Kultur

Wenn Jazz und Klassik eins werden

02.02.2026 • 12:55 Uhr
Bregenz am 1.2.2026 SOV Symphoniorchester Vorarlberg, Konzert Nr
Keyboarder Benny Omerzell (l.) mit Trompeter Martin Eberle bei der Gemeinschaftsproduktion des Symphonieorechester Vorarlberg und dem Jazzorchester Vorarlberg. Mathis 

Symphonieorchester und Jazzorchester Vorarlberg begeistern mit einem umjubelten Gemeinschaftsprojekt.

Ein großes Aufgebot an Schlaginstrumenten prägt die hintere Reihe der Orchesteraufstellung, auch vorne sind Keyboard, Drumset und E-Gitarren postiert: In großem Stil wachsen das Symphonieorchester (SOV) und das Jazzorchester (JOV) Vorarlberg zusammen, im Auftrag des früheren SOV-Geschäftsführers Sebastian Hazod haben Keyboarder Benny Omerzell  und Trompeter Martin Eberle eine Gemeinschaftsproduktion für beide Klangkörper geschaffen, die am Wochenende im Rahmen der Abokonzerte in Feldkirch und Bregenz zur umjubelten Uraufführung kam.

Bregenz am 1.2.2026 SOV Symphoniorchester Vorarlberg, Konzert Nr
Mathis

Aus dem Vollen geschöpft

Mögliche Genregrenzen zwischen „Klassik“ und „Jazz“ werden aufgehoben, die einen sind ebenso flexibel wie die anderen, es entsteht eine riesige Bigband auf der Reise durch „insomniac dreams“ – „schlaflose Träume“, in die das Publikum mit eintaucht. Kurzerhand durchmischen Eberle und Omerzell die einzelnen Sätze ihrer beiden Kompositionen: Während Eberle vielleicht mehr Bläsersoli einbaut – beginnend mit dem eigenen träumerisch anhebenden und virtuos grell gesteigerten Solo – und Omerzell vielleicht mehr Klangfarben einsetzt, stilistisch trennen lassen sich die beiden nicht so wirklich. Beide haben hörbar Lust, mit diesem großen Klangkörper aus dem Vollen zu schöpfen, bald klangmalerisch flächig zu arbeiten, mit dem pulsierenden Groove der Schlagwerker zu unterfüttern und darüber ausdrucksstarke Soli von Posaune, Saxofonen, E-Gitarre, Keyboard oder auch den Stimmführern der Streicher zu legen.

Bregenz am 1.2.2026 SOV Symphoniorchester Vorarlberg, Konzert Nr
Mathis

„Traumzustände“

Das kann nach Filmmusik klingen, hat manchmal eine zauberisch mystische Anmutung (etwa in Omerzells „Detuned Reality“), mischt sich zu einer butterweichen Trompetenballade über wabernden Streichern (in Eberles „Violet“) und lässt im Miteinander von Vibrafon, Synthesizer und Bläsern die Klänge verschmelzen. Die verschiedenen „Traumzustände“ wecken allerlei Assoziationen, die im wilden Finale mit seinen Akkordschlägen, den einander zuspielenden Orchestergruppen, den rhythmischen Explosionen und fauchenden Sounds hinweg katapultiert werden. Das Zusammenspiel der beiden Orchester ist opulent, virtuos, vielgestaltig, herausfordernd und spielfreudig: Benny Oberzell und Martin Eberle waren glücklich über die gegenseitige Wertschätzung und die Offenheit, die ihnen auch vom Publikum entgegengebracht wurde.

Katharina von Glasenapp