Wenn Kinder mit Musik Grenzen überwinden

Die Bühne des Festspielhauses in Bregenz wird morgen Vormittag gut gefüllt sein. Über 250 Kinder sind beim diesjährigen Superar-Jahreskonzert beteiligt.
Was macht man bei einem Konzert?“, fragt Jakob Peböck die Kinderschar, die im kleinen Turnsaal der Volksschule Augasse in Bregenz vor ihm hockt. „Singen“, lautet eine Antwort, „nicht schreien“ eine andere. Und auf die Frage, wohin man schaut, kommt ein „zum Jakob“ zurück.
Vier Klassen der Volksschule proben an diesem Vormittag für das große Superar-Jahreskonzert, das morgen im Festspielhaus Bregenz stattfindet. Bei Superar handelt es sich um ein Musikförderprogramm für Kinder. Der 30-jährige Dornbirner Sänger, Chorleiter und Musiklehrer Jakob Peböck ist seit zwei Jahren der Standortleiter Superar Vorarlberg.

Die österreichische Geburtsstunde von Superar war im Jahr 2009 in Wien. Seit 2013 gibt es das Programm auch in Vorarlberg, zunächst an der Montessori- und Volksschule in Altach, dann auch an der Volksschule Augasse in Bregenz. Derzeit sind über 250 Kinder in Vorarlberg daran beteiligt.
Angelehnt ist Superar an das 1975 gegründete venezolanische „El Sistema“. „Superar will quasi kostenlose Musikförderung für jedes Kind“, erklärt Peböck die Idee des Projekts. Damit sollen auch Kinder erreicht werden, die sonst keinen Musikunterricht bekommen. Und nachdem „superar“ auf Deutsch „überwinden“ heißt, gehe es auch darum, eigene Grenzen zu überwinden, so der Chorleiter.

Ein Team von insgesamt fünf Chorleiterinnen und -leiter ist regelmäßig in den Klassen. Drei Mal in der Woche singen die Kinder somit. In Bregenz gibt es auch eine Kooperation mit der Musikschule. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf vielsprachiger Literatur, informiert Peböck: „Wir wollen auch kulturelle Grenzen überwinden.“ Superar gibt es in sieben europäischen Ländern. Das gemeinsame, diesjährige Jahresthema lautet demgemäß „Crossing Europe“.

Neben dem Volksschulchor gibt es bei Superar zwei kleiner besetzte Jugendchöre mit einer Altersgruppe von 9 bis 14 Jahren. Sie sind heuer auch an der Familienoper „Pinocchio“ der Bregenzer Festspiele beteiligt. „Wir waren da auch vor zwei Jahren schon dabei“, erzählt Peböck. Neben dem großen Jahreskonzert finden auch regelmäßige Auftritte an den Schulen statt, aber auch bei externen Veranstaltungen. „Eine Klasse hat auch schon im Krankenhaus gesungen, eine im Altersheim“, so der Chorleiter. Und „wir schauen, dass wir viele Auftritte haben, um die Kinder auch auf die Bühne zu stellen.“

Beim Singen mit den Kindern gehe es auch darum, sie in ihrer Persönlichkeit zu fördern, erläutert Peböck. Manchmal sei die Arbeit nicht ganz einfach, sagt er, weil es schon auch sehr herausfordernde Klassen gebe. „Aber ich bin überzeugt, dass es ganz wichtig ist, dass sehr viele mitmachen können.“ Unter den vielen Kindern gibt es auch einige „ganz große Talente“. „Die schicken wir dann zum Landeskinderchor“, sagt Peböck.
Herausforderung Finanzierung
Eine große Herausforderung ist allerdings die Finanzierung des Projekts. „Da sind wir sehr auf Sponsoren angewiesen“, stellt der Superar-Standortleiter fest. Den Kindern scheint es aber Spaß zu machen. So freut sich der zehnjährige Abdul Malik sehr auf das große Konzert. „Ich singe gerne, weil es auch kreativ ist“, erklärt ihr. Manchmal singe er auch zu Hause. Das macht auch die gleichaltrige Alva. „Ich mag Musik generell und spiele auch Cello“, erzählt sie. Dass sie bei Superar in der Schule singen kann, findet sie „toll“.

Im kleinen Turnsaal geht indes die Probe weiter. Bevor es ans eigentliche Singen geht, wird zunächst aufgewärmt und gestreckt. Dann ein erstes kurzes Lied, bevor Beethovens „Freude, schöner Götterfunken“ angestimmt wird – und gleich mal wieder abgebrochen. Nachdem noch einmal abgeklärt wird, was man bei einem Konzert macht („brav sein“, „nicht reden“ kommen dazu), wohin und wie man schaut, ertönt dann aus zahlreichen Kinderkehlen erneut „Freude, schöner Götterfunken“.

Hie und da mischt sich ein nicht ganz richtiger Ton darunter, ab und zu ist eine kurze Ermahnung der anwesenden Lehrerinnen nötig. Aber es macht Spaß, den Kinden zuzuhören und ihnen scheint es zu gefallen. Weiter geht es mit dem Lied „Aux Champs-Elysées“ und auf die anschließende Frage von Peböck, in welcher Sprache das jetzt gesungen wurde, kommt die Antwort „von Paris“. Die beiden erwähnten Lieder und noch viele andere sind beim morgigen Konzert zu hören.
Superar-Jahreskonzert: Samstag, 6. April, 11 Uhr, Festspielhaus Bregenz, Eintritt freiwillige Spende.