Kultur

Oft gehört und immer wieder ein Geschenk

23.08.2021 • 19:13 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Daniel Heide und Andrè Schuen bei der Schubertiade. <span class="copyright">Schubertiade</span>
Daniel Heide und Andrè Schuen bei der Schubertiade. Schubertiade

Andrè Schuen und Daniel Heide läuteten die Schubert-Zyklen ein.

Gäbe es bei der Schubertiade den Begriff „artist in residence“, er würde in dieser Woche für den Südtiroler Bariton Andrè Schuen und seinen deutschen Klavierpartner Daniel Heide gelten. Denn die beiden, die seit einigen Jahren das Schubertiadepublikum begeistern, dürfen in dieser Woche alle drei großen Zyklen von Franz Schubert interpretieren. „Die schöne Müllerin“ machte am Sonntag den Anfang und weckte die Vorfreude auf die „Winterreise“ am Mittwoch und den „Schwanengesang“ am Samstag.

Durch Höhen und Tiefen

Im vergangenen Jahr während des ers­ten Lockdowns haben die beiden einander eng vertrauten Musiker den Markus-Sittikus-Saal in Hohenems in ein Aufnahmestudio verwandelt und „Die schöne Müllerin“ für ihre hochgelobte Debüt-CD beim renommierten Label Deutsche Grammophon eingespielt. Doch live vor dem aufmerksamen, wohlwollenden und kundigen Schubertiade-Publikum ist die Wanderung des Müllersburschen durch emotionale Höhen und Tiefen natürlich noch intensiver.

Karten für die „Winterreise“ und weitere Konzerte diese Woche gibt es noch. Das Programm der Schubertiade 2022 ist bereits online. Der erste Zyklus startet am 28. April: www.schubertiade.at.

Die Zuhörer erleben frischen Aufbruch, euphorische Verliebtheit, zärtliche Farben, erste Zweifel, flammende Eifersucht und unendliche Melancholie, die zum Selbstmord im Bach führt: das alles mit den warmen, intensiven Farben von Schuens abgerundetem Bariton, seiner unbestechlichen Textsicherheit, manchmal winzigen Details in einer Betonung, einem verlängerten Vokal, und ganz besonders seiner berührenden Pianokultur. Heide trägt ihn hoch differenziert, manchmal munter sprudelnd als Stimme des Bachs, manchmal rasend in Staccatissimo-Figuren, wenn es um den Jäger geht, manchmal hohl und wie erloschen. Die letzten Lieder sind ein unendlicher langer Abschied mit feinsten Farbwechseln auf kleinem Raum: Oft gehört – und immer wieder ein Geschenk!

Katharina von Glasenapp