Kultur

Paul Winter widmet Bowie, Prince und dem Grundeinkommen einen Abend

HEUTE • 18:38 Uhr
Paul Winter
Winter würdigt seine Helden mit Gitarre, Flügel, Polemik und Poesie. mistura

Zehn Jahre nach 2016 fragt der Musiker nach dem Weiterwirken großer Ideen und Ikonen.

Eine Totenfeier, die das Lebendige in den Mittelpunkt rückt. Das bietet der Musiker Paul Winter (geboren 1964) diesen Samstagabend im Theater am Saumarkt, Feldkirch. Ausgangspunkt sind drei heuer zehn Jahre zurückliegende Ereignisse, die den Künstler nachhaltig beschäftigen. So starben 2016 nicht nur seine musikalischen Helden David Bowie und Prince. Auch die Schweizer Volksinitiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen scheiterte damals an der Wahlurne.

Diese auf den ersten Blick disparate Klammer erhält durch eine einfache Frage Kontur: Was bleibt von diesen Persönlichkeiten und Utopien in der Gegenwart erhalten? Kurz gesagt: die Erinnerung an überragendes wie unerfülltes Potenzial. Während Bowie mit 24 und Prince mit sage und schreibe 41 veröffentlichen Studioalben ein fast schon überblickbares musikalisches Erbe hinterlassen haben, schätzt sie Winter als beeindruckende Schöpfer von Gesamtkunstwerken, die weit über die Logik der Pop-Musik hinaus wirkten.

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Prince, 1994 in Monaco. afp

Spirituelles Großereignis

„1988, da bin ich erst kürzlich von New York zurückgekehrt, sah ich Prince in der Dortmunder Westfalenhalle. Es war ein spirituelles Großereignis. Ich habe es zum Glück mit der Videokamera aufgenommen und bisher sicher 100 Mal angeschaut. Seit diesem Abend bin ich ihm verfallen“, strahlt Musiker. „Bowie habe ich lange nicht verstanden. Meine Begeisterung begann erst, als er über seine Band Tin Machine die punkige Energie wiedergefunden hat.“

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David Bowie, 2002 in Paris. afp

Winter studierte klassisches Klavier und war als Keyboard-Spieler von Le Passepartout in einer der ersten Punkbands Vorarlberg aktiv. Bis heute bewegt er sich fließend durch diverse Genres. Ein Umstand, der die Artverwandtschaft zu seinen Helden unterstreicht.

Grundeinkommen

Der dritte Bezugspunkt ist politischer Natur. „Die trotz Scheitern hohe Zustimmung hat mich verwundert und zum Thema Grundeinkommen geführt. Seither sind nicht nur zahlreiche Studien zu Finanzierbarkeit und wirtschaftlichem, ökologischem oder gesundheitlichem Nutzen der Idee veröffentlicht worden. Auch ich habe mich als Bürger mit Ausdrucksbedürfnis dem Thema künstlerisch gewidmet.“

„Plötzlich war Geld da“

Die Pandemie erlebte er wie eine Art Generalprobe für ein Grundeinkommen, wissend, dass es „für viele furchtbar war.“ Ausschlaggebend, sei für ihn jedoch die Erkenntnis gewesen, wie rasch politische Paradigmen ins Wanken geraten können, wenn der Druck groß genug ist. „Plötzlich war Geld da. Nicht, weil es vorher nicht existierte, sondern weil man sich entschieden hat, es bereitzustellen“, schildert Winter. Ähnliche Entschlossenheit habe man später bei militärischen Sondervermögen erlebt. Die Frage sei daher nicht, was möglich ist, sondern wofür man sich entscheidet.

Der Abend im Saumarkt wird keine Diskussionsveranstaltung. Stattdessen steht eine durchdachte Verschränkung von Musik, Polemik und Poesie auf dem Programm, das um 19.30 beginnt.