Akin Can: Gastronom und Autor historischer Abenteuerromane

Seine Autorenschaft ist das Ergebnis vieler Umwege, die er mit Disziplin und Leidenschaft bestritt.
Ein sagenumwobener Schatz aus Gold und Diamanten, Nazis und die Suche nach dem verschwundenen Schädel des als „Michelangelo des Osmanischen Reichs“ bekannten Architekten Mimar Sinan (1490–1588); das sind die Eckpfeiler der dreiteiligen Abenteuerroman-Serie des aus Schwarzach stammenden Unternehmers Akin Can (Jahrgang 1982).

Als ältestes von drei Kindern einer sogenannten Gastarbeiterfamilie mauserte sich Can zu einem „Selfmademan“. Gerne wäre er Historiker geworden. Bedingt durch die Notwendigkeit ökonomischer Sicherheit entschied er sich stattdessen für ein Wirtschaftsstudium in Innsbruck. Während montags bis donnerstags die Universität den Alltag bestimmte, arbeitete Can über die Wochenenden als Kellner im Hohenemser Lokal „Kohldampf“, wo er nach dem Abschluss zum Geschäftsführer aufstieg. Mittlerweile fungiert er als Eigentümer der Gaststätte und ihrem Pendant in St. Gallen, wo er heute lebt.

Der Weg zur Autorenschaft
„Das Schreiben war lange etwas, das keinen Platz hatte“, schildert der Autor. „Ich musste zuerst schauen, dass alles andere funktioniert.“ Der Wendepunkt kam während der Pandemie. „Die Lokale waren geschlossen und ich hatte Zeit, wusste aber nicht, was ich damit anfangen soll. Dann habe ich angefangen zu schreiben.“

Im Zentrum seines kreativen Schaffens steht eine historische Person, die ihn seit früher Jugend fasziniert: Mimar Sinan. Bei Familienbesuchen in Istanbul waren dessen prachtvolle Bauwerke stets präsent. „Man bleibt stehen und fragt sich, wer so etwas geschaffen hat“, erzählt Can.
Cans Recherche
Sinan wurde als Sohn christlicher Eltern ins osmanische Heer zwangsrekrutiert und zum Islam konvertiert. Als Mitglied militärischer Bautrupps nahm er an Feldzügen teil, die ihn von Bagdad über Kairo bis hin zur ersten Wiener Türkenbelagerung brachten. „Sinan hat erst in seinen Vierzigern angefangen, als Baumeister zu arbeiten. Bei der Entstehung seiner Süleymaniye-Moschee in Istanbul, die Sultan Süleyman „dem Prächtigen“ gewidmet ist, hat sich damals herumgesprochen, dass es dem Osmanischen Reich an Mitteln fehlt. Damit der Bau fertiggestellt werden konnte, wurden die Osmanen vom sich im heutigen Iran befindenden Reich der Safawiden mit Gold und Juwelen beschenkt. Jetzt gibt es die Legende, dass Sinan den Schatz zerkleinert in den Mörtel mischte oder ihn in einem Minarett der Hagia Sophia versteckt hat. Davon handeln auch meine Bücher.“

Dass die Wirklichkeit der Fiktion in Verrücktheit um nichts nachsteht, verdeutlicht folgender Umstand: 1936 ließ eine nationalsozialistische Gruppe von Pseudowissenschaftlern Sinans Grab öffnen. Sie wollten durch eine Schädelvermessung beweisen, dass es sich beim legendären Architekten um einen „Arier“ handeln muss. Der Schädel ist mit dem Bruch der Totenruhe verschwunden und nimmt in Cans Erzählungen eine zentrale Rolle ein.
Sie sind in mehrere Zeitebenen eingeteilt. Vom Leben des Architekten springen sie in die Gegenwart, wo Professor Mikail sich auf die abenteuerliche Suche nach dem verlorenen dritten Buch Sinans begibt. Dabei stößt er nicht nur auf alte Bruderschaften und verschlüsselte Baupläne. Es gilt nicht zuletzt, die Unschuld seines Vaters zu beweisen, in dessen Wohnung der Schädel des Architekten gefunden wird. Während der dritte Band gerade am Entstehen ist, lässt Can jetzt schon wissen, dass er sich unter anderem dem Verbleib der biblischen Bundeslade widmet. Damit widmet er sich demselben Mysterium wie Steven Spielbergs erster Indiana-Jones-Film, „Jäger des verlorenen Schatzes“.
2023 erschien mit „Mimar Koca Sinan’ın Gizli Hazinesi“ der erste Band der Reihe, 2024 folgte „Mimar Koca Sinan’ın Kayıp Kafatası“. Beide Romane sind jetzt unter den Titeln „Das geheime Vermächtnis des Baumeisters Koca Mimar Sinan“ und „Der verlorene Schädel des Baumeisters Koca Mimar Sinan“ auf Deutsch erhältlich.

Ein Vorbild sein
Auf Einladung des Franz-Michael-Felder-Archivs hielt der Autor Anfang Oktober eine hervorragend besuchte Lesung im ehrwürdigen Kuppelsaal der Vorarlberger Landesbibliothek. Als Jugendlicher sei er oft hier gewesen. „Ich wollte mich weiterbilden. Eine andere Bibliothek kannte ich nicht.“ Während sein jüngerer Bruder Hayri mit Hanno Loewy, dem scheidenden Direktor des jüdischen Museums Hohenems, eine Art Mentor fand, musste Can als Ältester „alles selbst herausfinden.“ Frei von Gram, nährt diese Erfahrung einen Wunsch in ihm: für jüngere Menschen das Vorbild zu sein, das ihm in seiner Jugend gefehlt hat.