Kultur

Theater im Zeichen der Kunst

05.05.2021 • 14:08 Uhr
Von links nach rechts: Sebastian Hazod, Stephanie Gräve, Katherine Kügler und Ralph Blase mit dem neuen Programmheft. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Von links nach rechts: Sebastian Hazod, Stephanie Gräve, Katherine Kügler und Ralph Blase mit dem neuen Programmheft. Klaus Hartinger

Das Landestheater präsentierte das Programm für 2021/22.

Nach einem Jahr voller Absagen, Verschiebungen und weiteren Corona-bedingten Herausforderungen blickten gestern die Verantwortlichen des Vorarlberger Landestheaters in die Zukunft. Im T-Café präsentierten Intendantin Stephanie Gräve, Dramaturg Ralph Blase und Katherine Kügler vom Jungen Landestheater das Programm für die Spielzeit 2021/22. Zwar gibt es dieses Mal ein saisonübergreifendes Motto, doch zeigt sich ein vielseitiger Spielplan, der neben neuen Projekten auch Stücke beinhaltet, die aufgrund der Pandemie verschoben werden mussten.

Intendantin Stephanie Gräve. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Intendantin Stephanie Gräve. Klaus Hartinger

Eine kleine Überraschung wurde ebenfalls gelüftet: Da die Oper „Jephtha“, die in Kooperation mit dem Symphonieorches­ter Vorarlberg (SOV) realisiert wurde, erst am 13. März 2022 zu sehen sein wird, wollten SOV-Geschäftsführer Sebastian Hazod und Intendantin Gräve den Zuschauern schon mal verraten, was sie 2023 erwartet: Die Donizetti-Oper „Maria Stuarda“ wird übernächstes Jahr zu erleben sein. Die musikalische Leitung wird Arturo Alvarado verantworten, Regie führt Teresa Rotemberg.

Bedeutung der Kunst

„Wir reden über Kunst, das sieht man doch!“ wurde als Motto für 2021/22 auserkoren – ein leicht abgeänderter Stücketitel. Die Bedeutung von Kunst für die Gesellschaft wurde in den vergangenen Monaten intensiv diskutiert, so Gräve. In dieser Zeit sei es besonders wichtig, die Autonomie der Kunst zu behaupten. Nicht nur sei sie eine „heilende Kraft für die Seele“. Indem Kunst sich von der Realität abhebt, könne sie neue Perspektiven eröffnen. Sie besitze einen Wert jenseits aller Umwegrentabilität, ist sich die Intendantin sicher.

Start mit Tragödie

Kunst ist das Thema einiger Stücke, die Spielzeit wird aber mit einem antiken Stoff eröffnet. Sophokles’ „König Ödipus“ in einer Inszenierung von Johannes Lepper wird am 18. September Premiere feiern. Im Stück gehe es nicht zuletzt darum, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen, so Gräve. Im antiken griechischen Theater gab es nach jeder Tragödien-Trilogie ein Satyrspiel, am Landestheater wird dieses schon nach einer einzigen Tragödie zum besten gegeben: „All you can be! Eurydike und Orpheus“ kommt als Koproduktion mit dem Tobs Theater Orchester Biel Solothurn nach Bregenz. Die bekannte Geschichte wird unter anderem mit Puppen erzählt – witzig, aber auch berührend, meint die Intendantin.

Kündigte "Maria Stuarda" für 2023 an: Sebastian Hazod. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Kündigte "Maria Stuarda" für 2023 an: Sebastian Hazod. Klaus Hartinger

„Wir reden über Polke, das sieht man doch!“ ist die zweite Uraufführung der Saison. Autor Gerhard Meister, dessen Werk „Der 27. Kanton“ schon am Landestheater zu sehen war, widmet sich damit dem 2010 verstorbenen deutschen Künstler Sigmar Polke, der dieses Jahr 80 Jahre alt geworden wäre. Regie führt Bérénice Hebenstreit. „Pünktchen und Anton“ von Erich Kästner wird als Familienstück am 19. November endlich Premiere feiern. Ebenfalls aus der Corona-Saison „gerettet“ wurde „Herkules und der Stall des Augias“, eine Koproduktion mit dem Theater Marie. Auch in diesem Stück habe Friedrich Dürrenmatt eine Figur aus dem Kanon der Kulturgeschichte herangezogen, um diese dann variantenreich in eine Komödie einzubauen, so Dramaturg Blase. Ein hochphilosophisches Lustspiel erwartet die Zuschauer mit „Leonce und Lena“ von Georg Büchner, das im Februar 2022 in der Inszenierung von Milena Fischer Premiere feiert.

Neue Kooperation

Über die legendäre Sängerin und Schauspielerin Nico, die in den 1960er-Jahren in New York unter anderem als Frontfrau der Band Velvet Underground für Furore sorgte, wird Regisseur Niklas Ritter mit „To All Tomorrow’s Parties“ einen Theaterabend gestalten. Eine weitere spannende Persönlichkeit, der Künstler und Theaterautor Werner Schwab (1958 bis 1994), steht im Juni 2022 im Mittelpunkt: Barbara Neureiter inszeniert dessen Stück „Abfall Bergland Cäsar“. Als Musiker ist niemand geringerer als Schwabs Freund FM Einheit dabei. Spannend ist auch eine neue Kooperation: Das aktionstheater ensemble kommt im Mai 2022 auf die Landestheater-Bühne. Martin Gruber wird mit seinem eigenen sowie mit dem Landestheater-Ensemble ein Stück erarbeiten.

Katherine Klüger vom Jungen Landestheater. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Katherine Klüger vom Jungen Landestheater. Klaus Hartinger

Als Gastspiel wird etwa „King Size“ von Christoph Marthaler im Oktober gezeigt – und womöglich auch schon Ende Juni dieses Jahres, so Gräve. Beim Jungen Landestheater sollen in der nächsten Spielzeit hoffentlich wieder mehr Projekte mit Schülern möglich sein, so Kügler, die ein reichhaltiges Programm geplant hat. Unter anderem wird im Frühjahr 2022 das Stück „Wutschweiger“ ab 10 Jahren in der Box zu sehen sein, Regie führt Danielle Fend-Strahm vom Café Fuerte.

Das Programm 2021/22

• „König Ödipus“:

Premiere am 18. September.

• „All you can be! Eurydike und

Orpheus“: Uraufführung am 8. Oktober.

• „Wir reden über Polke, das sieht man doch!“: Uraufführung am 6. November.

• „Pünktchen und Anton“:

Premiere am 19. November.

• „Herkules und der Stall des Augias“: Premiere am 26. Jänner 2022.

• „Leonce und Lena“:

Premiere am 16. Februar 2022.

• „Jephtha“: Premiere am 13. März 2022.

• „To All Tomorrow‘s Parties“:

Uraufführung am 14. April 2022.

• aktionstheater ensemble:

Uraufführung am 18. Mai 2022.

• „Abfall Bergland Cäsar“:

Premiere am 9. Juni 2022.