überleben versorgt werden. „Wir vernetzen uns mit der Regierung, um herauszufinden, wo sie und die großen Hilfsorganisationen Unterstützung leisten. In den schwierigen Abschnitten, wo sie nicht hingelangen, dort helfen wir“, erklärt die NGO-Gründerin. „Anschließend erstellen wir Listen und kaufen in großer Menge Hilfspakete ein. Die werden meist per Lkw, in diesem Fall aufgrund des Ausmaßes der Katastrophe auch per Helikopter, an die betroffenen Menschen geliefert.“
Beispielloses Ausmaß der Katastrophe
Klotz hat bereits bei mehreren Hochwasserereignissen in Nepal mit humanitärer Unterstützung geholfen, doch die jetzige Flutkatastrophe sprenge den Rahmen dessen, was sie erlebt habe: „Normalerweise kommen solche Fluten einmal im Jahr zur Monsunzeit. Darauf können sich die Leute vorbereiten. Aber diese 80 Meter hohe, 180 Stundenkilometer schnelle Welle aus Schlamm und Geröll, die mit voller Wucht durch die betroffenen Täler wütete, ließ den Menschen keine Chance zum Ausweichen. In den Städten und Dörfern dieser wunderschönen Hügellandschaft steht nichts mehr, da ist alles zerstört: Brücken, Straßen, Häuser und Kraftwerke. Das hat eine ganz neue Dimension angenommen.“

Im ersten Moment sei sie fassungslos gewesen: „Ich war in Schockstarre. Schon nach dem verheerenden Erdbeben 2015 haben wir in der betroffenen Region viele Menschen versorgt. Wenn man dann diese Bilder sieht, ist man total fertig und traurig.“ Ein Lichtblick für Klotz: Zumindest das Kernteam von „Chay Ya“ in Nepal befindet sich in Sicherheit. „Aber zu den Menschen unserer Partner-NGOs haben wir keinen Kontakt. Es gibt kein Telefonnetz und keine Internetverbindung, die Sturzflut hat alles vernichtet.“ Die 42-Jährige betont klar, dass die Katastrophe eine Folge der Klimakrise ist: “Nepal verursacht nur etwa 0,027–0,1 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen, trägt also kaum zum Klimawandel bei. Trotzdem gehört es zu den Ländern, die am stärksten unter dessen Folgen leiden, wie sich gerade bei der aktuellen Flutkatastrophe zeigt.”

Den Menschen in den zerstörten Landstrichen fehlt es an grundlegenden Dingen: „Momentan ist dort Erntezeit, aber die Flut hat die ganze Ernte in Flussnähe vernichtet. Wie kommen die Menschen über den Winter? Sie brauchen Saatgut und Tiere, um wieder eine Basisversorgung zu bekommen“, sagt Klotz und fügt hinzu, dass auch die Hygiene ein großes Problem darstellt: „Da alles zerstört ist, geraten Fäkalien ins Trinkwasser, was zu Cholera und anderen Krankheiten führen kann.“
Spenden erbeten
„Chay Ya“ unterstützt die betroffenen Regionen mit drei Arten von Hilfspaketen. Es gibt ein Paket mit Essen und Notunterkunft sowie ein Hygiene-Set, jeweils ausgelegt für vier Personen. Zudem gibt es eigene Unterstützungspakete für stillende Mütter, die von der Sturzflut besonders hart getroffen sind. „Mit diesen Paketen wollen wir den Betroffenen vor Ort eine Hilfestellung leisten, damit sie sich nach dieser Katastrophe ein neues Leben aufbauen können. Die Menschen vor Ort stehen total unter Schock, sind schwer traumatisiert. Viele haben ihre Familie und ihr ganzes Lebenswerk verloren“, schildert Klotz. Sie appelliert: „Schon mit ein paar Euro können wir eine vierköpfige Familie ernähren. Das Geld kommt zu einhundert Prozent den Menschen in Nepal zugute. Jede Spende zählt.“
Spenden
„Chay Ya Austria – Gesundheit und Bildung im Himalaya“
IBAN: AT50 3743 1000 0032 2974
BIC: RVVGAT2B431
Betreff: Fluthilfe NEUE
https://chay-ya.org/chay-ya-austria/spenden
Spenden sind steuerlich absetzbar und kommen zur Gänze den Betroffenen der Sturzflut in Nepal zugute.
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(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)