Kultur

Verstopfte Klos und unerfüllte Sehnsüchte

01.01.2024 • 23:05 Uhr
Robert Kahr, Helga Pedross und Wolfgang Pevestorf (v.l.).  <span class="copyright">Caro Stark</span>
Robert Kahr, Helga Pedross und Wolfgang Pevestorf (v.l.). Caro Stark

Im Theater Wagabunt im TIK in Dornbirn ist derzeit Werner Schwabs „Die Präsidentinnen“ zu sehen.

In einer braunen, 70er-Jahre Mief verströmenden Umgebung sitzen sie, die „Präsidentinnen“, drei ältere Frauen, die über ihr jeweiliges Leben schwadronieren. Das Braun des Raumes (Bühne und Kos­tüme Caro Stark) scheint nicht von ungefähr zu kommen. Ist doch der „Stuhl“ das zentrale Thema von Mariedl (Helga Pedross), einer leidenschaftliche Klofrau.

Bei ihr sind es der „Abort“ und dessen Inhalt, der ihr Leben bestimmt, bei Erna (Wolfgang Pevestorf) Sohn Herrmann, der ihr „keine Enkelkinder machen“ will, weil er „den Verkehr“ vemeidet und ihr das auch noch auf Postkarten mitteilt. Dass er säuft, trägt vermutlich auch einen Teil dazu bei. Gretes (Robert Kahr) Tochter Hannelore ist indes nach Australien ausgewandert. Hund Lydi wird zum emotionalen Ersatz, wenngleich da auch noch erotische Bedürfnisse wären.

Sprache im Fokus

Werner Schwabs 1990 uraufgeführtes „Fäkaliendrama“ ist derzeit in einer Inszenierung von Stephan Kasimir im Theater Wagabunt in Dornbirn zu sehen. Die um einiges gekürzte Fassung setzt stark auf die Sprache des mit 35 Jahren verstorbenen steirischen Dramatikers, das „Schwabisch“: inhaltlich teils recht schonungslos und derb, formal immer wieder verrenkt, grammatikalisch nicht immer ganz korrekt und mit eigenen Wortschöpfungen. Da werden die verschiedensten Abgründe augelotet, die „unteren Wörter“ lustvoll eingesetzt.

Erna und Grete geraten bald einmal aneinander, wüsteste Beschimpfungen („Nazihure“) und Handgreiflichkeiten inklusive. Dann wird wieder „die Nächstenliebe aufgebaut“ (Mariedl). Pevestorf, Kahr und Pedross arbeiten ihre jeweiligen Figuren schön heraus: da die frömmelnde bigotte Erna, dort die abgebrühte, lüsterne Grete und dazwischen die vom Kloputzwahn nahezu besessene Mariedl.

Ausstatterin Caro Stark und Regisseur Stephan Kasimir.   <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Ausstatterin Caro Stark und Regisseur Stephan Kasimir. Klaus Hartinger

Es sind keine sympathischen Figuren, die Schwab in seinem Stück vorführt und dennoch überwiegt in dieser Inszenierung nicht die Bösartigkeit der drei. Vielmehr wirken sie verletzlich und schutzlos. Sie träumen sich in eine Phantasiewelt, die von Mariedl gnadenlos zerstört wird – mit fatalen Konsequenzen. Eine spannende Produktion, die auch mit einigem Witz aufwarten kann.

Weitere Aufführungen und Karten: https://tik-dornbirn.at/