Kultur

Ewig gültige Botschaft der Musik

01.01.2021 • 19:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Konzert vor  leeren Zuschauerrängen im Musikverein. <span class="copyright">APA/ORF</span>
Konzert vor leeren Zuschauerrängen im Musikverein. APA/ORF

Berliner und Wiener Philharmoniker zum Jahreswechsel.

Was für ein Jahreswechsel: In Berlin musizierten die Philharmoniker unter ihrem Chefdirigenten Kirill Petrenko ein klangintensives, spanisch und südamerikanisch gefärbtes Silvesterkonzert, in Wien hatten die Philharmoniker bereits zum sechsten Mal den italienischen Maestro Riccardo Muti zur Leitung des traditionellen Neujahrskonzerts eingeladen. Beide Orchester spielten vor leeren Sälen, in der abgedunkelten Philharmonie in Berlin, im funkelnden Licht der Kronleuchter im blumengeschmückten Wiener Musikverein.

Spanische Klangfarben

Natürlich konnte und kann die Welt zusehen: In der Digital Concerthall nachzuhören, vermitteln sich die Leidenschaft Petrenkos und die musikalische Farbenpracht der Berliner Philharmoniker. Vorarlberger Musikfreunden sind natürlich Petrenkos Intensität in Mimik und Körpersprache, seine analytische Versenkung in die Details und die flammenden Interpretationen durch die Arbeit mit dem SOV vertraut. Alle hoffen zudem, dass der Mahler-Zyklus in diesem Jahr mit der neunten Symphonie abgeschlossen werden kann.

Zum sechsten Mal dirigierte Riccardo Muti das Konzert. <span class="copyright">APA/ORF</span>
Zum sechsten Mal dirigierte Riccardo Muti das Konzert. APA/ORF

Ungemein spannend ist da zu erleben, wie stark die Berliner Philharmoniker in der doch recht kurzen Zeit der Zusammenarbeit nach diesem für die Musikwelt so schwierigen Jahr auf ihren neuen Chefdirigenten eingehen und sich von ihm mitreißen lassen. Von Beethovens dritter Leonoren-Ouvertüre spannte Petrenko den Bogen zu spanischer Musik von de Falla und Rodrigo mit dem sympathischen Gitarristen Pablo Sáinz Villegas als Solist im berühmten „Concierto de Aranjuez“. Mit „Bachianas Brasileiras“ von Heitor Villa-Lobos erinnerte Petrenko an die Corona-Opfer in Brasilien, mit Rimsky-Korsakows „Capriccio espagnol“ zündete er erneut ein Feuerwerk spanischer Klangfarben. Bis Ende Januar kann der Interessierte dieses fulminante Silvesterkonzert noch nachhören.

Pulsierende Einheit

Ein Neujahrsmorgen ohne Neujahrskonzert aus dem Wiener Musikverein? Geht nicht, auch wenn der Blick in den erleuchteten Saal und die leeren Reihen noch so traurig ist und das Fußgetrappel des Orchesters den Auftrittsapplaus für den Dirigenten ersetzen muss. Muti und die Wiener Philharmoniker kennen und schätzen sich, vor 50 Jahren trat er erstmals vor das Orchester, 1993 war das erste gemeinsame Neujahrskonzert. Die Vertrautheit ist da, mit dem Reigen der Polkas und Walzer, den zwitschernden Vogelpfeifen und silberhellen Xylophonklänge.

Festlich geschmückter Saal. <span class="copyright">Apa</span>
Festlich geschmückter Saal. Apa

Die Philharmoniker mit Konzertmeister Rainer Honeck und der prächtigen Streichergruppe, dem glänzenden Blech und den frechen Holzbläsern bilden eine große schwingende, pulsierende Einheit. Da braust die Musik, gibt es brillante Soli und delikate Wendungen, stehen bekannte und geliebte Werke neben unbekannteren Schätzen. Einige Verbeugungen vor dem italienischen Maestro gibt es, zum Beispiel wenn Melodien aus Verdi-Opern im Strauß-Gewand und Walzertakt erscheinen. Zusätzlich ist auch das „Augenfutter“ üppig, von Rosen und Orchideen über die von Christian Lacroix prächtig eingekleideten Tanzpaare zu den Ausflügen in Schlösser, Parks oder das Grammophonmuseum wird den Zuschauern in aller Welt viel geboten.

Zum Nachhören

Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker wird am Samstag um 20.15 auf 3Sat übertragen. ORF III bringt noch eine Wiederholung am 6. Jänner ab 9.05 Uhr. Das Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker ist verfügbar unter www.digitalconcerthall.com

Dreimal durfte sich das Publikum mit einem Beifall via Handy bedanken – und die Wiener Philharmoniker sind gerührt von dieser technischen Lösung. Schließlich richtet auch Muti eindringliche Worte an die Welt, von der ewig gültigen Botschaft der Musik und der Kultur – mögen sie gehört werden und mögen sich die Säle wieder füllen dürfen!

Katharina von Glasenapp