Kultur

Sie nimmt die Fäden der Geschichte in ihre Hand

06.06.2025 • 07:00 Uhr
Sie nimmt die Fäden der Geschichte in ihre Hand
Die Künstlerin Małgorzata Mirga-Tas vor ihrem Werk im zweiten STock des Kunsthaus Bregenz. Steurer

Die Geschichte der Roma ist Gegenstand von Małgorzata Mirga-Tas Ausstellung im Kunsthaus Bregenz.

In intimer Zusammenarbeit mit Freunden und Familie entstehen die Werke der polnischen Künstlerin Małgorzata Mirga-Tas (Jahrgang 1978). Selbst Romni, ist die Geschichte der Roma Volksgruppe Gegenstand ihres Schaffens, dem die Sommerausstellung des Kunsthaus Bregenz gewidmet ist. Sie wird heute um 19. Uhr eröffnet und kann bis zum 28. September besichtigt werden.

Projektionen dominieren das Bild der Roma im kollektiven Gedächtnis Europas. Sei es romantisch verklärt als fahrendes Volk, oder verächtlich mit dem Verdacht der Kriminalität versehen, es sind stereotypische Erzählungen über sie, aber nicht von ihnen. Die Ausstellung „Tełe Ćerhenia Jekh Jag“ („Unter dem bestirnten Himmel brennt ein Feuer“) zeigt Mirga-Tas Versuch, Bild und Geschichte der Roma als Romni eigenmächtig darzustellen.

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Idyllische Szenen

Bereit im Stiegenhaus, vor dem Raum im ersten Stock, erklingt ein Gedicht. Verfasst von Jan Mirga, kündet es von den Jangare. Die menschenähnlichen Figuren aus Wachs und Asche stehen wie mythische Wächter zur Schau. Um sie herum hängen Textilcollagen von den Wänden. Sie zeigen idyllische Szenen, zumeist aus Czarna Góra, dem Wohn- und Heimatort der Künstlerin. Als Vorlage dienen ihr dabei Fotografien aus privaten Sammlungen und öffentlichen Archiven.

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Zentrales Motiv des zweiten Stockwerks ist die Schmiede. Mirga-Tas ist die Enkelin und Nichte von Schmieden, einem Handwerk, dem viele Roma beruflich nachgingen. Daran erinnert eine hausartige Installation aus sechs doppelseitig bedruckten Stoffarbeiten. Vom Wirken der Handwerker im Kreis der Familie bis hin zu liebevollen Porträts ihrer Verwandten reichen die gezeigten Szenen, wobei der weiche Stoff der vier Wände an die Kraft der Transformation erinnert.

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Bären als Beschützer

Tierisch-magisch geht es im dritten Stockwerk weiter. Wie Schutzgeister wirken die drei Bärenfiguren aus Wachs und Asche. Diesen Tieren ist der ganze Raum gewidmet. Dem brutalen Bild dressierter Tanzbären entgegengesetzt, werden sie von der Künstlerin als Nachbarn und Beschützer der Familie dargestellt.

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Schweigen

Wer direkte Verweise auf die brutale, jahrhundertelange Verfolgung der Volksgruppe sucht, wird hier keine finden. Diese sind, wenn dann negativ, durch Wächter und Beschützer vorhanden. Die harmonischen Motive bergen dennoch ein kritisches Vermögen. Denn sie können den Betrachtenden die Frage vor Augen führen, wie weit sich der Schleier des Schweigens über die Geschichte zieht.